Money for nothing oder doch lieber für Destiny? Scheint am Ende kaum einen Unterschied zu machen. Mal ganz abgesehen davon, ob das Budget von Destiny nun wirklich 500 Mio. US-Dollar beträgt oder nicht, bleibt es ein ganz großer Irrsinn, dass derart viel Kohle für ein Spiel verpfeffert wird, dass so unangenehm schlicht daher kommt. Das beziehe ich erst einmal auf dieses wirre Ding, dass wohl eine Story sein soll. Auf den zweiten Blick strotzt die Destiny Beta auch an anderen Ecken und Enden nicht gerade vor Intelligenz und Einfallsreichtum: Das Leveldesign redundant zu benennen, ist trauriger Weise eher ein Lob als ein Tadel. Und sollte den Spieler doch, aus welchem Grund auch immer, annähernd so etwas wie Immersion überkommen, dürften spätestens die MMO-Elemente der Destiny Beta diese Identifikation mit dem Spiel krachend zerstören. Ansonsten: Das Handling ist perfekt, die Inszenierung bemerkenswert gelungen. Der „Goil, ey“-Faktor stimmt also. Immerhin.

Wer sich schon die Mühe macht, weit in die Zukunft zu schauen und ein pompöses Sci-Fi-Universum zu erschaffen, sollte sich doch bitte ein wenig Mühe dabei geben. Umso abstruser der Plot, desto glaubwürdiger sollte der Rote Faden sein, um dem Ganzen ein wenig Fleisch zu geben. Folgt man dieser Argumentation, ist die Destiny Beta ein abgekautes Skelett und wird es wohl auch nach Release bleiben. Kurz zusammengefasst sieht der Destiny-Plot wie folgt aus: Irgendein Reisender tränkt den Mars mit Wasser, die Venus mit Luft und erschafft ein Großes Zeitalter. Warum, weiß kein Mensch. Und dann kam, warum weiß kein Mensch, die total kreative und so gar nicht in mindestens einer Million Spiele bisher schon als Bösewicht missbrauchte DUNKELHEIT und bereitet dem galaktischen Jubel ein jähes Ende. Und, warum weiß kein Mensch, überleben wir als Spieler den Universums-Genozid. Ausgehend von der letzten Stadt, die es noch gibt, machen wir uns also nun auf, um als Titan, Jäger (diese Klasse wählte ich aus) oder Warlock unfassbare Mysterien zu entschlüsseln und als Begründer einer neuen Ära die, gähn, Dunkelheit zu besiegen.

Unser Sparrow! Erscheint aus dem Nichts, dort, wo auch die Story herkommt und hinreist.
Unser Sparrow! Erscheint aus dem Nichts, dort, wo auch die Story herkommt und hinreist.

Zugegeben: Die Destiny Beta ist nicht das einzige Spiel mit einer bekloppten Story. Sie zu retten oder gar vergessen zu machen, kann durch dreierlei Kniffe geschehen: Gameplay, Leveldesign, Immersion. Bei ersterem gibt sich Destiny keine Blöße. Das Handling der Waffen, des Sparrows und des Avatars funktioniert perfekt. Das muss man Bungie lassen, hier spielen sie ihre Kernkompetenz voll aus. Auch der satte Sound weiß zu gefallen. Beim Deckungssystem beginnt es dann schon eher suboptimal zu werden, aber es ändert nichts daran, dass sich Destiny besonders zu Beginn hin famos spielen lässt.

