Bevor FIFA 14 die Next Gen-Konsolen erobert, präsentiert EA seines neues Werk für den PC, PS 3 und Xbox 360 erst einmal als FIFA 14 Demo. Und das ist spannender als mancher Current Gen-Spieler glauben mag. Denn wer FIFA auf der Vita, der Wii U oder Wii spielte, weiß, wie wenig sich eine „neue“ Vollversion von einem reinen, nur leicht aufgehübschten Datenbankupdate unterscheiden kann. Und da EA definitiv die PS 4 und Xbox One im Fokus hat und auch nur diese Versionen mit der neuen Ingnite-Engine unterstützt werden, stellt sich die Frage, auf welchem Niveau sich die FIFA 14 Demo bewegen wird.

Getestet habe ich sie auf dem PC, denn dank einer höheren Auflösung bietet die PC-Version ein wenig Next Gen-Flair, den PS 3 und Xbox 360 nicht werden versprühen können. In Sachen Gameplay unterscheiden sich die Versionen nicht voneinander – wobei es die Besonderheit gibt, dass spätere Spielstände und Save Games von der PS 3 und Xbox 360 jeweils auf die Nachfolgerkonsolen PS 4 und Xbox One transferiert werden können. Aber wie steht es um die neuen Features der FIFA 14 Demo, wie spielt es sich und mit wem lässt es sich spielen? Schon mal nicht online gegeneinander, leider, aber für den Kick gegen die KI oder offline gegen einen Freund stehen als Teams Borussia Dortmund, AC Mailand, PSG, Barca, New York Red Bulls (?), Boca Juniors, Manchester City und Tottenham Hotspurs (noch mit Bale) zur Auswahl. Und übrigens bietet die FIFA 14 Demo noch eine Spielmöglichkeit mitsamt Tutorial für den Ultimate Team Modus.

FIFA 14 DEMO b

Das abgespeckte FIFA 14 Demo Menü. Übersichtlich, aber natürlich in seinen Möglichkeiten beschränkt.

Positiv fällt auf den ersten Blick im Menübereich die Teamauswahl auf: Die Taktikeinstellungen rotieren, sind aber auf den ersten und zweiten Blick direkt zu erkennen, ohne dass man sich in die Tiefen des Team Managements vorarbeiten muss. Well done, dass nenne ich ein nutzerfreundliches UI. Wer (theoretisch, siehe unten) gerne schnell aufbaut, riskante Pässe in der Offensive und mit gemischten Pässen spielt, ist bei Borussia Dortmund schon einmal an der richtigen Adresse. Ansonsten tut sich wenig an den Menüs, das gilt auch für die Menüoptik im Spiel selbst.

Realität und Autosuggestion bei den neuen Features der FIFA 14 Demo

Kommen wir zu den Neuheiten, den großen Innovationen. In Sachen Grafik fällt mir ein Vergleich zu FIFA 13 schwer, weil ich FIFA 13 eher auf der PlayStation 3 spielte, die optisch mit einer 1080p aufgelösten FIFA 14 Demo natürlich nicht mithalten kann. Davon mal abgesehen scheint sich – dem ersten, zweiten und dritten Eindruck nach – nicht besonders viel getan zu haben. Die Spielermodelle sind (genauso) gut gelungen, die Bewegungen der Spieler entgegen aller Versprechungen trotzdem hakelig und das Publikum öde wie immer – sofern man nicht den Sound mit einbezieht, der ist nämlich grandios. Und die britischen Kommentatoren erst recht. Es sieht jedoch schwer danach aus, dass sich all die Schmankerl in Sachen Optik und Animationen erst in den Ignite-unterstützten PS 4 und Xbox One-Versionen wiederfinden lassen, bei der FIFA 14 Demo für Current Gen fällt mir persönlich eher der Stillstand auf.

FIFA 14 Demo 2

Wer hier eine auffällige Verbesserung bemerkt, möge den Finger heben!

Das Gameplay ist das Herz von FIFA 14 und Kriegsschauplatz im Duell mit PES. Bei der Bewertung der neuen Features tue ich mich generell schwer, denn einige Neuerungen wären mir ohne besondere Ankündigung gar nicht aufgefallen, manche werden überhöht oder in ihren Konseqeuenzen gar nicht adäquat dargestellt (z.B. das Defensivverhalten in FIFA 13) und vieles von alldem fällt erst Monate später in ganzer Pracht auf. Gehen wir also methodisch vor und beginnen bei der ersten groß ankündigten Innovation: Der realistischeren Ballphysik. Viel habe ich davon nicht gespürt, Pässe aus der Distanz und härtere Schüsse wirkten ein wenig anders, aber ob das realistischer und vorteilhaft für das Gameplay ist, kann ich gar nicht sicher einschätzen. Ich tendiere zur Meinung „latent überflüssig“. Vielleicht bin ich einfach nur zu blöde, denn von dem neuem Killerfeature Pure Shot profitiere ich jedenfalls noch nicht. Im Gegenteil. Möglicherweise weil meine Schusstechnik viel zu unpure ist.

