Am Start der dritten Tour für mein DayZ Wandertagebuch in Kamyshovo ahnte ich noch nicht im Geringsten, dass im weiteren Verlauf der Reise die große Frage nach dem Sinn und Unsinn des Lebens in Chernarus dringlichst ansteht. In welchem körperlichen Zustand lohnt sich wohl noch eine Existenz, gerade als schreibender Wandersmann und wann sollte man lieber den Löffel abgegeben und den gnädigen DayZ Tod sterben? Knifflig, knifflig und gar nicht so einfach zu beantworten. Ansonsten steht bei dieser Tour eine kleine Zeitreise (macht man ja auch nicht alle Tage), Zombie-Soldaten und Pipsi-Cola im Mittelpunkt.

DayZ Wandertagebuch: Tour 3 Kamyshovo-Pusta-Mogilevka-Nadezhdino

Eine Tour ins Landesinnere von Chernarus ist keine gute Idee, wenn man auf eine Schusswaffe mächtig scharf ist. Ich bin es, denn so langsam geht mir die Splitting Axe auf die Nerven. Daher legte ich auf meinem Weg von Kamyshovo nach Pusta einen kleinen Umweg nach Elektro ein um dort (erfolglos) am Güterbahnhof und (erfolgreich) in der Fabrik im Norden nach einer lauschigen Waffe Ausschau zu halten. Munition für meine Moisin fand ich leider nicht, aber immerhin eine FNX45 mit ordentlich Munition. Das ist doch schon mal was, hurra! Auf dem Marsch querfeldein über den Hügel vom Bahnhof zur Fabrik begegnete ich übrigens erstmals einem Zombie in freier Wildbahn. Kein Haus in Sicht. Wahrscheinlich „bewachte“ er das Haus mitsamt Wasserpumpe auf dem Hügel nordöstlich der Fabrik, war aber nun fern der Heimat, was auf eine kleine Verfolgungsjagd mit einem menschlichen Spieler schließen lässt. So oder so: Das war kein gutes Omen, denn auch wenn dieser spezielle Zombie kein Problem darstellte, war er nicht die einzige Untoten-Überraschung auf dieser Tour.

DayZ Wanderführer Tour 3 See nördlich ElektroHach, wat is dat schön! Der lauschige See nördlich von Elektro. Hier war Chernarus für mich noch, wie es sein sollte. Die Sonne scheint, die Optik ist knackscharf und die Frage nach einem DayZ Tod aus eigener Hand stellte sich noch nicht.

Warum wohnte eigentlich kaum ein Bonze aus Elektro im nördlichen Speckgürtel? Der kleine See und der Topolka Dam liegen direkt um die Ecke und sind mit die schönsten Plätze im Süden bzw. Südosten von Chernarus. Hier macht es mir richtig Freude ein wenig umher zu spazieren und nach schönen Motiven für Screenshots zu suchen. Auch wenn mir Tulga als Dorf bislang am besten gefiel, würde ich mir – wenn ich mir ein Haus in Chernarus kaufen könnte – dann dieses hier am Topolka Dam zulegen.

DayZ Wanderführer Tour 3 Topolka DamRein loot-technisch gesehen eine Enttäuschung, aber Zucker für´s Auge. Das Anwesen am Topolka Dam.

