Also, Egosoft, DAS habe ich mir zum Release von X Rebirth anders vorgestellt! Und weil die Weltraumsimulation eine derart wunderliche Wundertüte ist, gibt es vorab schon einmal einen ersten Eindruck, wobei ich keine Gewähr übernehme, alle Bugs auch nur annähernd in ihrer Gesamtheit zu erwähnen. Das ist auch gar nicht meine Absicht. Mir geht es um den Blick unter diese unverschämte Hülle des Spiels, denn ich glaube, dass X Rebirth durchaus ein hervorragendes Spiel ist, wenn man sich nur darauf einlässt und nicht so schnell von all den Unzulänglichkeiten aus der Bahn werfen lässt. Unbestreitbar ist die Tatsache, dass Deep Silver als Publisher ein Spiel durchgewunken hat, das nicht fertig ist. Punkt. In der aktuellen Version müsste X Rebirth eigentlich als Alpha oder Beta bzw. Early Access bei Steam angeboten werden und nicht als Vollpreistitel.

Die gesamte Palette an Problemen und Problemchen mag ich gar nicht aufzählen. Wer einen genaueren Blick auf die Bugs & Co werfen möchte, findet mehr als genug Stoff im offiziellen Egosoft-Forum oder im Community-Forum bei Steam. Mir reicht es, meine persönlichen Ärgernisse mit dem Spiel kurz aufzuzählen.

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X Rebirth: The Wall of Shame (Auszug)

1. X Rebirth ruckelt trotz potentem System wie sonstwas, bei mir vor allem auf den Stationen.

2. Man sieht dem Spiel seine lange Entwicklungszeit an. 1080p sehen aus wie schlechte und schwammige 720p. Zeitgemäß ist das nicht.

3. Die Co-Pilotin ist eine Unverschämtheit. Zu einer komplexen Weltraum-Simulation wie X Rebirth passt einfach kein billiges, pseudotrendiges Tittenmonster im hautengen Einteiler, das bestenfalls ein feuchter Traum für zurückgebliebene und sehr notgeile 13jährige ist.

4. Die Dialoge sind strunzdoof und genauso schlicht wie die Synchronsprecher schlecht sind, sofern sie überhaupt auftauchen – denn manchmal ist da Stille, wo eine Stimme hätte sein sollen.

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Dennoch: X Rebirth ist ein schönes Spiel. Wirklich. Vor allem im Weltraum. Wer sich auch ein ansprechend anzuschauendes Innenleben einer Raumstation wünscht, müsste auf dem PC eher Mass Effect 2 oder 3 spielen und sicherlich nicht X Rebirth. In den Innenräumen sieht die Weltraumsimulation wirklich schrecklich aus, man muss es so sagen. Aber dort, wo es halt zählt, im Weltraum selbst, ist X Rebirth trotz schwammiger Texturen eine Schönheit. Das gilt obwohl Egosoft im Vorfeld mit leicht aufgehübschten PR-Screenshots (wie zum Beispiel hier) einen falschen Eindruck heraufbeschwörte. Wo wir schon bei PR sind: Interessant, wie wohl kalkuliert und orchestriert das Marketing bei so einem unfertigen Spiel über die Bühne ging. Entwicklervideos und -tagebücher auf vielen Kanälen, aber ein echtes Preview wurde weit und breit nicht gesichtet. Das war wohl ein Zeichen, ist zu befürchten. Nun, bevor es zum X Rebirth-Spielerlebnis geht, gibt es erst einmal einen echten Screenshot aus der Kampagne (ein offenes, freies Spiel habe ich auch noch gar nicht gestartet).

X RebirthSpace. Wer sich vom Spiel nicht bis zur Weißglut ärgern lässt, genießt die Schönheit des Alls und das Design von X Rebirth.

