Blood´n Guts (oder auch Blood and Guts) für den guten alten Commodore 64 dürfte wohl meine liebste Jugendsünde sein. Aber nicht die größte und schlimmste, das war die hässliche Sportbrille Modell Kassengestell mit 3 cm dicken silbernen Metallrand, die ich damals trug und mit der ich Blood´n Guts spielte. Das besondere an Blood´n Guts ist die Tatsache, dass sich das Spiel schon damals als Jugendsünde anfühlte und sich nicht im Nachhinein erst als solche herausstellte. Als sehr spaßige Jugendsünde wurde es gespielt, ging es doch um lauter verbotene und verdorbene Disziplinen, wie etwa Katzenweitwurf. Übrigens darf man über Blood´n Guts wieder frei schreiben und es sogar spielen, da es im Juli diesen Jahres vom Index genommen wurde.

Wenn man Blood´n Guts in eine Schublade packen mag, dann wohl gameplaytechnisch betrachtet in die gleiche, in der die braven Cousins Summer Games, Winter Games und Decathlon vor sich hin stauben. Denn das Spielprinzip ist ähnlich. Man rödelt wie blöd mit dem Joystick um Tempo zu gewinnen und sollte dann bei einigen Disziplinen möglichst im richtigen Moment auf den Button drücken, um die Katze oder einen Stein in günstigem Winkel so weit oder fest wie möglich zu werfen. Nahmen sich Summer Games und Decathlon sehr ernst, war Blood´n Guts ein sympathisches, brutales und leicht psychisch gestörtes Ebenbild. Und passt damit gut in die Lebenswelt von 90 Prozent der Vorpubertierenden. Schließlich ging es um Wikinger, die Katzen durch die Gegend warfen oder ihre Künste im Steinigen beweisen mussten. Was daran sympathisch sein mag?  Blood´n Guts war albern, auch wenn sich das nicht jedem (Eltern zum Beispiel) erschloss.

Im Hintergrund ein lauschiges Bergpanorama, im Vordergrund eine Steinigung. Das ist Blood´n Guts.

Der tapfere und starke Wikinger muss in den folgenden Disziplinen bestehen: Biertrinken, Katzenweitwurf, Steinewerfen, Steinerollen, Tauziehen, Seiltanz, Axtwerfen, Stocktanz, Armdrücken und Turmspringen (natürlich ohne Wasser im Becken). Man sieht: Mit Olympia und dem olympischen Gedanken haben die „Sportarten“ relativ wenig zu tun. Aber gerade dieser Kontrast zu den damals populären ernsthaften Sportspielen machte den Reiz von Blood´n Guts aus.

Mit Blick zurück wundert es dann doch, wie unschuldig in Sachen Spiele die Zeit war. Blood´n Guts als HD-Neuauflage für PlayStation 3 und Xbox 360 wäre heutzutage ein veritabler Skandal und faktisch unmöglich. An allen Ecken und Enden würde der Untergang des Abendlandes prophezeit werden – und ein weiteres Mal würde unter den Tisch fallen, das Blood´n Guts ein pubiertierender Spaß für gerade noch vorpubertäre Jugendliche war und es auch heute wäre. Oder glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass nach einer Runde Blood´n Guts die eigene Hauskatze in den Nachbargarten geworfen würde? Nein. Und wenn doch, wäre da ein Gestörter am Werke, der so oder so Hilfe bräuchte. Aber das kennen wir schon von den endlosen Diskussionen um Killerspiele.

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