Und nun aber auf nach Pusta. Nach den beiden lausigen Zombie-Opfern in der Fabrik schreit die FNX45 förmlich nach Beschäftigung. Und ein wenig Loot würde auch nicht schaden. Ein Dosenöffner etwa, damit nicht andauernd die Hälfte verloren geht, wenn der Herr Wandersmann die Thunfischdose mit der Splitting Axe öffnet. Dank Kompass war es keine allzu große Herausforderung sich durch Botanik nach Pusta durchzuschlagen. Und wie es so ist, manchmal im Leben, ziehen einen Orte wie Magnete an, die weder gut tun noch in irgendeiner Form gut sind. Wie Pusta. Eigentlich eher eine kleine Ansammlung von farblosen Mini-Siedlungen, gab es hier für mich weder etwas zu holen, noch zu fotografieren oder zu berichten. Abgesehen davon, dass Pusta scheinbar so etwas wie das Zentrum eines Raum-Zeit-DayZ-Update-Kontinuums ist. Dafür hätte es auch bessere Ort geben können. Aber erst einmal ballerte ich mich durch den lahmen Ansturm der beiden Pusta-Zombies, prüfte anschließend den Hochstand im Nordosten (immer noch lootfreie Zone) und zog dann gelangweilt weiter nach Mogilevka. Und ahnte nicht in Kürze wieder nach Pusta gebeamt zu werden.

Es naht die Frage nach dem traurigen DayZ Tod…

Nahe des Ortseingangsschilds von Mogilevka legte ich mich ins Grüne und beschloss eine mehrtägige DayZ-Pause einzulegen. Ist immer mal gut zu verschnaufen. Just in dieser Zeit spielte Bohemia Interactive das Update 114557 auf die Server (Changelog), welches mich geradezu elektrisierte. Nicht nur, dass es nun weitere Obstsorten gibt, nein, unter anderem darf man nun auch Pipsi Cola Dosen finden und leeren. Wahnsinn! Ebenso gibt es nun Zombie-Soldaten und, mir lief das Wasser im Munde zusammen, auch eine Shotgun. Und zusätzlich stellte sich noch die Frage, was man wohl mit der Hacksaw, dieser wunderbaren Säge, so alles anfangen könnte. Die Neugierde trieb mich also schnell wieder nach Chernarus und welch Zufall, dass es in Mogilevka bei den großen Lagerhäusern ordentlich Waffen-Loot geben soll. Der Plan: Weg mit der Moisin und her mit der Shotgun. Die Realität in der Simulation sah aber anders aus.

DayZ Tod Map Wanderführer Tour 3

Wie man sieht, ist die Route ein wenig ungewöhnlich, aber es zog mich doch wieder ins Landesinnere.

Pusta again! Fuck! Da ist irgendwas mit dem/den Server(n) schief gelaufen. Ich erwachte nahe der kleinen Siedlung im Norden von Pusta, wo ich mich in einer der Sessions zuvor mal ausgeklinkt hatte. Definitiv nicht beim Spiel davor. Zudem fehlte mir im Inventar die Firefighter Axe, die ich mittlerweile gegen die Splitting Axe eingetauscht hatte – und alle Dosen waren verschwunden. Großer Ärger! Zudem war mir zuerst gar nicht bewusst, dass ich in Pusta bin, denn auf den ersten Blick sehen Drei-Haus-Siedlungen auf dem Lande alle gleich aus. Ich checkte die Lage, sah dass sich mir keine Zombies näherten und versuchte Orientierung auf der DayZ-Map meiner Wahl zu finden. Und, was bemerkte ich? Ein neues Feature für die Map bei dayzdb.com! Nun kann man tatsächlich durch einen Click an einem Ausgangspunkt die Entfernung zum Endpunkt messen (noch ein Click). Wahnsinn! Ich spielte damit ein wenig herum, fand ich mich auf der Map in fuckin´ Pusta, wechselte vom Browser zurück zu DayZ und schaute einem Zombie-Soldaten mitten ins Gesicht, der sich gerade an meinem Avatar zu schaffen machte. Himmelherrgottnochmal, was für ein bekloppter Anfängerfehler war das denn, bitte schön?! Ich wich kurz zurück, beförderte den Untoten-Soldaten ins Jenseits, legte einen Verband an und stillte die Blutung, ärgerte mich maßlos über meine völlig amateurhafte Schusseligkeit und blickte geradezu melancholisch auf das Bild, dass sich mir bot. Wie unter Wasser. Kein gutes Zeichen. Ich warf mir von Antibiotika über Painkiller bis zu Vitaminen alles ein, was ich im Rucksack hatte, aß und trank, aber es tat sich nichts. Keine Statusmeldung über eine Verletzung, weder im Spiel selbst noch in der Inventaransicht, einfach nichts. Was tun? Mit geballter Faust in der Tasche machte ich mich auf den Weg Richtung Mogilevka in der Hoffnung, bald wieder gesund und gute Sicht zu haben.

