Wenn bei einer Reise das Reisen das Ziel ist, dann kommt man natürlich nicht am fantastischen Journey vorbei. Nimmt man aber das geografische Ende einer Reise – also beispielsweise eine tropische Insel – als Setting, dann lohnt es sich einen Blick auf Dead Island zu werfen. Nicht nur, weil Zombies mit von der Partie sind. Sondern weil der Entwickler Techland neben der brachialen Gewalt ein kluges Händchen für pointierte Zivilisationskritik bewies. Auf die Schippe werden nicht die Pauschaltouristen genommen, sondern vielmehr die hippen Partytouristen – was recht mutig ist, weil sicherlich der eine oder andere von ihnen ein Gamer ist.

Als Beispiel eine Nebenmission: Bewaffnet mit Schraubschlüssel und Baseballschläger kämpfen wir uns durch die Zombiehorden, die die schick anzusehenden Badestrände unsicher machen, um die Schwester eines Mädchen zu suchen, die wir zuvor aufgegabelt haben. Ganz am Ende eines Strands und ungefähr 100-Zombietote später treffen wir in einer Hütte auf eine konsternierte und gebrochene junge Frau. Sie schreit, sie ist verzweifelt und runter mit den Nerven, sie wird immer hysterischer, denn…ohne Champagner macht das Leben halt keinen Spaß. Tanzen bringt´s auch nicht ohne das perlige Gesöff. Wen interessieren da schon draußen die Zombies? Oder ihre kleine Schwester, die sich Sorgen macht? Nicht die Bohne. Also: Besorgen wir der Dame Champagner und wenn wir dabei erfolgreich sind, versorgt sie uns im Gegenzug mit Munition etc. Und sorgt mir ihrer gnadenlosen Ignoranz zu allem im Leben, was wirklich wichtig sein könnte – wie etwa die Familie, menschliche Werte oder das nackte Überleben an sich – für den einen oder anderen Lacher, der auch mal im Halse stecken bleibt.

Da gaaanz hinten, im Schatten der Whiskeybar, ist eine arme und einsame Frau in großer Not.

Dead Island als „Urlaubsspiel“ funktioniert so lange wunderbar, wie der Kontrast zwischen dekadenten Tourismus und der gnadenlosen Zombiewirklichkeit im Vordergrund steht. Also in der ersten Teilwelt dieses Open World-Games. Leider versucht sich Techland später daran, eine Art Story zu erzählen, die seicht, wirrig und fehl am Platze ist. Mag ja sein, dass ein verrückter Wissenschaftler für den einen oder anderen die gewisse B-Movie-Prise reinbringt, die dem Spiel sonst gefehlt hätte. Mir reichten die ungefähr 100 Bugs für das intensive B-Game-Feeling schon aus!

Zu Beginn von Dead Island geben wir uns in einer Disco mächtig die Kante, schmieren ordentlich ab, wachen auf und das Hotel ist voller Zombies. Überlebenskampf. Auf dieser schlichten Ebene funktioniert Dead Island fantastisch und daher sollte jeder Koh Samui- oder Phuket-Fan zugreifen, wenn er mal wissen möchte, was ihm auf Reisen bei einer Zombieinvasion blüht!

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