Ob Pazifisten heimlich Krieg spielen? Sollte man nicht seinen Feind kennen? Darf man Kriegsspiele mögen – und in der realen Welt verteufeln? Ja, darf man, finde ich. Aber es kommt schon auf das Spiel im Einzelfall und die persönliche Werte des Gamers an. Ethisch und moralisch betrachtet ist man bei Strategiespielen eher auf der sicheren Seite als bei Shootern á la CoD und Battlefield, bei denen wir den bösen Nazis/Russen/Arabern so ganz nebenbei mal fix den Kopf von den Schultern ballern. Irgendwie hat ein Strategiespiel bestimmt auch was mit Bildung im klassischen Sinn zu tun, vielleicht. Und außerdem: Wenn (Ur-)Opa mit den Wehrmachts-Gipsfiguren den Blitzkrieg nachspielt, gibt es ja auch keinen Aufschrei. Den gab es auch nicht, als ich viele Stunden in Sudden Strike und seinen Nachfolger Sudden Strike 2 investierte.

Als PC-Echtzeit-Strategiespiel wurde Sudden Strike ebenso wie Teil 2 vom russischen Entwickler Fireglow Games realisiert und in Deutschland von CDV im Jahr 2000 veröffentlicht. Ja, natürlich gab es trotz dieser skandalösen geschichtsvergessenen Kombi auch den Kampf um Stalingrad. Den konnte man aus deutscher oder sowjetischer Perspektive gewinnen oder verlieren und damit massive Geschichtsmanipulation betreiben, von der der oben genannte (Ur-)Opa seit Jahrzehnten nicht einmal zu träumen wagte. Neben der deutschen und sowjetischen Kampagne konnten noch Missionen der Alliierten inklusive Landung in der Normandie gespielt werden. Was durchaus anspruchsvoll war – denn wer ohne Aufklärung ungeduldig mit seinem Panzern und der Infanterie gen Stalingrad marschierte, bekam es mit den Stalinorgeln zu tun und dann war auch fix Feierabend.

Die Truppen sammeln sich. Aber Masse heißt nicht direkt Klasse. Vor jedem Feldzug steht die Aufklärung und eine sinnvolle Einteilung der jeweiligen Einheiten.

Sudden Strike und seinen noch besseren Nachfolger Sudden Strike 2 (aufgrund der zusätzliche Lufteinheiten, das gilt aber auch für die verschiedenen Add-ons) zeichnete aus, dass es ganz nach der Old-School-Lehre bockschwer war. Wenn überhaupt, dann kam mal Verstärkung, aber in der Regel musste man mit den Truppen auskommen, die dem Spieler zu Beginn der Mission bereitgestellt wurden. Starb etwa ein Scharfschütze, dann war er tot, da lud sich dann keine Energieleiste wieder auf.

Am meisten Spaß machte der Krieg, neee…Sudden Strike meine ich natürlich, wenn man es im Netzwerk mit Gleichgesinnten spielte, wobei es schon bei drei Spielern chaotisch werden konnte. Mann vs. Mann war intensiver und funktionierte per LAN ebenso wie online. So manche Tricks funktionierten nur gegen die KI, wie etwa das langsame Herantasten mit dem Scharfschützen, ohne vom Gegner gesehen zu werden. Danach konnte mit den Haubitzen erst einmal Ruhe vor dem Sturm geschaffen werden. Gegen aufmerksame menschliche Gegner musste man sich schon intelligentere Finten ausdenken und dann machten die epischen Schlachten richtig Spaß, wenn man das mal so sagen darf.

Übrigens, wer Lust auf den Singleplayer von Sudden Strike 2 hat, kann das Spiel hier bei Gametop kostenlos downloaden.

 

52 Games ist ein Blog-Projekt von zockworkorange.com