Direkt mal voraus geschickt: Als Liebhaber opulenter Optik favorisiere ich den ordentlich ausgestatteten PC. Die PlayStation 4 ist, berechtigter Weise, wie sich herausstellte, eine zwar durchaus feine Konsole, aber technisch nur auf mittlerem Leistungsniveau. Nun ist Leistung natürlich nicht alles (Story! Gameplay! Inspiration! Seele!), aber aus diesem Grunde – um mal zu schauen, was so geht auf der PS 4 – legte ich mir spontan doch Killzone Shadow Fall zu. Trotz einer gewissen Shooter-Müdigkeit, die durch Battlefield 4 hervorgerufen wurde. Jetzt aber genug vom langweiligen Hintergrund und schnurstracks zur Sache: Killzone Shadow Fall spielt optisch in der zweiten Liga, wenn man es mit der Genrekonkurrenz auf dem PC vergleicht. Das überraschte mich durchaus, denn eigentlich sprach einiges für eine Tech-Demo á la Ryse, nur mit soliderem Gameplay. Zu meckern gibt es am Gameplay sogar recht wenig, vor allem wenn man Crysis 2 nicht gespielt hat. Denn was Crytek´s umstrittenen Shooter damals der Anzug mit seinen Extra-Skills war, ist in Killzone Shadow Fall die Drohne.

Und sowas mag ich nicht, diese Helferlein, die zwar mehr spielerische Möglichkeiten in der Konfrontation bieten, dafür aber auch einen gewissen Automatismus in Richtung einer defensiven Spielweise. Ein Beispiel aus dem dritten Kapitel: Oben auf dem Dach bei der Absturzstelle greifen die Helghast in ordentlicher Zahl an, während man selbst mit wenig Unterstützung und begrenzter Munition durchaus in Not ist. Oder wäre, denn die olle Drohne hilft mit. Auf dem Dach ballere ich also ein wenig herum, ohne mich großartig um die Munition zu kümmern und als diese aufgebraucht ist, gehe ich ein paar Stufen die Treppe hinunter und weise aus sicherer Position per Wischgeste auf dem Gamepad das Helferlein an, auf dem Dach aufzuräumen. Was mit Erfolg genauso geschieht. Spannend, nicht wahr? Natürlich muss man nicht die Drohne nutzen, abgesehen vom Hacken der Alarmanlagen, aber letztlich nutze ich diese passiv-aggressive Möglichkeit dann doch eher, als eine recht gewöhnliche Konfrontation aufgekünstelt ein weiteres Mal spielen zu müssen, nur weil ich inmitten von Helghast-Soldaten ohne Munition mit der Knarre herumhantiere. So spektakulär ist es nämlich nicht, wenn sich per Heli Sturmsoldaten auf einem Dach abseilen und angreifen. Hat man schon alles gesehen. Sogar mehrmals im Verlauf von Killzone Shadow Fall.

Killzone shadow FallSieht sehr verdächtig nach Crysis 2 aus dem Jahre 2011 (!) aus, ist aber Killzone Shadow Fall, ein exklusiver Launchtitel für die PlayStation 4.

Die Story. Ja, Killzone Shadow Fall hat eine in sich stimmige Story und man muss es Guerilla Games lassen, dass sie es tatsächlich hinbekamen, diese nicht so derart wirr ausfransen zu lassen, wie es Call of Duty, Battlefield & Konsorten ansonsten zu tun pflegen. Zu viel an Tiefe sollte man auch nicht erwarten, natürlich, aber eine stringente und nachvollziehbare Story ist nun mal trauriger Weise eine Erwähnung für einen Shooter aus dem Jahr 2013 wert. 30 Jahre nach Killzone 3 leben die lieben Vektars mit den bösen Helghast nun zwar vereint, aber durch eine monumentale Mauer getrennt. Der kalte Krieg eskaliert und wir kämpfen als vaterloser (natürlich von den Helghats gekillt) Shadow Marshall für den Frieden. Und gegen die Helghast.

Killzone Shadow Fall: Nach den Nazi-Anspielungen jetzt auch mit Mauer!

Moment mal. Waren die Helghast bislang eine verkappte Space-Variante der Nazis, fragt man sich nun, wo der Hase jetzt plötzlich lang läuft. Die große Mauer, die das Land teilt, lässt an eine weitere Episode deutscher Geschichte denken, die nicht unmittelbar mehr mit dem Nationalsozialismus zu tun hat, sondern eine Folge davon ist. Analogien mit dem Sozialismus sowjetisch-ostdeutscher Prägung scheinen angedeutet zu werden, um es mal so zu formulieren. Und der Kalte Krieg wird als solcher exakt auf der Homepage betitelt. Also sind die Helghast nach verlorenem Krieg jetzt nicht mehr Weltraum-Nazis, sondern Space-Kommunisten? Oder kämpften wir schon immer gegen Kommunistennazis? Und wer sind wir eigentlich? Nicht mehr die Allierten, sondern nach Logik des Spiels jetzt die lieben Westdeutschen? Wer weiß das schon, aber die Mauer bringt mein Bild des Killzone-Universums doch ein wenig ins Wanken. Davon mal abgesehen, dass die Mauer rein optisch verdächtig dem Staudamm aus Crysis 3 ähnelt.

Killzone shadow Fall 1Warum selbst kämpfen? Rechts geht´s die Treppe runter und den Rest darf dann die Drohne übernehmen. So spielt sich Dramatik in Killzone Shadow Fall.

Staudamm, Mauer, eigentlich egal. Rein optisch betrachtet macht das Setting von Killzone Shadow durchaus etwas her, auch wenn es sich eher auf die Tapete beschränkt. Die Eyecatcher sind durch die Bank nicht ins spielbare Setting integriert, sondern fungieren als Hintergrund. Da sollte zukünftig auf der PS 4 mehr drin sein. Texturen, Vegetation etc. sind überraschend matschig für ein 1080p-Spiel, was aber kurioser Weise nicht für die Gesichtsanimationen gilt. Daher: Technisch nicht ganz ausgereift ist er, der große Exclusiv-Launchtitel Killzone Shadow Fall. Dafür versprüht die Spielwelt immerhin nahe der Mauer in den Stadtsequenzen eine ordentliche und teils bombastische Atmosphäre. Das ändert nichts daran, dass es rein gameplaytechnisch gehobene Shooter-Ware von der Stange ist. Im Vergleich zu Battlefield 4 technisch unter- und in Sachen Geschichte zwar überlegen, ist Killzone Shadow Fall trotzdem eher enttäuschend, weil mit der Release-Aufmerksamkeit mal wieder ein Chance für das Genre vertan zu wurde, einen Schritt weiterzukommen. Es bleibt mal wieder alles so, wie es ist.