Da sind wir wieder, endlich zurück in Steelport zu dem geradezu sagenumworbenen Story-DLC Enter the Dominatrix, der ursprünglich als Saints Row The Third-Erweiterung geplant war und nun erst nachgereicht wurde. Raum genug also für Deep Silver Volition, kräftig am DLC zu schrauben und dem in jeder Hinsicht erfolgreichen vierten Hauptspiel die Krone aufzusetzen. Und, wurde die Zeit für einen denkwürdigen Saints Row 4 Enter the Dominatrix DLC genutzt? Die Antwort: Jein mit ärgerlicher Tendenz zum Nein. Gameplaytechnisch bietet der DLC wenig Neues, die Präsentation ist jedoch großartig und die Story immerhin so beknackt wie man es sich vorstellt – nur viel, viel zu schnell erzählt. Die rund sieben Euro sind recht happig für nur 90 Minuten Spielzeit.

Diese eineinhalb Stunden wurden von Volition extrem clever in das Spielkosmos eingefügt. Einer TV-Doku ähnlich kommentiert die Gang aus dem Off und in Behind-the-scenes-Dialogen den erneuten Angriff der Zin, wobei es die Macher mit der Logik nicht ganz so genau nehmen. Was soll´s, ist ja nur eine Simulation, da ist alles erlaubt. Nach dem simpelsten Bosskampf aller Zeiten gegen den wunderbar britisch-affektiven Alienfürsten Zinyak, schaltet die Simulation auf Notprogramm um, was bedeutet, dass die KI einem Wesen gleich die Simulation dominiert und so zur Dominatrix wird. Dagegen haben Pierce & Co. einiges einzuwenden und das erklärt schon den gesamten Plot von Saints Row 4 Enter the Dominatrix.

Saints Row 4 Enter the DominatrixZinyak glänzt in Saints Row 4 Enter the Dominatrix nur in einer Nebenrolle, fühlt diese aber so gespreizt wie eh und je aus.

Das Gameplay-Muster kennen wir schon aus dem Hauptspiel. Neben gescripteten Ballereinlagen müssen wir die entführten bzw. gefangen genommenen Gang-Mitglieder befreien. Nur ist Zinyak eben dieses Mal nicht der Schurke, sondern die Dominatrix, die einen unerklärlichen Sado-Fimmel hat und einen dementsprechenden Fummel spazieren trägt. Und natürlich, der Riesendildo fehlt ebenso wenig wie eine Performance von Pierce im Sexclub, wobei er in Saints Row 4 Enter the Dominatrix wenigstens nicht tanzt, sondern „nur“ mit dem Dildo wild um sich schlägt. Genau, erwachsen und reif ist das alles nicht, sondern so ein bekloppter Mist wie eh und je.

Saints Row 4 Enter the Dominatrix: Konzentrat des Hauptspiels?

Trotzdem des bekannten und bewährten Rezepts wirkt der DLC nicht ganz stimmig. Es fehlt an Ruhe, gerade für die Spieler, die mit Saints Row 4 durch sind und in Steelport sonst nichts mehr zu tun haben. Man hechelt sich durch die Aufgaben, die offene Welt ist nicht mehr als eine sterile Kulisse und wundert sich auch darüber, wie schwierig es in den gescripteten Szenen ist zu scheitern. Nicht ein einziges Mal ging mein Pierce zu Boden. Auch die Alienwaffen ließen mich kalt, weder die Minigun noch der Granatwerfer konnten es annähernd mit meiner gepimpten Sniper, dem hochgezüchteten Raketenwerfer und den Superkräften aufnehmen. Wenn schon kostenpflichtiger DLC, dann aber bitte auch mit stimmiger Balance.

Saints Row 4 Enter the Dominatrix 2 (2)

Kinzie und Shaundi lästern über die 08/15-Missionen von Sains Row 4 Enter the Dominatrix, die uns aber erspart blieben.

Groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Spieler in der Haupthandlung entweder schon sehr weit fortgeschritten sind oder Saints Row 4 längst beendet haben. Mein Skill liegt auf dem Maximum von 50 und im Gegensatz zu den Borderlands-DLCs wird die Höchstgrenze nicht noch oben, sondern in der Praxis somit der Schwierigkeitsgrad nach unten verschoben. Das Resultat: Die Kämpfe gegen die Dominatrix selbst liegen ungefähr auf dem Niveau der allerersten Scharmützel mit Handlangern im Hauptspiel. Bosskampf geht anders und wo der „Sieg“ über Zinyak noch ausgesprochen komisch war, wird es bei der Dominatrix ärgerlich.

Saints Row 4 Enter the Dominatrix 2 (1)Inside Paul. Eine kleine Flugeinlage müssen wir auch in Saints Row 4 The Dominatrix bestehen, allerdings ist sie vom Schwierigkeitsgrad her mal wieder viel zu einfach ausgefallen.

Und so steht am Ende ein zweifelhaftes Fazit. Als großer Fan der Saints Row-Reihe bin ich selbstverständlich für Saints Row 4 Enter the Dominatrix zu haben und spielte es auch gerne. Es war ein nettes Wiedersehen, aber leider auch eines der flacheren, die schnell in Vergessenheit geraten. Zwar bleibt für mich das Finale aus Saints Row The Third unerreicht, aber auch hier fahren am Ende Volition noch mal kreative Geschütze auf – in Cut Scenes, wohlgemerkt. Im Spiel selbst gibt es Gleiches vom Gleichen in anspruchsloser Form und das konzentriert in viel zu kurzer Spielzeit. Schade, aber vielleicht legt Volition beim nächsten Story-DLC, der sicherlich kommen mag, wieder eine Schippe drauf. Gut genug ist die Spieleschmiede dafür und mehr als ausreichend Luft nach oben haben sie sich mit Enter the Dominatrix gelassen.