Mal ein düsteres Jump´n Run, zumindest was die Ausgangslage betrifft. In einem unbekannten Universum verdunkelte sich der Himmel und nur eine kleine Sonne sendet noch ein schwaches Licht. Sie möchte gerne von uns – bzw. unserem Helden Inco – mit Sternentalern gefüttert werden. Darin besteht unsere Aufgabe – die sich zum Ende hin zu einer großen Herausforderung entwickelt. Storytechnisch spielt eine mysteriöse Corporation eine gewisse Rolle, die es herauszufinden gilt.

Incoboto ist schwer, knifflig und manchmal möchte man gerne das iPad, für das es exklusiv entwickelt wurde, in die Ecke pfeffern. Genretechnisch können wir Incoboto in die Jump´n Run-Schublade stecken, allerdings sind die Physik-Puzzle anspruchsvoller und wichtiger für das Gameplay als in vielen Konkurrenzprodukten. Und Incoboto ist langsam. Unabhängig davon, wie schnell der Held bewegt wird und wie viel Zeit sich der Gamer für das Spiel nehmen möchte, ist das Tempo eher gemächlich. Die sphärische Musik verstärkt den Eindruck, dass Incoboto die Spieler subtil zu einer langsamen und durchdachten Spielweise zwingen möchte.

Mit Inco hüpfen und rennen wir auf einen kleinen Miniplaneten entlang und suchen die Sternentaler für unseren Freund Helios. Nachdem wir das erledigt haben, müssen wir Gravitationsstrahler aktivieren, die uns zum nächsten Planeten befördern. Zwischendurch erfahren wir mehr über die Corporation und den Hintergrund des Spiels. Von der Story sollte nicht viel erwartet werden, letztlich dient sie aber perfekt dafür, die gelungene Spielatmosphäre zu steigern. Das größte Kompliment geht an die Game- und Leveldesigner: Incoboto ist schlicht animiert, aber stimmig und liebevoll bis in kleinste Detail gestaltet. Auch einfach kann sehr schön sein.

Wer die Grafik zu niedlich findet, darf seine Härte gerne bei den Rätseln unter Beweis stellen. So eingängig Incoboto beginnt, so schwer macht es uns die Sternensuche gegen Ende des Spiels. Um Frustration zu vermeiden, sollten erst einmal in Ruhe der jeweilige Level und die Lösungsmöglichkeiten analysiert werden, bevor blindlings losgespielt wird. Erfolgversprechend ist es, bei jedem Level querzudenken. Nicht der gerade und einfache Weg ist meistens der richtige.

Unnötig schwer macht es uns Incoboto mit der Steuerung. Nachdem ich mich in den letzten Wochen auf meine PlayStation Vita gestürzt habe, vermisse ich generell zwei Analogsticks bzw. einen ordentlichen Bluetooth-Controller für das iPad. Der Touchscreen bietet leider nur bei wenigen Spielen eine präzise Steuerung: Incoboto gehört sicherlich nicht dazu. Gerade in kniffligen Situation frustriert es unnötig, wenn Inco springt statt läuft oder läuft (bzw. herunterfällt), wenn er springen soll. Die Spielfigur mit dem Finger zu ziehen oder per Push die Richtung anzuzeigen, lädt leider zu häufigen Missverständnissen ein, die das Spiel unnötig verkomplizieren.

Ein tolles Leveldesign, eine liebevolle und in sich stimmige Spielwelt sowie ein knackiger Schwierigkeitsgrad machen Incoboto zu einem richtig guten Jump´n Run. Mir gefällt auch das gemächliche Spieltempo. Die Incoboto-Entwickler zwingen uns geradezu, inne zu halten und konzentriert nach alternativen Lösungen zu suchen. Abzüge gibt es leider trotzdem bei der A-Note. Wer ein schweres Spiel entwickelt und es dem Gamer bewusst nicht leicht macht, sollte selbst nicht an der Steuerung scheitern. Hier hätte Incoboto sicherlich mehr Entwicklungszeit gut getan.

  8/10