DayZ Wanderführer Tour 3 Mogilevka KircheGute Sicht? Pfft. Die Kirche mag das Highlight von Mogilevka sein, wirklich viel habe ich davon nicht zu sehen bekommen. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, provokant mit meiner Pistole auf die Kirche zu zielen (habe aber nicht abgedrückt).

Es geht bergab. Mogilevka war waffentechnisch gesehen eine Enttäuschung. Keine Shotgun, nix, rein gar nichts. Immerhin fand ich einen frischen Apfel, ein leckere Orange und trank nicht nur Pipsi Cola, sondern auch eine Nota Cola und ein Rasputin Kvass Drink. Toll. Mogilevka war ansonsten wie leer gefegt. Das ist Berufsrisiko, hier waren zuvor andere Jäger und Sammler am Werke und leider, leider (da sich nichts an meiner verqueren Optik änderte) gab es auch nichts zu sehen. Dabei ist Mogilevka sonst sicherlich keine üble Stadt. Trotzig, aber immer noch ziemlich im Clinch mit mir selbst (verdammter Amateur!) folgte ich stur meiner Route, die mich über Zub zum Etappenzielort Nadezhdino führen sollte.

DayZ Tod Wanderführer Tour 3 ZubZub ist eigentlich eines der großen touristischen Highlights. Aber nicht mit Tomaten vor den Augen.

Federnden Schrittes erklomm ich den Turm von Zub, erinnerte mich an mein tragisches Schicksal in Rog, als ich aus Versehen vom Turm sprang und zeigte erstmals eine gewisse Avatar-Lebensmüdigkeit, die mich innerlich aufhorchen ließ. Sowas ist gar nicht gut, das gefiel mir nicht, aber es gefiel mir ebenso nicht, was ich sah, denn das war dank meines „Missgeschicks“ viel zu wenig. Oben auf dem Turm hat man – eigentlich – eine wunderbare Aussicht mit Blick auf Wälder, Felder und auch das Örtchen Vyshnoe liegt einem geradezu zu Füßen. Aber für einen Screenshot taugte das alles nicht und wie ich da so oben stand, fragte ich mich mit Blick auf das Wandertagebuch und den Spielspaß, ob ich nicht vielleicht ein kleines Rog-Revival inklusive Sturz in die Tiefe feiern sollte. Empört von mir selbst und meinen garstigen Gedanken ging ich besonders vorsichtig die geländerlosen Treppen nach unten und machte mich auf den Weg nach Nadezhdino.

DayZ Wanderführer Tour 3 Blick auf NadezhdinoSoll dieser Held mit dem krassen Motorradhelm und dem scharfen Rucksack wirklich den DayZ Tod sterben?

Diese verwaschene Optik, die sich einfach nicht ändert (brauche ich wohl eine Blutinfusion? Oder dauert das einfach so lang, denn weiterhin gibt es keine Statusmeldungen, die auf ein Problem hinweisen…), gibt DayZ einen gewissen surrealen Charakter. Dazu passte dann auch mein Aufenthalt in Nadezhdino. Was für ein Gemetzel! Wie es scheint, spawnen die neuen und verdammt schnellen Zombie-Soldaten zusätzlich zu den schon vorhandenen, eher trägen Kollegen. Und da ich in dieser Server-Session Nadezhdino entjungferte, liefen von rechts und links Horden von Zombies auf mich zu. Die Splitting Axe ließ ich mal schön stecken, denn noch hatte ich ausreichend Munition und ballerte um mich, wie es nur ging. Wäre dies ein DayZ Film, wäre diese Passage aber sowas von in Zeitlupe präsentiert worden, selbstverständlich mit Fokus auf meinen irren Gesichtsausdruck. Den hat man nun mal als halbblinder Held, der aus der Entfernung kaum ein Zombie von einem Baum unterscheiden kann und sich wie verrückt durch Nadezhdino schießt. Erwähnte ich schon, dass kaum brauchbares Loot zu finden war? Das machte mir – neben meinem Gesundheitszustand – große Sorgen. Mir schwant, dass nach dem Update die Menge und Qualität an Loot massiv runtergefahren wurde. Ärgerlich wäre das.

