Gelangweilt von den reinen und mit der Zeit ziemlich austauschbaren Arena-Online-Shootern á la TLOU oder Crysis, begleitete ich den Hype um Titanfall mit einer Mischung aus beiläufigem Schulterzucken und hochgezogener Augenbraue. Doch, oh Wunder, die Titanfall Beta machte tatsächlich Spaß. Nein, nicht im mindesten auf intellektueller Ebene, sondern ganz banal und simpel in spielerischer Hinsicht. Respawn Entertainment brannte schon in der Vorabversion ein Feuerwerk ab und das alleine mag dann (für eine Weile zumindest) mal reichen, wenn es ordentlich konzipiert ist. Es ist ein Titanfall Multiplayer, sonst nichts, aber mit sauberem Gameplay und ordentlich Rumms und Wumms. Ballern aus Spaß, das Spaß macht.

In Sachen Gameplay erhebt sich Titanfall aufgrund zweier grundlegender Besonderheiten über den Durchschnittsbrei: Das sind erstens die Titanen als Power-Mechs, die den Matches einen völlig neuen Dreh geben sowie zweitens das massiv hohe Tempo von Titanfall. Was für ein Ritt doch eine Runde Titanfall spielen ist! Letzteres betrifft das Spiel als solches ebenso wie die Geschwindigkeit des Avatars. Man springt (nicht als Titan!) an Wänden entlang, springt und hüpft, dass es nur so eine Freude ist. Die vertikale Perspektive ist in Titanfall nicht zu unterschätzen und gibt dem eigentlich sehr frontalen Shooter damit einen speziellen Dreh. Und außerdem bemerkt man kaum dass der Titanfall Multiplayer eigentlich gefaked ist, denn er ist ein mit Bots gemixter. Macht aber nichts, dieses Zugeständnis an die technisch überraschend schmalbrüstige „Next-Gen“-Xbox One wurde dank einer halbwegs ordentlichen KI soweit zufriedenstellend gelöst. Trotzdem bin froh, Titanfall auf dem PC in 1080p zu spielen, da soll mir mal keiner erzählen, dass der Unterschied zu 792p (oder wie wenig es nun sind) keinen gravierenden Unterschied macht. So, soviel an Infos vorab, nun geht´s zu einem ersten Blick auf die Modi, wobei ich die Pseudo-Kampagne hier von vorne herein außen vor lasse. Lohnt nicht.

Die Spielmodi im "klassischen" Titanfall Multiplayer. Die "Kampagne" ist nicht der Rede wert.
Die Spielmodi im „klassischen“ Titanfall Multiplayer. Die „Kampagne“ ist nicht der Rede wert.

Der reine Titanfall Multiplayer besteht aus fünf Spielmodi. Materialschlacht ist ein Team-Deathmatch, dass man als Pilot beginnt und nach spätestens vier Minuten bis zum nächsten eigenen Abschuss als Titan fortsetzt. Neben den menschlichen Spielern, den Piloten, ist auch die KI dabei, deren Kämpfer als Frontsoldaten auf´s Schlachtfeld geschickt werden und sich dort mal cleverer und mal dümmer anstellen. Bei Last Titan Standing sind die Titanen anfangs unter sich und kämpfen bis zum letzten Stück Blech, sozusagen. Einen Titans-Respawn gibt es nicht, aber als Pilot hat man noch ein Leben, um den Titan-Kollegen aushelfen zu können. Die Aufgabe in Hardpoint ist es, drei Gebiete zu erobern bzw. zu halten, was ein wenig an Insurgency erinnert. Capture the Flag ist halt Capture the Flag, den Modus brauche ich wohl nicht weiter zu erläutern. Bei Pilotenjäger zählen nur die Abschüsse der menschlichen Spieler, was ein kleiner Hinweis darauf sein mag, das Respawn nicht nur glücklich mit seiner durch KI-Soldaten aufgehübschten Materialschlacht-Variante ist. Und Multipack ist ein Mix aller Modi auf allen Maps.

