Schön, dass du da bist, Gran Turismo 6 Demo. Auch wenn du „nur“ eine Demo bist oder – ganz offiziell – eigentlich die GT Academy 2013. Nachdem ich mich mit dem arcadigen Grid 2 überhaupt nicht anfreunden konnte, schickt Entwickler Polyphony Digital einige Monate vor Release der Vollversion von Gran Turismo 6 eine ausgewachsene Demo um die Ecke, die der Konkurrenz aus dem Hause Codemasters zeigt wo der Hammer in Sachen realistischem Fahrgefühl hängt. Und dabei auch weiterhin seiner ureigenen Bräsigkeit treu bleibt. Gran Turismo bleibt Gran Turismo mit all seinen Stärken und Schwächen, auch in der Gran Turismo 6 Demo.

Die Nissan GT Academy 2013 vorzuschicken, ist dabei sehr clever, denn die völlig unrealistisch-theoretische Möglichkeit – die ganz hinten im Hirn natürlich doch zu Kinderträumen einlädt – einmal wirklich als Gewinner in einem Nissan-Cockpit zu sitzen, ist natürlich verführerisch. Nebenbei bemerkt: Kurz nach Release der Gran Turismo 6 Demo belege ich im Wettbewerbs-Zeitrennen gerade mal Platz 507 – und auch wenn bei mir zeittechnisch noch Luft nach oben ist, wird es nie in diesem Leben zu einem Platz in den Top 50 zum Stichtag 29. Juli 2013 reichen. So realistisch muss ich sein, aber die GT Academy 2013 bleibt aber natürlich trotzdem eine schöne Sache. Doch bevor es soweit ist, dass man um seine reale Chance (hüstel) auf eine Rennfahrerkarriere kämpfen kann, muss man sich diese erst einmal verdienen. 

 Gran Turismo 6 2

Nicht der Zeitangabe rechts im Screenshot vertrauen (Copyright Polyphony Digital), es ist Zeit bis zum 29.7.2013, um eine Traumzeit hinzulegen. Doch vorher muss man erst einmal vier Events erfolgreich absolvieren.

Für die Phantasie anregend mag es sein, dass der letztjährige GT Academy-Gewinner als Host der Gran Turismo 6 Demo agiert. Für zwei kleine Übungsrunden schickt er uns im Nissan 370Z über den Silverstone Circuit, wobei schon nach drei Minuten Fahrzeit klar wird: Technisch bzw. optisch hat sich in der Gran Turismo 6 Demo kaum etwas zu Gran Turismo 5 geändert. Atmosphärisch bleibt sich Gran Turismo weiterhin treu und verweigert jegliches Brimborium drumherum, dass nur irgendwie an eine echte und stimmungsvolle Rennatmosphäre erinnern könnte. Tristesse, wo man nur hinschaut. Mich stört das ein wenig – da wo Grid 2 maßlos übertreibt, untertreibt halt Gran Turismo 6. Es soll nichts, aber auch gar nichts, vom reinen Fahren – dem Kerngeschäft des Racers – ablenken.

Gran Turismo 6 Demo: Streng, zickig und gut wie immer

Was wiederum positiv auffällt: Die kurzen Ladezeiten, gerade nach The Last of Us, das den Spieler vor eine enorme Geduldsprobe stellte. Nach dem Training geht es los mit dem Sunday Cup für den Nissan Leaf, der aus zwei Rennen besteht. Typisch Gran Turismo, hier wird nicht mit PS geprotzt, sondern der Spieler erst einmal in einen Kleinwagen verfrachtet, mit dem er dann gegen erstaunlich langsame und passive Gegner eine Aufholjagd zu gewinnen hat. Also auch in Sachen Passivität ändert sich wenig bis gar nichts in der Gran Turismo 6 Demo. Die Gegner drehen stoisch ihre Rundem auf der Optimallinie und wir kurven völlig problemlos um sie herum und an ihnen vorbei. Ähnlich geht es weiter mit dem Clubman Cup im Nissan 370 auf dem Autumn Ring, wo zwar die Geschwindigkeit höher ist, der Schwierigkeitsgrad aber nicht. Sich hier nicht erfolgreich für die GT Academy 2013 zu qualifizieren ist die wahre Kunst und nicht annähernd so ein Geduldsspiel wie die anschließend zwingende Durchsicht der ellenlangen Teilnahmebedingungen für die GT Academy 2013.

Gran Turismo 6 1

 Natürlich nicht Next Gen, aber optisch ist die Gran Turismo 6 Demo trotzdem aller Ehren wert.  Und noch mehr, was das realistische Fahrgefühl betrifft.

So richtig in Fahrt kommt die Gran Turismo 6 Demo erst mit den fünf Veranstaltungen der Academy, die aus vier Zeitrennen auf Streckenabschnitten und einem Zeitrennen über die gesamte Strecke besteht. Hier geht es dann darum, das Maximale herauszuholen und das ist und bleibt bei Gran Turismo ein herausfordernder, spannender und grandioser Drahtseilakt. Auch, weil sich die Gran Turismo 6 Demo so zickig wie sein Vorgänger in Sachen (Beinahe-)Fahrfehler verhält. Kurz mal über den Randstein zu fahren führt gnadenlos zu einer ungültigen mit der Konsequenz, dass der Spieler nochmal ran muss. Gnadenlos und ein Stückweit spießig, aber auch das macht die Gran Turismo-Reihe aus. Das ist Simulation und soll auch bitte schön nichts mit Arcade zu tun haben. Ebenso bleibt der Anspruch an die Zeiten hoch: Gold im ersten Versuch zu holen verbietet sich von selbst. Bronze hole ich direkt, Silber im zweiten oder dritten Versuch und für die Goldmedaillen müsste ich dann ausgiebiger trainieren. Interessant, wenn etwa der Gesamtführende des kompletten Zeitrennens dann noch über 10 Sekunden unter der Goldzeit bleibt – wo ich mich echt frage, wo dieser Spieler die Zeit herholt. Übrigens: Wer einen Abschnitt oder den gesamten Kurs mehrmals ausprobiert, fährt gegen seinen Ghost, was immerhin spannender ist als gegen die stoischen KI-Gegner aus den vorherigen Rennen.

Und wer mit der Academy das erste Mal durch ist, bekommt noch zwei Schmankerl mit der GT-R Black Edition-Karre hinterher geschickt und nach Ende der Academy-Phase dann noch einen dritten Bonbon. Hier liefert die Gran Turismo 6 Demo ordentlich und weiß technisch wie auch vom Gameplay her zu gefallen. Wäre da nur nicht der Gedanke, dass sich die Demo mehr nach einem Gran Turismo 5 DLC anfühlt. Vielleicht ein Grund, um auf den Release auf der PlayStation 4 im nächsten Jahr zu warten.