Jetzt muss wirklich Journey dran glauben. Außer bei den Themen Fuuuuu, Bärte und Alkohol passte es eigentlich immer auf irgendeine Art und Weise. Und nicht nur vordergründig bei Reise. Wärme trifft es für mich am besten und das liegt nicht an der Hitze im Spiel, auch wenn die ersten Kapitel von Journey Wüstenabschnitte sind. Sondern daran, dass in diesem Spiel sehr viel Herzblut und Weisheit steckt und es genau aus diesem Grund eine große Wärme ausstrahlt. „Ach Gott, du siehst ja richtig beseelt aus!“, war zum Beispiel ein Kommentar nach meiner ersten Reise.

Spiele sind Business und Journey ist natürlich ein Produkt ebenso wie alle anderen kommerziellen Games auch. thatgamecompany dürfte einen ordentlichen Profit eingefahren haben und ich gönne ihnen davon jeden Cent. Weil das Spiel einen finanziellen Erfolg zu null Prozent provoziert. Es gibt keinen Sieg in diesem Spiel und auch keine Niederlage. Niedere Instinkte werden nicht bedient, aber dafür positive Emotionen geweckt. Die Zeit spielt kaum eine Rolle. Man kann nichts Irdisches gewinnen. Okay, die ollen und unpassenden Trophäen sind Pflicht, stören aber auch nicht.

Wer Glück hat und sich mit seinem unbekannten Mitspieler(n) „gut versteht“, spürt sogar so etwas wie eine virtuelle menschliche Wärme. Faszinierend, oder?

Journey funktioniert ohne Worte und eindeutige Aktionen. Und spätestens am Ende der Wintersequenz sind die normalen Strategien und Fähigkeiten, die man sonst bei Games einsetzt, längst über Bord geworfen. Aus gutem Grund, weil sie halt nicht weiterhelfen oder einen Sinn ergeben. Journey bleibt abstrakt, ebenso wie die Kommunikation mit dem Mitspieler. Bei meiner letzten Runde begleitete mich das gesamte Spiel über ein „weißer Reisender“. Er (oder sie) zeigte mir kleine kostbare Schätze, die ich bislang übersah und malte am Ende sogar ein Herz in den Schnee. Normalerweise, bei jedem anderen Spiel, hätte ich entsetzt die Konsole ausgeschaltet und in die Ecke gek*tzt. Aber Journey ist eben nicht Max Payne 3. Ersteres erwärmt das Herz, letzteres lässt einen den Wunsch verspüren, zur Whiskeypulle zu greifen und sich ein paar Schmerztabletten einzuwerfen.

P.S.: Aus aktuellem Anlass habe mich bei diesem Thema nicht für The Walking Dead: E2 entschieden, denn dazu schrieb ich kürzlich mehr als nur ein paar kurze Zeilen. Obwohl zu diesem fantastischen Spiel ganze Romane zum Thema reine (Herzens-)Wärme verfasst werden könnten, auch wenn es auf den ersten Blick seltsam erscheint. Ich sage nur Lee & Clementine!