Viele Borderlands-Fans waren sehr enttäuscht, als Entwickler Gearbox den Release des zweiten Teils von Mai auf Ende September verschob. Kein glückliches Datum für eine Veröffentlichung, denn neben den gewohnten Sportgames stehen einige Kracher wie etwa Call of Duty: Black Ops 2, Medal of Honor: Warfighter oder vielleicht sogar GTA V im Fokus und werden von den Marketing-Abteilungen in ganz großem Stil gepusht. Im Mai stehen als AAA-Veröffentlichungen nur Max Payne 3 als Actiontitel sowie Dragons Dogma und Risen 2 als Rollenspiel in den Startlöchern. So wird die Konkurrenz für Borderland 2 größer – ebenso wie die Gefahr, im Herbst einfach sang und klanglos unterzugehen.

Wie schwer es Gearbox fällt, das Interesse hoch zu halten, zeigt der letzte „PR-Coup“. Die Features der PC-Version wurden von dem allseits geliebten Claptrap in einem kleinen – leicht gezwungen originell wirkenden – Liebesbrief an die PC-Gamer präsentiert. Ganz unabhängig davon, wie relevant der Brief ist (Beispiel: Dass das gesamte Menü per Maus anklickbar ist, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.), wären konkrete Infos zu Borderlands 2 zielführender. Hier ist die Strategie zweifelhaft: Erst wurde nach dem gewohnten Fortsetzungs-Motto: “ Besser, größer, weiter, mehr, lebendiger“ verfahren. Dann ruderte Gearbox zurück und gab – was die Story betrifft – eine eher diffuse Meldung zum Besten. Und zwar sollen nur drei Zwischenszenen im Spiel auftauchen, damit die Gamer nicht durch die Storysequenzen gelangweilt werden. Was aber nur geschieht, wenn sie schlecht gestaltet und erzählt werden. Trotzdem soll Borderlands 2 angeblich laut Autor Anthony Burch „mehr Story“ besitzen als Teil 1. Mir würde es schon reichen, wenn die Story dieses Mal überhaupt nachvollziehbar wäre, mehr muss es gar nicht sein. Darüber hinaus ist es absehbar, dass eine Story, die nur durch In-Game-Kommentare von Nebencharakteren vorangetrieben wird, nicht allzu viel Substanz haben kann. Schade. Und wenn es dann tatsächlich dazu kommt, dass die Klassen und das Gameplay nahezu identisch bleiben…dann hat Gearbox ein großes Problem. Borderlands wurden zum Erfolg, weil es sich durch Originalität deutlich von anderen Shootern abhob. Nur wenn der gleiche Witz zwei Mal erzählt wird, lacht niemand mehr.