Nie gesehene spektakuläre Trailer, die kaum was mit realem Gameplay zu tun haben + umwerfende Kracher-Screenshots + Newsletter + Gelaber + Facebook-Gewinnspiel + Angebereien = Tiefschlaf. Marketing- und PR-technisch strotzte die Branche in den letzten Jahren nicht gerade vor neuen Ideen. Leaks sind im Gegensatz zur ermüdenden Ankündigungsmaschinerie super und funktionieren garantiert. Reicht schon, wenn sie ein kleines bisschen echt wirken im ersten Moment, um eine Ekstase zu schüren. Ein Beispiel: Red Dead Redemption 2 erscheint noch in diesem November. Yeah! Erzählt hat das vielleicht der Bruder der Krankheitsvertretung von dem Typen, der aushilfsweise beinahe den Cola-Automaten bei Rockstar San Diego aufgefüllt hätte. Vielleicht hat er das auch nicht erzählt, weil er nicht existiert. Ist egal. Sogar beim Schreiben des selbst erdachten Sensations-Leaks rauschte das Adrenalin nur so durch meinen Körper. Heute werde ich nicht schlafen können. Red Dead Redemption 2. Diverse Nächte werde ich es durchspielen. Am Stück. Wenn es kommt. Vielleicht.

Und dann gibt es eben die professionelle PR und das professionelle Marketing. Manchmal ist beides gut, keine Frage. Und manchmal fragt man sich, wer tiefer schläft. Die Strategen bei den Publishern, die geknechteten Junior-PR-Specialists bei den zuarbeitenden Agenturen, die böse Presse oder doch der liebe Kunde. Letzterer soll ja kaufen, weswegen erstere gerne aufgeweckter werben und berichten dürften. Beispiel: Borderlands 2. Erst hört man gar nichts darüber (=große Vorfreude und Kopfkino) und dann am gleichen Tag von allen nur denkbaren Medien on- und offline exklusiv haarklein dasselbe (mehr Waffen, mehr Abwechslung, mehr Level, mehr toller). Ist schon blöd, wenn sich in der Unterhaltungsbranche alle vertraglich dazu verpflichten müssen, unkreativ und langweilig zu sein. Gähn.

Ein anderes Beispiel für ermüdendes Marketing: Vor gar nicht langer Zeit wurden total viral mysteriöse Teaser-Countdown-Seiten gepusht, die dann um eine bestimmte Uhrzeit die Ankündigung einer Ankündigung ankündigten. Gab es das vorletztes Jahr nicht bei Metal Gear Solid: Rising? Herr Kojima?! Das Spiel heißt jetzt Metal Gear Rising: Revengeance und ist immer noch nicht erschienen. Dafür haben alle Teaser-Countdown-Webseiten gemacht. Da kommt eine Vorfreude auf, die nicht annähernd so aufregend wie ein Tiefschlaf ist. Auch wenn man nichts träumt.

Aber es gibt Grund zur Hoffnung. Und zwar wegen verräterischer Stellenanzeigen und angeschickertem Branchen-Gezwitscher. Bethesda sucht Programmierer für ein Next-Gen-Projekt. YES! Da werde ich wieder wach! Aber hallo! Skyrim kriegt schon Ende 2013 einen Nachfolger! Auf den Next-Gen-Konsolen! Vielleicht! Derweil macht ein Mario Basler von Crytek UK bei Twitter einen auf dicke Hose und verrät, dass die neue Xbox bei Microsoft intern unter dem Codenamen Durango firmiert. Donnerlüttchen, das ist ja ein Ding! HAMMER! Wer sich das wohl ausgedacht hat? Welche Agentur war da wohl so hellwach und entwarf nicht nur diese extrem cleveren Anzeigen, sondern legte eigentlich unscheinbaren Nerd-Programmierern knallharte Twitter-Sensationen in den Mund? Keine? Waren das nur normale Menschen? Die einfach mal so Stellenanzeigen schalten und nach einem Pilsken zuviel die Klappe nicht halten können? Egal. Sollen die Professionellen mal weiterschlafen und das immergleiche auf die immergleiche Art und Weise rauf und runter ankündigen. Oder zukünftig Stellenanzeigen entwerfen und sich bei Twitter verquatschen. Darauf eine Teaser-Countdown-Webseite!

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