Es weht ein neuer Wind in der Spielebranche. Adventures sind gar nicht tot! Gamer zahlen freiwillig für die Entwicklung eines neuen Spiels von Adventure-Legende Tim Schafer! Die vermeintlich unwissenden großen Publisher  bekommen jetzt von dem „Gamer-Schwarm“ endlich knallhart mit Griff in die Börse gezeigt, was sie WIRKLICH mögen und was nicht.

Stimmt das denn? Die Branche und Fachpresse (zum Beispiel hier) überschlagen sich gerade vor Freude über das mittels Kickstarter abgewickelte Crowdfunding-Projekt. Aktuell wurden rund 1.5 Mio. $ gespendet – was in der Tat eine gewaltige Summe ist. Respekt dafür, natürlich ist diese Aktion wie auch das sensationelle Ergebnis Grund zur Freude für jeden Gamer, der ein Faible für Adventures hat. Zudem dürften besonders die Veteranen Tränen in den Augen haben. So interessant die modernen Adventures aus deutschen Landen auch sein mögen – an ein Grim Fandango kommen sie halt nicht ran. So weit, so gut, sollte man meinen. Schöne Sache, wenn die Kommerzialisierung nicht wäre.

Mich würde es nicht wundern, wenn uns nun in den nächsten Monaten ein neue Pseudo-Indie-Welle heimsucht. Crowdfunding wird zum Hypebegriff und oberflächlich vielleicht sogar zu einer Art Qualitätssiegel für wirklich bedeutende (kleinere) Spiele mit Retro-Touch. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn diese unkompliziert-private Form der Finanzierung nicht auch das Mittelmaß anzieht. Und anschließend die großen Publisher, die auch ein Stück vom Kuchen haben wollen. Kann ja nicht sein, dass die Gamer lieber in die Entwicklung von Spielen investieren als in Online-Pässe. Möglicherweise wird es kleine Studios geben, die bald nicht nur von Publishern, sondern auch von den Direktinvestitionen der Gamer abhängig sein werden. Somit wird der Kuchen immer kleiner und ehe wir uns versehen, ist alles wie zuvor. Nur ein bisschen anders, denn Tim Schafers Studio Double Fine is back in Business.