Als Titanfall Multiplayer bei Materialschlacht nah beim Genre

Titanfall wagt also keine bahnbrechenden Experimente und fordert die Spieler nicht durch komplizierte Regeln heraus. Schade, ein wenig zumindest, auch ein als frontaler Online-Shooter konzipierter AAA-Titel dürfte waghalsiger gebaut sein, aber anscheinend ist aktuell nicht die Zeit für große Innovationen im Mainstream. Was ebenso auffällt: Das Aufleveln ist keine allzu große Schweißarbeit, bei der man Blut und Tränen en masse vergießen muss, bevor man mal eine ordentliche Wumme in der Hand halten darf. Wer auf Battlefield schwört, wird den diesbezüglich niedrigeren Anspruch verstörend finden, aber ich konnte mich mit den schnellen Stufenanstiegen durchaus anfreunden. Nun aber zu Materialschlacht, dem für viele (insbesondere Einsteiger) wohl als Sahnestück bewerteten Modus: Die ersten vier Minuten sind ein klassisches Team-Deathmatch, das recht fix zur Sache kommt, weil die Maps nicht allzu groß geraten sind. Überhaupt die Maps: Schön sind sie vor allem in der gameplaytechnisch irrelevanten Kulisse anzuschauen, ansonsten bietet Respawn nicht viel mehr als Fabrikgebäude, herumstehende Kisten sowie dann und wann mal Tunnel. Ist nicht schlimm, aber auch nichts Neues. Wer fleißig Gegner wegholzt, kommt schneller zu seinem Titanen und ab diesem Zeitpunkt ist Materialschlacht nun zuerst ein Mech-Shooter, wobei es schon herausfordernd ist, als Pilot so ein Ding mal ganz alleine wegzupusten. Ist möglich, aber nicht ganz so einfach. Besonders viel Spaß macht es, wenn man auf einen Titan springt und ihm sozusagen das Genick wegballert, aber auch das ist nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen. Schade übrigens, dass die Maps so eng gebaut wurden, denn es ist selten Platz für einen Schießerei zwischen vier oder mehr Titans, was sicherlich auch eine feine Sache gewesen wäre. Ein schönes Schmankerl ist der Abschluss des Matches: Die Verlierer schauen, dass sie heil zum Evakuierungspunkt kommen, während die Sieger genau das zu verhindern versuchen. Ein Spiel im Spiel, dass außerordentlich gut gelungen ist und neben der an sich schon sehr ordentlichen Mechanik Materialschlacht zu einem herausragenden Team-Deathmatch macht.

Die Map Kolonie im Materialschlacht-Modus. Nett anzuschauen, aber nicht von außergewöhnlichem Design.
Die Map Kolonie im Materialschlacht-Modus. Nett anzuschauen, aber nicht von außergewöhnlichem Design gesegnet.

Kurz sind die Matches bei Last Titan Standing. Alle Spieler beginnen im Titan und welches Team als erstes die Titans der Gegner zerstörte, gewinnt. In den vier Minuten einer Runde (wovon mehrere zu einer Partie gehören) gibt es keinen Titan-Respawn, sondern nur eine Chance als Pilot dem Team weiter aushelfen zu können. Interessant sind hier die beiden strategischen Varianten, die natürlich für alle Modi gelten, hier aber mehr herausstechen. Als Pilot ist es möglich, den Titan per Autopilot hinter sich her wackeln zu lassen, also selbst vorsichtig vorzugehen und die Drecksarbeit dem Auto-Titan zu überlassen. Habe ich oft beobachtet, allerdings ist es nicht meine Sache, ich steige freiwillig sicherlich nicht aus dem Titan aus bzw. gar nicht erst rein. Nicht, dass ich mit der Taktik in meinen paar Spielen so ganz groß was gerissen habe (wäre ja traurig, wenn nur Auto-Titanen den Sieg unter sich ausmachen würden), aber Spaß macht Last Titan Standing, nicht zuletzt aufgrund seiner knackig kurzen Spielzeit.

