Soldat Angela Moore, Mitglied der Elitetruppe von XCOM Enemy Unknown, ist tot. Sie fiel am 14.3.2015 im heldenhaften Kampf gegen die außerirdische Invasion während der Operation Verbrannter Hengst. Die Truppe um Col. MacDonald trauert um eine beliebte, idealistische und fähige Elitekämpferin, die erst ganz am Anfang ihrer Karriere stand. Wollen wir hoffen, dass der Mensch, der da so locker an der Tastatur saß und durch eine kleine Sekunde der Unaufmerksamkeit nicht ganz unschuldig am Tod des geschätzten XCOM-Mitglieds Angela Moore ist, sich in Zukunft zusammenreißt. Mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben, dass bei XCOM Enemy Unknown der kleinste Fehler seine bitteren Konsequenzen hat. Immerhin: Seit der Mission Verbrannter Hengst wurden gewisse Fortschritte bei der Strategie, Taktik und Konzentration wohlwollend zur Kenntnis genommen – nur hat Soldat Angela Moore nichts mehr davon. Wie so viele andere, die auf dem Schlachtfeld starben.

Dabei hätte es in der Offiziersschule der Kaserne im XCOM-Hauptquartier viele Möglichkeiten gegeben, Soldat Angela Moore´s Fähigkeiten zu optimieren. Es kam leider nicht dazu, dass sie eine der verschiedenen Klassen – Scharfschütze, Sturm, Schwer oder Unterstützung – zugeteilt werden konnte. Es hätte zur Folge gehabt, dass Angela Moore extrem nützliche Offensiv- und Defensivfähigkeiten erlernt hätte, wie etwa Reflexschüsse, Raketenmodifikationen, zusätzliche Bewegungsfreiheiten oder den Umgang mit erweiterten Medi-Kits. Sie hätte in der Hierarchie vom Soldaten über den Major bis hoch zum Colonel aufsteigen können und sich in eine menschliche Waffe verwandelt, die für die XCOM-Kräfte unverzichtbar im Kampf gegen die außerirdischen Einheiten wie Mutons, Schweber und Sektopoden gewesen wäre.

Soldat Angela Moore war die Erste, die bei einem Gefecht gegen die Außerirdischen starb. In XCOM Enemy Unknown wird den Toten in der Ehrenmal gedacht.

Entscheidend sind nicht nur die Elitekämpfer, sondern u.a. auch die Akteure im HQ. Leider war das XCOM-Hauptquartier nicht in der Lage, jeden relevanten Staat schnell genug mit einem Satelliten und Abfangjäger zu versorgen, um damit die Bedrohung durch die UFOs rechtzeitig abwehren zu können. Großbritannien, Frankreich und Nigeria verließen leider den XCOM-Verbund. Vielleicht stellt sich der Herr an der Tastatur bei XCOM Enemy Unknown einfach nur zu blöde an, aber der Verdacht, dass aus dramaturgischen Gründen nicht jeder Staat vor den Aliens gerettet werden kann, scheint nicht ganz unbegründet zu sein – zumindest so lange, bis jemand per Screenshot das Gegenteil bewiesen hat. Wie dem auch sei: Das XCOM-Hauptquartier leistet sehr gute Arbeit und hat nach dem erfolgreichen Angriff auf die Alienbasis mittlerweile die Lage nach eigenem (vorschnellen?) Bekunden unter Kontrolle.

Das die gute Dr. Vahlen, Leiterin der Forschungsabteilung im XCOM-Headquarter, das anders sieht, ist nur typisch. Neben ihrer ausgeprägten wissenschaftlichen Neugierde zeichnet es sie aus, dass sie zuweilen den leicht zu euphorisierenden Funktionären im XCOM-Lagezentrum mit ihrer penetranten Skepsis gehörig auf den Nerven herumtanzt. Die Zusammenarbeit ist dennoch vorbildlich: Die XCOM-Eliteeinheiten sammeln das „Material“ (um es mal so wertfrei wie möglich zu formulieren und davon abzulenken, dass alle Soldaten inklusive der armen gefallenen Angela Moore eigentlich hammerharte Killer sind/waren), mit denen Dr. Vahlen in den verschiedenen Laboren arbeitet, die ihr wiederum das XCOM-Hauptquartier zur Verfügung stellte. Dr. Vahlen schafft also die Voraussetzungen, um das Alien-Wissen verfügbar zu machen: Für neue Waffen, Rüstungen und allerlei Gimmicks, die auf dem Schlachtfeld nicht schaden können.

Die Welt kurz vor dem Angriff auf die Alienbasis. Auf der Map sieht man, dass es in Deutschland, den USA und Südafrika hoch her geht. Nachdem die Alienbasis übernommen wurde, herrscht nun überall erst einmal Ruhe.

In der Werkstatt und Gießerei hat Dr. Shen, der Tüftler im XCOM-Hauptquartier, das Sagen. Er stellt nicht nur die Laser- und Plasma-Gewehre und -Pistolen her, sondern baut u.a. auch Abfangjäger, monumentale Phoenixkanonen, den wichtigen Pulsbogen und gerne auch mal eine Aliengranate. Nicht zu vergessen sind die mechanischen Freunde auf dem Schlachtfeld: Die S.H.I.V., die verdammt viel einstecken können, stellt Dr. Shen den Männern und Frauen an der Front auch als fortgeschrittene Hover- oder Legierungs-S.H.I.V. zur Verfügung.

Es ist ungerecht und richtig mies, nun Dr. Shen vorzuwerfen, dass Angela Moore noch leben würde, wenn er mal schneller beim Bau der S.H.I.V. in die Pötte gekommen wäre. Aber manchmal versucht der Mann an der Tastatur sein schlechtes Gewissen (vergeblich) damit zu erleichtern, dass er völlig ungerechtfertigter Weise mit dem Finger auf andere Mitglieder des XCOM-Teams zeigt. Dabei gibt es neben XCOM Enemy Unknown kaum etwas auf der Welt, dass so eindeutig, transparent und gnadenlos aufzeigt, wer hier gerade Mist baut. Vor allem im Ironman-Modus, bei dem nach einer verpeilten Mission nicht mal kurz an der Uhr gedreht werden kann, sondern es nur wie im wahren Leben einen einzigen Spielstand gibt. Da ist ein richtiger Tod noch ein richtiger Tod.

Krasse Rüstungen, fette Wummen und ein Goliath-S.H.I.V ist auch im XCOM-Team.

Und so liegt es nun an den XCOM-Elitekräften, den Außerirdischen zu zeigen, wo auf dem Planeten Erde der Hammer hängt. Sie tun es für sich, aber auch für Soldat Angela Moore und all die anderen Freunde, die im Kampf ihr Leben ließen. Beinahe wäre es gar nicht dazu gekommen, weil dem Mann an der Tastatur der seltsame Hype zum Release von XCOM Enemy Unknown mächtig auf den Zeiger ging. Und ihm auch die XCOM-Vorgänger nicht nur unbekannt waren, sondern aus heutiger Sicht heraus auch völlig kaltließen. Gut, dass die Neugierde doch siegte. Sonst hätte Soldat Angela Moore nicht gelebt.