Nach dem ersten, zugegebener Maßen gewaltigen Schock (das erschreckend prollige Treffen mit Co-Pilotin Yisha, die grottige Vertonung, die unfassbar schlichten Dialoge, die kaum zu entziffernden Mini-Texttafeln, die schwammigen Texturen) geht es in den Weltraum und es zeigt sich einmal mehr, dass die Kampagne in X Rebirth franchisegemäß eher ein gewaltiges, monumentales Tutorial mit Story ist. Gut so, mir als den nicht ganz so großen X-Experten steht es gut zu Gesicht, ein wenig herumgeführt zu werden. Wobei Egosoft es dem Spieler nicht ganz so einfach macht wie angekündigt: Verschachtelt sind die Menüs weiterhin, aber trotzdem eingängiger als bei X Terran Conflict, das ich vor ewiger Zeit gespielt habe. Knallhart nehme ich übrigens die Egosoft-PR beim Wort und spiele X Rebirth mit dem Gamepad. Das geht wirklich, zwar mehr schlecht als recht, aber hat besonders im All selbst seine Vorzüge.

X Rebirth: Faszinierend im All, aber sonst…

Im Cockpit des einzigen Fliegers, der steuerbar ist (die Flotte fliegt nur passiv mit) fühlte ich mich dann direkt wohl. Die Kiste ist komfortabel zu fliegen, fein zu steuern und gibt bei den Dogfights, die Egosoft sehr gut gelungen sind, direktes Feedback. Auf den Stationen, bzw. entlang der Stationen, gibt es einiges zu entdecken, seien es optionale Aufträge, Rabatte, Handelsmöglichkeiten oder allgemeine Infos. Man kann sich gut und gerne eine halbe Stunde lang wunderbar rund um eine Station (wie die Station oben aus dem Screenshot) aufhalten, ohne das (bei mir) Langeweile aufkam. Und dabei lasse ich den Handel noch links liegen und spiele X Rebirth nach persönlicher Sandbox-Strategie: Also viel herumschauen, ausprobieren und Freiheiten genießen. Die Story ist dann zumindest zu Beginn, wenn sich alles noch frisch und neu anfühlt, zweitrangig. Bei den Ausflügen im All sollte sich man sich auch durch all die interessanten Erlebnisse ausreichend mental stärken, damit die Aufenthalte in den vier Wänden auf den Stationen selbst ohne Würgreiz durchzustehen sind.

X Rebirth 1Himmelhergottnochmal. Im Jahre 2007, als die Entwicklung von X Rebirth begann, wäre das Innenleben der Stationen noch modern und schick gewesen. Heutzutage sieht es – auch ohne augenschmerzenden Blaustich – einfach nur billig, ungelenk und lieblos aus.

Auf den Stationen kann man Handel betreiben, Ausstattung von Waffen bis Drohnen erstehen, Personal einstellen und Aufträge annehmen. Und Kisten öffnen, was reichlich deplatziert ist, meiner Meinung nach. Aber zum Glück geht es dann wieder raus in die Weiten des Alls und wer es eilig hat, kann nun bei X Rebirth den Highway nutzen und dort sogar eine Art Sog der voraus fliegenden Raumschiffe, um noch einmal schneller zu fliegen. So kommt man recht schnell von A nach B und man muss es Egosoft lassen, dass sie an dieser Stelle elegant und stimmig einen der großen und überflüssigen Zeitfresser der Serie stimmig zugunsten eines komfortablen Gameplay eintauschten.

Und so bleibt es eine große Freude, am Steuer der „Albion Skunk“ das All zu erforschen, Dogfights auszutragen und der so genannten Story zu folgen. Das ist wirklich okay, schade nur, dass die Nebengeräusche viel, viel zu laut sind. Das Ruckeln nervt auch nach den ersten Updates und generell muss daher jeder Spieler und jede Spielerin vor dem Hintergrund des fehlerhaften Produkts für sich selbst entscheiden, ob sie tiefer in dieses extrem komplexe Spiel (von dem ich bislang sicherlich nicht mehr als 5 Prozent gesehen habe) eintauchen mögen oder lieber ein paar Monate warten möchten, bis X Rebirth nach 1.000 Updates und Patches dann für schmales Geld flüssiger zu spielen ist. Einige Probleme, wie die schwache Synchronisation und die schlichten Dialoge, werden sicherlich nicht verbessert werden – hier bin ich bereit, darüber hinwegzusehen, aber auch das ist eine Frage der individuellen Prioritäten.