Nun ist also offiziell, was sich seit der Ankündigung des FM 14 schon andeutete: EA Sports stellt die Fussball Manager-Reihe ein – und gibt Gerald Köhler, Kopf der Serie und des Entwicklers Bright Future, die Ehre, das Aus zu verkünden. Dass in der Subline des Offenen Briefes missverständlicher Weise eine Zukunft angedeutet wird, die einen Satz später pulverisiert wird, ist zwar unglücklich, aber die Entscheidung in der Konsequenz folgerichtig. Persönlich sehe ich das Ende des Fussball Managers mit einer dicken Krokodilsträne, denn kein Franchise bereitete mir in der Vergangenheit so viel Freude wie der Fussball Manager von Bright Future – und ich packe da mal die Versionen ab 2002, die unter dem EA Sports Label liefen, noch mit rein. Andererseits: Mit Blick auf den Ist-Zustand der Reihe macht es keinen Sinn mehr weiterzumachen und nach der so genannten Legacy-Edition, die der Fussball Manager 2014 ist, gerät das Aus nur noch zu einem Ende mit kleinem Schrecken.

Im Brief nennt Gerald Köhler zwei Möglichkeiten, die der Serie noch einem einen Schub hätten geben können. Eine neue Engine und/oder eine ambitionierte Online-Strategie. Bei Punkt 1 kann ich nur zustimmen: Der 3D-Modus war erst DAS Gameplay-Highlight und Alleinstellungsmerkmal des Fussball Managers und entwickelte sich zunehmend zum Symbol des Stillstands. Es tat sich einfach nichts mehr, weder optisch noch in Sachen KI. Ersteres wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn letzteres an Tiefe gewonnen hätte. Warum EA über all die letzten Jahre entschied, Bright Future keine Letztjahres-Version der FIFA-Engine zu spendieren, ist mir ein Rätsel – vielleicht gibt es da technische Gründe, die sich meiner Kenntnis entziehen (sehr gut möglich). Durch die Übernahme Bright Futures durch Travian Games mag der fehlende Technologie-Transfer später noch erklärbar sein, denn mit ein wenig Paranoia im Spiel kann man aus EA-Perspektive ein Konkurrenz-Verhältnis konstruieren, aber letztlich tat sich auch in den Jahren vor dem Aufkauf von Bright Future Engine-technisch gesehen zu wenig. Punkt 2: Die fehlende Online-Strategie. Warum der Online-Ansatz wahrscheinlich nicht funktionieren würde (sofern nicht die ganz große EA-Marketing-Kavallerie zum Angriff geblasen hätte), beantwortet Gerald Köhler in einem interessanten Interview mit PC Games selbst: Schon die letzte Online-Version wurde von den Spielern nicht angenommen. Da sieht man übrigens den Nachteil einer langjährig treuen Community: Sie zeigt sich gegenüber neuen Ansätzen so schrecklich skeptisch, unaufgeschlossen und konservativ. Das bremst, selbstverständlich. Wobei, ehrlicher Weise, auch meine Wenigkeit nichts mit einem casualartigen Online-Modus anfangen konnte. Aber dadurch nahm man dem Fussball Manager früh einen Weg, den er in der Zukunft noch hätte optimieren können.

fm 14 weiter unsichtbarSchein und Sein. Die Team-Strategie versprach mehr, als der 3D-Modus halten konnte.

Zudem gab es in den letzten Jahren einen deutlich zu bemerkenden Innovations-Stau. Da zeige ich gar nicht mit dem Finger auf Bright Future, sondern geradewegs über den Teich in Richtung Kanada zu EA Sports. Man muss einem Team schon Mittel an die Hand geben – eine halbwegs moderne Engine und ausreichend Budget für ausreichendes Personal – um Großes zu erreichen oder Großes wenigstens konservieren zu können. Und der Fussball Manager war mal groß. Man kann aus den Äußerungen von Gerald Köhler im Interview herauslesen, dass die Personaldecke schon an der Fussball Manager 14-Legacy Edition in Richtung Spitze auf Kante ging. Eine gewisse Ausbeutung des Personals mag ja leider Gottes branchentypisch sein (was es natürlich nicht besser macht), aber wenn gewisse Grenzen erreicht sind, leidet das Produkt spürbar und nachhaltig darunter.

Die übermächtige Konkurrenz für den Fussball Manager tut ihr Übriges

Wenn etwas symbolisch für die fehlende Ambitionen seitens EA Sports steht, dann ist es die Seelenruhe, mit der nicht adäquat auf den Erfolg des Football Manager von Sports Interactive und Sega reagiert wurde. Mein Gott nochmal, der Football Manager ist doch der Beweis dafür, dass auch knallhart-komplexe Simulationen einen Markt haben. Nur muss man um diesen Markt und die Kunden kämpfen und das geht ganz schlecht mit geschlossenem Portemonnaie. Dabei war der Fussball Manager durchweg in manchen Spielelementen weit vor dem Sega-Pendant. In Sachen Präsentation, Humor, dem betriebswirtschaftlichen Manager-Aspekt und Kurzweil konnte und kann der Football Manager dem Bright Future-Manager nicht das Wasser reichen. Eine Schande gar, dass dieses Potenzial nun verpufft.

Und die extrem treue und riesige, wenn auch mittlerweile recht gefrustete Community, wird nun ebenso in den Wind gepfiffen. Wer es sich leisten kann! Electronic Arts scheinbar, denn der Fussball Manager schien leider nur noch das hässliche Entlein im Portfolio zu sein. Darüber hinaus gilt es – ganz abgesehen vom Produkt an sich – das (vorläufige?) Ende einer großen deutschen PC-Tradition zu betrauern. Gerald Köhler ist kein anonymer 08/15-Entwickler, sondern schon zu seligen Ascaron-Zeiten für den Anstoss-Manager verantwortlich gewesen. Und, weitaus schlimmer: Mit dem Aus bzw. schon den Budgetkürzungen zuvor, dürften wohl einige Kündigungen einher gegangen sein. Für die Bright Future-Mitarbeiter, die es den Job kostete, tut es mir besonders leid – sie können nichts dafür, was drüben in Kanada so alles bei EA entschieden wird. Aber sie zahlen den Preis dafür, ungerechter Weise.

Und wie die Zeiten so sind, entwickelt Bright Future unter Travian Games-Flagge Spiele wie Mira Magia, Rail Nation oder ein Knigge-Spiel für den Nintendo DS. Nichts dagegen, wirklich nicht, aber von den Ambitionen und dem Know how, dass im Studio steckt, sollte einfach mehr drin sein. Eigentlich zumindest, aber so funktioniert der Markt nun mal. Leider. Aber: Ich baue darauf, dass ein neuer Fussball Manager unter Beteiligung von Gerald Köhler früher oder realistischer Weise eher später das Licht der Welt erblicken wird. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, dass es ihn nicht nachhaltig fuchst, wie sein Baby langsam und brutal von EA Sports erdrosselt wurde. Da muss es doch eine geballte Faust in der Tasche geben, trotz der netten Floskeln im Offenen Brief (auf einer offiziellen EA-Homepage…). Ob dieser Fußball Manager dann noch die „alte Generation“ erfreuen dürfte, steht auf einem anderen Blatt Papier. Ich hoffe auf ein komplexes, niveauvolles Anstoss Online – erwarte aber in ferner Zukunft eher ein browserbasiertes- und/oder Mobile Casualding. Wie dem auch sei: In der vorliegenden Form wird es nie wieder einen „deutschen“ Fussball Manager von Bright Future geben und nach all den schönen Stunden mit der Serie, ist das wahrlich kein Grund zur Freude.