Das Thema KZ verbindet Relic Entertainment in der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien mit einer vergleichsweise langsamen, zwischenzeitlich durchaus kniffligen Scharfschützenaufgabe. Seltsam, nicht wahr? Muss, darf oder sollte man sich darüber empören? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Einerseits ist es sicherlich machbar, die traurigen und menschenverachtenden Zustände in einem Konzentrationslager gefühlvoller, eindeutiger und gleichzeitig abschreckender darzustellen, als Relic es in dieser Episode 11 der Company of Heroes 2-Kampagne versucht. Andererseits: Das geht auch weitaus schlechter und am Schlimmsten wäre es aus meiner Perspektive, wenn KZs und Kriegsverbrechen in Company of Heroes 2 ungenannt bleiben und ignoriert würden. Diesen Vorwurf kann man Relic Entertainment und Publisher Sega sicherlich nicht machen, auch wenn viele User bei Metacritic ordentlich Dampf ablassen (was bei Eurogamer kurz zusammengefasst wird), wobei hier eher auf eine unsaubere bis tendenziöse Geschichtsschreibung durch Relic gezielt wird. Es mag sein, dass Company of Heroes 2 nicht zum Geschichtsunterricht taugt, aber ich schätze es ist nahezu unmöglich, bei solch einem Spiel die Gamer aller Herren Länder meinungstechnisch unter einen Hut zu bekommen.

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Konzentrieren wir uns auf die Mission selbst. Wir begleiten mit Ania eine polnische Scharfschützen-Partisanin, die wir nicht nur lebendig die Mission beenden lassen sollen, sondern die auch noch Gefangene aus dem deutschen Lager in Majdanek befreien möge – was uns in Episode 10 leider noch nicht gelungen ist. Beim Start der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien stehen uns nur drei Scharfschützen zur Verfügung, was vornherein für eine gemächliche und vorsichtige Vorgehensweise spricht. BTW: Das neue Feature Tarnung, das uns angepriesen wird, hilft kaum weiter. Falls jemand meint, einer der Grasbüschel hält einen hunderte Meter entfernten deutschen Infanteristen davon ab, exakt auf eure Soldaten zu zielen, irrt ihr euch. Man kann die Tarnung völlig ignorieren, was den Vorteil hat, dass man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen kann. Strategisch gesehen folgen wir in der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien der 08/15-Scharfschützen-Taktik: Was bedeutet, dass ein Scharfschütze ohne zu schießen erst einmal nur erkundet und dann entweder direkt zuschlägt oder die gegnerischen Soldaten in einen Hinterhalt lockt.

Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien

Bevor wir die Gefangenen befreien können, gilt es einen Informanten ausfindig zu machen. Dafür müssen wir uns schon mal in der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien von Süden nach Norden durchtanken.

Was früh in dieser 11. Episode der Kampagne auffällt: Die Map wird von unten nach oben und links nach rechts voll ausgereizt. Nach unserer ersten Aufgabe, der Eliminierung dreier deutscher Offiziere, müssen wir einen Funkturm zerstören und haben dafür schon mehr Kilometer hinter uns gebracht, als in einigen Missionen zuvor. Und gerade weil wir nur mit Scharfschützen – und später ein wenig Verstärkung – unterwegs sind, hält sich auch das Tempo in Grenzen. Hier entwickelt sich die Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien zu einem kleinen Geduldsspiel: Denn wer zu schnell mit seinen Scharfschützen losprescht, hat die Mission ganz schnell verloren. In manchen Passagen, besonders am Anfang, sollte konsequent Schritt für Schritt vorangegangen werden, um selbst in keinen Hinterhalt zu geraten.

Fragwürdige neue Features in der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien

Neben der wirkungslosen Tarnung platziert Relic noch ein weiteres, leicht überflüssiges bis zu bemüht angeklatschtes Feature-Innovatiönchen in diese Mission. Das Lagerfeuer. Zündet Ania eines an, trotten naive gegnerischen Soldaten dann an und können durch einen Hinterhalt beseitigt werden. Zwei Mal kann man so in dieser Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien vorgehen, wenn man will, aber extrem viel gewinnen wir taktisch nicht mit dem Lagerfeuer. In den brenzligeren Situationen spielt das Lagerfeuer-Feature übrigens gar keine Rolle.

Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien Map

Eine vollgepackte Map: Aus dem Südwesten geht es ins Zentrum, dann in den Norden, anschließend in den Westen und gegen Ende in den Südosten. Man ahnt: Die Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien ist nicht in einer halben Stunde durchspielbar.

Erreicht man das Zwischenziel – im Norden den Informanten zu verhören – ist überraschender Weise schon der schwere Teil der Mission erledigt. Sofern man nicht unvorsichtig ist bei der Verteilung der Einheiten als es darum geht, Ania während des Verhörs zu beschützen. Ganz große Geschütze fahren die Deutschen nicht auf, hier lauern keine großen Gefahren. Nun geht es in den Westen in Richtung Lager. Ehrlich gesagt erwartete ich die große, pathosgetränkte Befreiungsaktion und Zerstörung des KZ Majdanek. Zwar kann ich nicht behaupten direkt enttäuscht zu sein, dass der Pathos auf die Nullgrenze gesenkt wurde, allerdings war auch nicht auf den ersten Blick zu bemerken, dass das Minilager mitsamt einem Gebäude und einem Witz von einem Gartenzaun ein KZ sein soll. Seltsam, seltsam, wie Relic dieses „Problem“ löst. Andererseits wäre die Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien auch nicht die Episode gewesen, bei der ich gerne das Storyboard geschrieben und die Mission designt hätte.

Soldaten befreien, Dank abholen und über die Story wundern

Die ganz großartige Gegenwehr muss bei der Befreiungsaktion im Lager nicht erwartet werden. Einfach vorsichtig handeln und nichts überstürzen reichen schon als Tipps für die Vorgehensweise. Nach Übernahme des Lagers erhalten wir noch (viel zu viel) Verstärkung, große Dankes-Worte der polnischen Partisanen und machen uns auf, um Ania vom Westen in den Südosten zum Extraktionspunkt zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt ist der spielerische Anspruch – überraschend für ein Finale – bemerkenswert niedrig. Außer ein paar versprengten Infanteristen hindert uns niemand beim Vormarsch gen Osten.

Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien 1Heureka, es ist vollbracht! Ania wurde sogar unversehrt in der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien zum finalen Extraktionspunkt verlassen. Warum das trotzdem schnurzegal ist, zeigt uns dann die folgende Cut-Scene.

So entwickelt sich die letzte Teilaufgabe der Company of Heroes 2 Mission Hinter feindlichen Linien als ein besserer Spaziergang, bei dem auch das Tempo sogar wieder angezogen werden kann. Alles wirkt plötzlich so leicht und unbeschwert, die Mission war ein voller Erfolg, Ania lebt, das KZ ist Vergangenheit, aber…so einfach ist es dann doch nicht. Wenn es westlich motivierte Propaganda in diesem Spiel geben sollte, dann vielleicht hier. Denn – wir wollen mal nicht zu sehr spoilern – die Art und Weise, wie die russische Führung der polnischen Partisanin Ania dankt ist…nun…nicht sehr freundlich. Mal wieder haut uns Relic völlig überraschend eine Storywendung vor den Latz, die es in sich hat. Seltsam, wie sehr doch die Qualität der Geschichte in Company of Heroes 2 zwischen irrelevant und großartig schwankt. Übrigens gar nicht mal so blöde, in einer „KZ-Mission“ einen Twist einzubauen, der in Richtung Magengrube zielt.