Destiny Beta: Wie in einer Zeitschleife

Aber dann fällt doch auf, wie sich die Missionen und Areale ähneln bis gleichen. Der nervige Buddy, Bestimmer und diese unangenehme Nervkugel in einem, will irgendwas scannen oder knacken und wir ballern uns deswegen den Weg dorthin frei. Beginnend im Freien, später in irgendwelchen arg generischen Industriegebäuden (aber die Lichteffekte sind schick!). Mal abgesehen von der Vegetation, bietet das Alt-Russland-Gebiet auf der Erde das immergleiche Design. Das letzte Gebäude, wo wir den allerletzten Scan oder Hack durchführen (inkl. Bosskampf bzw. Massengemetzel) finden wir in der Regel am höchsten Punkt der Map. Beim dritten oder vierten Einsatz störte mich diese gefühlte Zeitschleife noch nicht, aber später nervten diese Flashbacks von Missionen doch zusehends. Und das kratzt an der Motivation. Alles, was Bungie mit dem Aufleveln des Charakters und allen Kleidungsstücken bis beinahe hin zu Unterhose (haha, diesen Mut, eine dreckige Unterhose anzubieten und mit einem Charisma-Zusatzpunkt zu verbinden, bringt Divinity – Orginal Sins locker auf, Destiny natürlich nicht.) an kurzweiliger Motivation bietet, machen sie mit den immergleichen Missionen leider wieder kaputt.

Kaum der Rede wert ist der Multiplayer der Destiny Beta.
Kaum der Rede wert ist der Multiplayer der Destiny Beta.

Gibt es MMO-Fans, die dem Turm, sozusagen der HUB in der Destiny Beta, etwas abgewinnen können? Ja? Nein? Bei mir ging jeder Anflug von Immersion direkt flöten, wenn ich die Horden von Menschen sehe, die da rumhüpfen. Warum eigentlich? Welche Funktion haben sie für mein Spiel? Wenn alle irgendwie doch der gleiche Held sind wie ich? Macht dieses Gewusel nicht die eh schon laue Story vollends kaputt? Yes, selbstverständlich, das tut es. Auch in den Missionen selbst geht mir dieser Social-MMO-Kack auf den Zeiger. Man erkläre mir bitte, was für einen Sinn es macht, wenn meine Wenigkeit, beispielsweise gerade mit Rang 4 gesegnet, sich voranballert um irgendwas scannen zu lassen und dann so ein Rang 8-Dödel mit seinem Sparrow vorbeicruist, in Windeseile alles wegschießt und sich davon macht? Wie ist das mit der, haha, Story zu vereinbaren? Gar nicht, oder, liebes Bungie-Team? Oder ist der Schuh anders herum sinnstiftender? Wenn ich nun, mittlerweile auch ein Rang 8-Heini, mich in Gefechte von Rang 4-Noobies stürze und ihre underperformenden KI-Gegner wegschnetzel? Um dann dem Kollegen dafür ein paar spawnende Rang 8-KI-Gegner zu hinterlassen? Nein, dieser Schuh drückt auch ganz kräftig.

Hmm, während ich gerade diesen letzten, vernichtenden Absatz las, dürstet es mich danach, doch noch irgendwas zu loben, denn es war ja nicht so, dass ich während der Destiny Beta nur abgekotzt habe. Und, was fällt mir da ein? Die wunderbaren Ladebildschirme. Ja, auch auf der so genannten Next-Gen-Konsole PlayStation 4 dauert es eine Weile, bis eine Mission startet. Und wie die Raumgleiter da so vor sich hingleiten, das ist schon wunderbar anzuschauen. Ein wenig wie bei Mass Effect, aber nicht besser. Und der Multiplayer, das nächste Killerfeature? Episch ist nur das träge Belohnungssystem, ansonsten haut mich das Team-Deatmatch-Ding genauso aus dem Hocker wie bei jedem anderen generischen Shooter auch. Tja, so sieht es aus, zumindest aus meiner Perspektive, mit Destiny, dem nächsten großen Ding. Spult Bungie sein Programm – feister Shooter mit luftiger Quasi-Story – weiterhin so routiniert-uninspiriert ab, könnte sich Publisher Activison das Treiben nicht über die angekündigten drölf Jahre anschauen. Aber ein Gutes hatte die Destiny Beta: Ich hatte mal wieder Lust auf Titanfall.