Große Spiele haben oftmals einen Kleinen. Lächerlichen Abschluss. Oder langweiligen (Pseudo-)Boss. Oder bekloppten und angeklebten Cliffhanger. Das gilt beispielsweise für Resident Evil 5 genauso wie letztens für Far Cry 3 und tragischer Weise auch für jedes Uncharted-Game. Die Liste kann man beinahe unendlich fortsetzen: Dead Space 1 + 2, Metal Gear Solid 4, Borderlands und erst recht und ganz im Besonderen alle Assassin´s Creed-Teile. Die Spiele versauen die letzten Minuten und sorgen für einen bitteren Abschied. Im schlechten Sinne, denn ein tragischer Schluss kann auch ein sehr guter sein – wie etwa bei The Walking Dead als die ganz große Ausnahme und leuchtendes Beispiel für ein hervorragendes, emotionales und stimmiges Finale.

Oder aber man macht es wie das legendäre Studio id software bei Rage. Man beendet das Spiel einfach so. Völlig unspektakulär, ohne besondere Leistungen vom Spieler einzufordern. Nix mit Endgegner oder großen Explosionen. Geheiratet wird auch nicht. Erzählerisch ist das (so genannte) Finale bei Rage kein Meilenstein, sondern ein uninspirierter und mies inszenierter Cliffhanger für einen Nachfolger, den es vermutlich nie geben wird. Was schade ist, denn Rage ist zumindest auf dem PC oberflächlich eine blendend aussehende Schönheit und tief im Inneren ein fantastischer Shooter. Mehr aber auch nicht.

Im Spiel selbst ist bei Rage alles gut. Sofern man von einem Shooter nicht eine nobelpreisverdächtige Erzählung mit ausgeklügeltem Finale erwartet.

Also, jetzt wird gespoilert: In einer Fallout-ähnlichen Welt ballern wir uns recht frontal durch Mutanten- und Scorcher-Horden und kämpfen dabei irgendwie auch gegen eine Regierung, die es (aus welchem Grund auch immer) böse meint mit den Leuten aus der Gegenwart wie auch der Vergangenheit, aus der wir als Protagonist von Rage stammen. Ja, das ist dann schon die Story. Genreüblich müsste Rage uns eigentlich zum Abschluss des Spiels die Möglichkeit geben, dem Präsidenten/Diktator der fiesen Regierung einen bleihaltigen Abschied aus dem Spiel zu bereiten. Und was geschieht wirklich bei Rage? Wir drücken auf einen Knopf.

Und das nicht zum ersten Mal. Gefühlt jede zweite oder dritte (Neben-)Mission endet damit, das man auf einen Button drückt oder an einem Hebel zieht. Aber als letzte Handlung im Spiel?! Alle Achtung, id software, den Preis für das schmuckloseste Finale der Spielegeschichte habt ihr sicher! Aber: Ist das schlimm, schrecklich, unverzeihlich? Oder vielleicht einfach nur gnadenlos ehrlich und konsequent bei einem Shooter?

Yep, das hier könnte damit zu tun haben, das am Ende auf einen Knopf gedrückt wurde.

Nachdem ich ein Mal darüber geschlafen habe, oute ich mich nun als Fan dieses Abschieds von Rage. Er ist perfekt. id software versucht weder dem Spiel als Shooter etwas zu geben, was es nicht hat (Tiefe), noch wird der geringste Versuch unternommen, das immergleiche Call of Duty-Shooter-Standard-Finale zu kopieren (halbtot mit letzter Kraft dem russisch-arabischen Nazi-Bösewicht zwischen die Augen zu schießen). Rage ist ein knallharter linearer Shooter in einer großartig designten Pseudo-Open World und als solcher sucht er weiterhin seinesgleichen. Da gehört es sich nicht, mit Tränen in den Augen mit dem weißen Taschentuch Good bye zu sagen oder Fanfaren anzustimmen. Es geht halt einfach nur (irgendwie) weiter. Auch nach dem Abspann. Zum Beispiel mit einem DLC.

52 Games ist ein Blog-Projekt von zockworkorange.com