Hardpoint ist ein klassisches Herrschafts-Match, es gibt drei Punkte, die erobert und gehalten werden müssen. Auch hier gibt es sich als klassischer Titanfall Multiplayer, das sich vom Regelwerk her nicht im Mindesten von Insurgency als Genrekollegen oder den MP-Modi von Far Cry 3 & Co unterscheidet. Wobei es natürlich seinen eigenen Gesetzen gehorcht, die hier denen der Materialschlacht ähneln. Man beginnt als Pilot zusammen im Team, die KI-Kollegen sind ebenso dabei und spätestens nach vier Minuten kann man dann den Titan heruntersausen lassen. Wobei: Die Hardpoints sind in Gebäuden zu finden, die die Titans nicht direkt erreichen können. Sie sind daher eher als Verteidigung denn für einen Sturmangriff zu gebrauchen. Übrigens fiel mir bei den Hardpoint-Matches auf, wie wenig das Aufleveln im Spiel bemerkbar ist. Aber Stufe 5 schaltet Titanfall individuelle Loadouts und Herausforderungen frei, die zusätzliche XP ermöglichen, aber dennoch für keine großartig spürbaren Unterschiede im Kampf selbst zu den Piloten der niedrigen Klassen sorgen (das ist zumindest meine Beobachtung). Wobei ich gerne mein Rüstzeug selbst anstelle der vorgefertigten Loadouts zusammenstelle. Stärker wird man dadurch sicherlich, aber es hat dann mehr mit dem Spielstil als mit reiner Wucht zu tun. Mir gefällt das, Battlefield-Profis dürften darüber aber die Nase rümpfen.

Titan vs. Auto-Titan und meine Wenigkeit (noch) mittendrin.
Titan vs. Auto-Titan und meine Wenigkeit (noch) mittendrin.

Wie erwähnt, zu Capture the Flag gibt es kaum mehr zu sagen als dass es Capture the Flag ist und dass ich Capture the Flag nicht mag, egal in welchem Shooter. Dieser Pseudo-Sport-Anstrich drückt mir unangenehm auf die Immersion, sozusagen. Egal. Pilotenjäger dagegen gefällt mir. Grundsätzlich nicht weit von Materialschlacht entfernt, sind es aber die reinen Pilotenabschüsse, die hier zählen. Wobei dieser Fokus eher was mit Zahlen als mit einer spezifischen Spielweise zu tun hat. Auf die Spectres, die anderen KI-Frontschweine, ballere weiß Gott nicht nur ich in Pilotenjäger ebenso wie in anderen Modi. Vom Titan mal ganz abgesehen, wenn ich davon einen zu Gesicht bekomme – unabhängig ob selbst im Titan oder nicht – steigt mein Blutdurst explosionsartig an und es ist mir dann völlig schnuppe, ob der Kill abschließend in der Statistik zählt oder nicht. Der Beobachtung nach geht es den anderen mehrheitlich genauso. Pilotenjäger ist auf 15 Minuten angesetzt, ganz klassisch, und war der einzige Modi, der meine Grafikkarte kurzzeitig in Verlegenheit brachte – was natürlich auch mit den Servern zusammenhängen kann, denn in dieser Phase gab es noch zwei, drei Verbindungsabbrüche.

Mit der lebhaften Erinnerung an den historisch verpatzten Releasetag von Sim City im Hinterkopf, muss man schon sagen, dass Titanfall für einen Launchtag (noch?) ganz ordentlich läuft. Hier haben Electronic Arts/Origin zusammen mit Respawn soweit wohl gute Vorarbeit geleistet. Abschließend zu Titanfall: Tatsächlich ist es „nur“ ein Titanfall Multiplayer, aber ein wirklich guter. Seit dem MP von Call of Duty 4: Modern Warfare meiner Meinung nach sogar der beste Arena-Shooter, was neben dem sauberen und schnellen Gameplay natürlich an den Titans liegt. Sie sind eine hervorragend integrierte zusätzliche Macht und geben dem Spiel, paradoxer Gegensatz hin oder her, auf simpelste Art und Weise die nötige Komplexität, um neben dem ganzen genretypisch-identischen Aufleveln auf eine längere Zeit hin zu motivieren. Denn die Spielmodi alleine schaffen das nicht, die sogenannte „Kampagne“ schon mal gar nicht. Ein bisschen mehr hätte es schon sein können, diesbezüglich, aber welches Spiel lotet schon seine Grenzen bis ins Letzte aus? Vor allem dann, wenn eine Fortsetzung nur folgerichtig ist? Genau. Bei Titanfall stimmt vieles, vom Gameplay bis hin zur Technik, die nur so vor sich hin schnurrt, dass es schwer ist, mehr dagegen ins Feld zu führen als ethisch-moralische Gründe. Von wegen Gewalt und so.