Seit Monaten schaut das Kind gebannt und voller Vorfreude auf  die Bauarbeiten in der Nachbarschaft. Wann ist bloß der neue Spielplatz endlich fertig? Glaubt es den zahlreichen Vorankündigungen, PR-Berichten und den Video-Tagebüchern der Bauarbeiter – und natürlich tut es das, weil das Kind genau das will – müssten die neue Rutsche, Wippe und vor allem der Abenteuerparcours einfach der größte Wahnsinn sein, den Kinderaugen jemals gesehen haben! Die Voraussetzungen sind schon mal super: Ein großes Gelände bietet viel Raum für die modernsten Geräte und viel Platz zum Herumtollen. Das muss einfach der Hammer werden! Aber dann, am Tage der Spielplatzeröffnung, ist alles anders. Das Gerüst für die Schaukel steht, aber die Ketten klemmen. Die Rutsche ist stumpf. Und den Abenteuerparcours kann das Kind direkt in die Tonne kloppen, denn an der Hängebrücke fehlt das Geländer und es ruckelt und zuckelt. Absturzgefahr. Doch keine Sorge, sagt die Baufirma, wir patchen das.

Geweint habe ich zwar nicht, damals, als Ubisoft den Release von Assassin´s Creed: Black Flag verhaute. Aber ansonsten fühlte ich mich schon wie ein um sein neuen Spielplatz betrogenes Kind. Trotz High End-System dümpelte die Bildrate derart im Keller herum, dass das eigentlich so fantastische Piraten-Assassinen-Abenteuer unspielbar war. Aber sauer war ich schon. Denn ich mag die offenen Spielplatz-Welten der AAA-Games von Ubisoft, eigentlich. Aber auch der Release von Watch Dogs war völlig verkorkst. Unabhängig von der Qualität des PCs und der Grafikeinstellungen ruckelte und stockte Watch Dogs, dass es nur so eine Katastrophe war. Davon mal abgesehen, dass Vorzeigeprojekte, gerade wenn sie als neues Franchise die Welt erblicken, schnurren sollten wie ein Kätzchen, war die bodenlose Arroganz, mit der Ubisoft sich dem nicht gerade kleinen Problem annahm, völlig zum Kotzen. Dass ich es später auf der PS4 spielte, entwickelt sich zum kleinen, traurigen Treppenwitz, denn es sollte sich herausstellen, dass kein Open World-Spiel der letzten Jahre so egal war wie Watch Dogs. Auch ohne Performance-Probleme. Nun, Assassin´s Creed Unity sparte ich mir zum Release, völlig zu Recht, wie sich herausstellte. Aber bei Far Cry 4, FAR CRY 4, einem alten und geschätzten Liebling der PC-Master Race, musste ja alles anders werden, weil – laut Ubisoft als Quelle, was direkt hätte verdächtig sein müssen – der PC die LEAD PLATTFORM bei der Entwicklung war. Und hier, genau an dem Punkt, fühle ich mich betrogen. Denn ich wurde vorsätzlich belogen und das schätze ich gar nicht. Im Real Life ebenso wenig wie in der Beziehung Anbieter-Kunde. Auch Far Cry 4 läuft auf dem PC nicht rund, so gar nicht. Auf den so genannten Next Gen-Plattformen aber doch. Und somit ist der Punkt erreicht, wo ich den Beziehungsstatus zwischen mir und Ubisoft von SCHWIERIG auf KRITISCH verändern muss.

Der PC-Spieler blickt herab in den, zugegebener Maßen schön anzuschauenden, Release-Abgrund von Ubisoft.

In Kürze die Highlights: Bei vielen PC-Freunden startet Far Cry 4 erst gar nicht, weil USB-Geräte von Drittanbietern dies verhindern. So die Lesart aus Ubisoft-Perspektive. Diese Geräte wären aber durchaus nützlich, wie beispielsweise das Gamepad. Wobei es dann noch erschwerend hinzukommt, dass Far Cry 4 mit der Maus nur extrem hakelig spielbar ist. Stolze Besitzer von AMD-Grafikkarten ziehen dagegen, wie so oft bei Ubisoft-Spielen, direkt den Schwarzen Peter, weil auch die tollste Graka plötzlich die gefühlte Performance seines Vorvorvorgängers bietet. Natürlich hat das nichts mit der engen Kooperation mit nVidia zu tun. Schöne Bugs im Spiel: In der Fluchtsequenz nach dem zehnminütigen und nicht wegklickbaren Filmchen, lässt sich bei vielen nicht die Tür öffnen, um dann auch wirklich flüchten zu können. Game Over. Oder das Festklammern an Felsvorsprüngen funktioniert nicht, weswegen der eigentlich unkomplizierte Standardsprung tödlich in der Tiefe endet und die Freude ins Unermessliche steigt, beim Neustart (bevor man es ganz aufgibt) sich die endlosen Filmsequenzen noch einmal anschauen zu müssen.

Dank meiner nVidia-Karte kämpfte ich nicht mit allen der oben genannten Probleme. Mehr von all dem Ärger ist im offiziellen Far Cry 4-Forum von Ubisoft nachzulesen. Ich kämpfte vor allem mit der Prolog-Mission, bei der Saves keine Saves waren und ich immer wieder bei der Fluchtsequenz neu beginnen musste. Nach Beendigung des 40-minütigen Prologs hatte sich dieses Ärgernis zum Glück erledigt. Dafür traf mich dann die Ruckelei mit voller Wucht. Ähnlich wie bei Watch Dogs ist die Steuerung und Bildrate in Fahrzeugen eine einzige Katastrophe. Leider auch beim Gleiter, einem Immersions-Highlight noch in Far Cry 3. Ansonsten geht die Bildrate hoch und runter wie sie will, so scheint es zumindest und zu keinem Zeitpunkt war ich irgendwie „drin“ in Far Cry 4.

Und deswegen schließe ich wohl auf unbestimmte Zeit den Far Cry 4-Spielplatz. Nicht nur wegen der ungenügenden Güte dieses Produkts zum Release, sondern auch wegen dieser durchgängigen, kalkulierten Lügerei aus dem Hause Ubisoft. Ganz augenscheinlich versucht das Unternehmen seine Kosten und einen feinen Profit schon durch die Vorbestellungen zu realisieren. Denn wer die ausufernden PR- und Marketing-Kampagnen mit dem Zustand der Spiele beim Release anschaut, scheint nicht unbedingt abhängig zu sein von der Zufriedenheit der Kunden. Oder baut auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Im Gegenteil, die scheint ihnen am A… vorbeizugehen. Das ist in meinen Augen nahe am Betrug, zumindest aber extrem unsympathisch. So ein Verhalten gegenüber der zahlenden Kundschaft kann sich kaum eine andere Branche leisten und zeigt ein weiteres Mal, dass die Spieleindustrie in Sachen Professionalität besonders im Blockbuster-Segment der Konkurrenz aus Kino und TV um Dimensionen hinterherhinkt.