FIFA 14 Demo-Killer-Feature Pure Shot

Jeder hat seine Schokoladen-Standard-Angriffe und Schüsse. Ich kontere gerne, laufe diagonal auf den Torwart zu und schiebe den Ball locker ein, im Optimalfall jedenfalls. In der FIFA 14 Demo klappt diese gute alte Strategie (zumindest bei mir) aus zwei Gründen nicht so recht: Pure Shot, das eigentlich dafür sorgen soll, dass man entweder spektakuläre Tore bei optimalem Timing schießt oder auch mal einen Schuss verstolpern kann, scheint bei mir die Wirkung zu haben, dass ich den Ball in die Arme des gegnerischen Torwarts rolle oder meilenweit drüber ballere. Scheint eine Timingfrage zu sein oder irgendwas stimmt nicht am Experten-Modus, wer weiß. Oder ich raffe es einfach nicht. Zudem, und das hat die weitaus größeren Konsequenzen, kann nicht mehr so einfach gekontert werden. Die Balance in der FIFA 14 Demo ist eine völlig andere als in FIFA 12 oder FIFA 13.

FIFA 14 1

Neymar kriegt nicht einmal gegen New York die Pille ins Netz. Ich kann da nix für (hüstel), das ist Pure Shot schuld.

Um eine schöne Floskel zu bemühen: Die KI steht in der Defensive ziemlich massiert. Überfallartige Angriffe funktionierten bei mir nur bei abgewehrten Ecken oder indirekten Freistößen, ansonsten tendierte mein Angriffsspiel zu Guardiola-artigem Ballgeschiebe im Mittelfeld. Verantwortlich dafür ist auch die geringere Wirkung von Steilpässen (auch im Profi-Modus), die schnell zu ungenau, aber jedenfalls nicht mehr so öffnend sind wie zuvor. Das verlangsamt das Spiel ungemein und hier stellt sich die Frage, ob das Plus an Realismus für ein Minus an Spielspaß steht, denn ich mochte es ganz gerne, wenn es spannend und schnell hoch und runter ging. Zudem nimmt der KI-Mitspieler nicht immer den Ball ordentlich an, während man mit aktivierten Spieler deutlich variabler agieren kann. Dennoch: Die neuen Tempodribblings sind wieder so eine Innovation, die ich kaum bemerkt hätte, wenn sie nicht explizit erwähnt worden wären. Gut gefällt mir in der FIFA 14 Demo die Defensive: Mit der linken Schultertase, also LB, kann man einen KI-Kameraden die Räumen verengen lassen, während man selbst mit aktivierten Spieler den folgenden Pass abfängt oder das Spielfeld noch weiter verengt. BTW: Dieses „neue“ Feature ist natürlich nicht neu, sondern nur ein Mix aus dem früheren Passiv-Grätschen der KI und den Defensivskills aus FIFA 12 und FIFA 13. Das Nachgrätschen muss noch wirklich gelernt werden, für mich sah das bei mir eher wie ein hilfloses Gerutsche aus, das eher Zeit kostete als Nutzen brachte. Dennoch: Die Defensive steht der FIFA 14 Demo sehr gut.

Und genau hier liegt scheinbar die größte Gameplay-Neuerung in der FIFA-Serie. Das Tempo wird leicht herausgenommen, das Pass-Spiel nimmt im Mittelfeld an Bedeutung zu, die Abwehrreihen stehen disziplinierter und meine Wenigkeit muss sich wohl neue Standard-Torschüsse ausdenken, da Pure Shot dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung macht. Wobei: Es ist die FIFA 14 Demo, kein abgeschlossenes und fertiges Produkt – das nur zur Erinnerung. Ob sich ein Kauf auf PC, PS3 oder Xbox 360 lohnt? Da bin ich unsicher und würde zu einem Nein tendieren – aber nur weil ich meine PS 4-Version schon vorbestellt habe. Wer noch nicht auf den Next Gen-Zug aufspringt und FIFA 13 zu hektisch und, äh, kurzweilig war; wer eher Freund der Simulation und des gepflegten Ballgeschiebes ist, der möge sich auch auf Current Gen für FIFA 14 entscheiden. Auf  jeden Fall sollte zuvor die FIFA 14 Demo gespielt werden, die nun kostenlos über Origin für den PC sowie für Xbox 360 und PlayStation 3 erhältlich ist.