Aber macht DIESE Zukunft überhaupt noch Sinn? Für das Wandertagebuch sicherlich nur bedingt, denn diese schwammigen Screenshots bringen niemanden weiter. Außerdem möchte ich Ruinen und Türme bewundern und nicht darüber rätseln, ob ich mich nun in die Tiefe stürzen soll oder nicht. Ist doch Mist, sowas. Also, sollte ich nicht doch lieber den verdienten DayZ Tod sterben? Andererseits: So einfach aufgeben ist nicht mein Ding. Ich beschließe, den eingeschlagenen, latent blutigen Pfad zu folgen, die Route für die vierte Tour handstreichartig zu ändern und mein Heil in ungezügelter, frontaler Konfrontation zu suchen. Halbblind und mit einem Hauch an Munition geht es nun rein in die Städte und raus aus der beschaulichen Provinz. Nur auf vollen Servern zur Abendzeit. Wollen wir doch mal sehen, ob ich aus dieser Nummer heil herauskomme.

Und das passiert (unter anderem) bei der vierten Tour des DayZ Wandertagebuchs von Novoselky über Dubky und Prigorodki nach Chernogorsk (wenn alles gut geht): Latent lebensmüde und mit Messer zwischen den Zähnen durch die Städte zu streifen, scheint der besorgniserregende Trend für dieses Kapitel des Wandertagebuchs zu sein.

Zusammenfassung des DayZ Wandertagebuchs Tour 3:

Sehenswürdigkeiten: Der kleine See nördlich von Elektro, der Topolka Dam und natürlich die Ruinen von Zub.

Zombies: Circa 40, davon rund alleine 20 in Nadezhdino. Verletzt durch Blödheit von einem Zombie-Soldaten.

Menschen: Fehlanzeige.

Vegetation + Wege: Wälder, Wiesen, Seen, aber vor allem Felder und nochmal Felder.

Schwierigkeit: Mittelschwer bis schwer, auch ohne Blick auf die Map, während man von einem Zombie-Soldaten angeknabbert wird. Wie es scheint, wurde mit dem Update 114557 die Anzahl an Zombies ordentlich erhöht.

Tode: Keiner, aber richtig lebendig geht anders.

Dauer: 6 Stunden aufgrund der Zeitreise durch das Update, ansonsten ca. 5 Stunden.

Alle Etappen des DayZ Wandertagebuchs auf einen Blick:

Tour 1: Solnichniy-Dolina-Shakhovka-Staroye

Tour 2: Staroye-Msta-Rog-Tulga-Kamyshovo

Tour 3: Kamyshovo-Pusta-Mogilevka-Nadezhdino

Tour 4: Nadezhdino-Novoselky-Dubky-Prigorodki-Cherno

Tour 5: Cherno-Chapaevsk-Balota-Komarovo-Kamenka

Tour 6: Kamenka-Pavlovo-Zelenogorsk-Sosnovka-Myshkino

Tour 7: Myshkino-Pustoshka-Lobation-Airfield-Grozovoy Pass

Tour 8: Grozovoy Pass-Neues Dorf Nordwesten-Vybor-Militärbasis Vybor-Kabanino-Grishino