Mangelnde Abwechslung und Redundanzen kann man Bohemia Interactive bei der Auswahl der Showcases weiß Gott nicht vorwerfen und auch ARMA 3 Night sticht diesbezüglich positiv heraus. Wobei für eine Simulation ungewöhnliche Anleihen bei Just Cause 2 gemacht werden, denn auch in ARMA 3 Night geht es darum Chaos zu stiften. Dabei ist die Spielwelt relativ offen und es bleibt uns die Wahl, wie wir vorgehen wollen. Die Bedingung: Innerhalb von 20 Minuten muss es – mit dem Ziel die gegnerischen Einheiten ablenkend zu beschäftigen – ordentlich krachen, damit die nördlich von uns stationierten Einheiten ohne Gegenwehr einen größeren Angriff fahren können. Wie die Bezeichnung ARMA 3 Night schon erahnen lässt, sind wir bei Nacht unterwegs, was diese Showcase gleichzeitig auch atmosphärisch über manchen „Sonnenschein-Einsatz“ erhebt.

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Gewöhnungsbedürftig ist das unklare Missionsdesign, was dazu führte, dass der Einsatz einige Male scheiterte und ich beim besten Willen nicht verstand warum. Denn Chaos ist nicht gleich Chaos. Wer nach der Landung einer recht langatmig inszenierten Bootsfahrt direkt einmal das nahe Camp unter Feuer nimmt und gleiches bei den anderen beiden Lagern macht, gewinnt die Mission nicht. Obwohl dies dem Briefing nach eigentlich so sein sollte. Die gegnerischen Soldaten sind wie gewünscht damit beschäftigt in der Steppe nach uns zu suchen, doch, es soll trotzdem nicht sein. Der Grund: Man muss zwingend Gebäude bzw. Fahrzeuge sprengen. Nachdem ich das herausgefunden hatte, drehte sich die Spielfreude noch ins Positive. Denn eigentlich ist ARMA 3 Night ein ordentliches Showcase, bei der die offene Welt endlich ein wichtiger Bestandteil des Gameplays ist, da wir das Gelände klug nutzen müssen, um Erfolg zu haben.

ARMA 3 Night

Rauchsäulen animieren kann Bohemia Interactive. Hier mein erster Streich aus ARMA 3 Night: Der in die Luft gesprengte Leuchtturm.

Es liegt nahe, sich erst einmal um den Leuchtturm zu kümmern, da er nur lässig von drei Soldaten bewacht wird. Hier kann man entweder mit einer Granate für Ruhe sorgen oder sich als Revolvermann beweisen. Beides ist nicht sehr fordernd. Danach wird einer der drei vorhandenen Sprengkörper an dem Leuchtturm befestigt, sich einige Meter vom Schauplatz entfernt und anschließend das Spektakel angeschaut. Faszinierend sind die Entfernungen, in denen Brände in ARMA 3 noch sichtbar sind, da wurde von Bohemia Interactive sehr gute Arbeit geleistet und einem gewissen Realismus Sorge getragen. Für Pyromanen ist ARMA 3 Night sicherlich ein durchschüttelndes Vergnügen.

3x muss es knallen in ARMA 3 Night

Wie danach vorgegangen wird, ist dem Spieler selbst überlassen. Die Stellung im Süden ist weitaus besser bewacht, kann aber nahezu unbemerkt schleichend erreicht werden. Zwei kleine Scharmützel später und es stand auch Schauplatz Nr. 2 in Flammen. Allerdings blieben einige Einheiten unverletzt, weswegen der Abgang nicht triumphal, sondern eher eine Flucht mit den Beinen in den Händen war, sozusagen. Unterwegs sammelte ich einen Raketenwerfer auf, den wir schon aus Combined Arms kennen und der anschließend wichtige Dienste leistete.

ARMA 3 Night Map

Die kryptische ARMA 3 Night Map. Nicht alle rot markierten Ziele müssen angegriffen werden, aber mindestens drei inklusive massiver Explosionen sollten es schon sein.

Da ich nun schon einmal über den Raketenwerfer verfügte und mittlerweile gegnerische Einheiten den Zugang zum nordwestlichen Ziel blockierten, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und bedachte das Camp nahe des Landungsstegs mit einer Rakete. Gebäude und Fahrzeuge gingen in Flammen auf und zu meiner Überraschung wurde die Mission als erfolgreich beendet bewertet, obwohl ich mir sicher war, beide mit Ausrufezeichen versehenen Orte in die Luft jagen zu müssen. Vielleicht ist es nur ein Bug oder doch so gewollt – auf jeden Fall aber schlecht erklärt.

Was schade ist, denn eigentlich ist ARMA 3 Night eine spannendes Showcase. Schleichen und anschließend für großes Chaos zu sorgen ist ein interessanter Kontrast und an sich gut umgesetzt worden. Kommt es zu Schießereien ist das Verhalten der KI hervorragend der Dunkelheit angepasst – was auch bedeutet, dass nicht mehr jeder Schuss ein Treffer ist. Gut so, das wirkt realistisch und wurde nur leider, leider, von einem grottigen Briefing nach unten gezogen. Wenn aber weiß, wo der Hase hinzulaufen hat, ist dieses Showcase vielleicht sogar das interessanteste.