Ich war gestern auf dem Flughafen NordWest. Da war was los. Erst höre ich Schüsse aus einem Scharfschützengewehr (klingt wie eine AS50, aber so viele habe ich bisher auch nicht gehört) und sehe ziemlich viele Todesmeldungen, die auf die Schüsse folgen – aber ich gehe unbeirrt in die nördliche Kaserne und plündere alles Mögliche. Dann komme ich heraus und suche mir ein lauschiges Plätzchen, von dem aus ich in Ruhe die andere Seite des Flughafens per Fernglas beobachten wollte. Dort hatte ich den Sniper vermutet. Ich suche also die Baumgrenze ab, als plötzlich um mich herum Kugeln einschlagen. Der Knall kommt eine Sekunde später, da ist schon die nächste Kugel da. Der Typ hat bestimmt 6-8 mal auf mich geschossen und mich auch leicht verletzt. Also haue ich ab unter Ausnutzung der Büsche, die ich versuche zwischen uns zu behalten, obwohl ich gar nicht genau weiß, wo der Typ steckt. Ein Verband und zwei Stück Fleisch regeln alles, und ich bin wieder auf dem Damm. Ich hatte nicht geglaubt so einfach entdeckt zu werden, schließlich lag ich im Gras zwischen Bäumen und trug ein Ghillie.

Ich laufe ein paar hundert Meter weiter Richtung Norden und starte einen zweiten Versuch den Sniper zu finden. Auf der anderen Seite der Rollbahn ist nichts zu sehen, aber auf meiner Seite sehe ich einen Surviver herumkriechen! Zwischen dem Punkt an dem mich der Sniper zu erwischen versuchte und meiner jetzigen Position. Es sind keine 100m, also wechsle ich zum Sturmgewehr, visiere an und beginne zu ballern. Das war aber nicht gut gemacht. Ich hatte 8-10 Schüsse im Einzelfeuermodus abgegeben und der Typ drehte sich immer noch auf dem Boden herum. Anscheinend hatte ich ihm die Knochen gebrochen und er konnte nicht aufstehen- oder er glaubte nicht aufstehen zu dürfen um nicht den finalen Schuss abzubekommen. Ich bin eben Anfänger im Menschenerschiessen. Um meinen Kill vollkommen zu machen, lasse ich mir eine Sekunde Zeit zum Zielen, halte den Atem an und blase der armen Seele die letzten Lichter aus. Er hatte sich inzwischen genau in meine Richtung gewendet, schoss aber nicht, vielleicht sah er mich nicht, sondern guckte mich mit Hundeaugen an. In meiner Erinnerung hat er jedenfalls einen echt traurigen Blick. War das der Sniper? Oder ist er durch mein Anfängergeballer genau auf meine neue Position aufmerksam geworden? Soll ich rüber zu der Leiche um sie zu schänden, ähm plündern? Klar muß ich hin. Mir fehlte schließlich immer noch der Kompass – und einen Spieler zu erschiessen und nicht einmal nachzuschauen, was er so dabei hat, ist Verschwendung. Eine Sünde wie Essen wegwerfen.

Der Flughafen im Nordwesten. Achtung, Snipergefahr!

Ich krieche also zur Leiche, komme aber nicht weit. Kaum höre ich ganz leise die Fliegen, wird dieses Geräusch durch die Kugeln des Snipers übertönt. Er hatte nur darauf gewartet, dass ich mich der Leiche nähere. Er gibt wieder mehrere Schüsse ab. Diesmal erwischt er mich richtig. Schock und Knochenbruch, alles wird schwarzweiß. Scheiße, noch ein solcher Treffer und ich sehe den Game Over-Bildschirm. Das Adrenalin meldet sich, und damit meine ich „Real Life“. Ich kann nicht aufstehen um wegzulaufen, aber ich habe mich hinter einen Baumstamm gerettet. Eine kleine Tanne versperrt die Sicht auf den größten Teil der anderen Seite des Flughafens. Ich muss mir Morphin verpassen und dann im Zickzack weglaufen. Außerdem blute ich wie ein Schwein. Aber wenn ich Morphin bzw. den Verband benutze, gehe ich automatisch in die Hocke und könnte ein prima Ziel abgeben, trotz der kleinen Tanne. Ich robbe also ganz nah an den Baum und spritze mir Morphin. Kein Schuss. Verband angelegt. Kein Schuss. Hat er mich verloren? Unwahrscheinlich, ich war fast an der gleichen Stelle, an der er mich erwischt hat. Er Fuß genau im Sichtschatten des Baumstamms oder der Tanne hocken und hat gar nicht gesehen, dass ich in die Hocke ging. Ich drehe mich um und laufe weg. Schon fallen die Schüsse. Er ballert aus allen Rohren, ich laufe im Zickzack in Richtung Betonzaun und schaffe es darunter durch ohne getroffen zu werden. Hier ziehe ich mir die restliche vier Fleischstücke rein, die ich noch habe. Das gibt wieder Tinte auf den Füller und die Welt sieht wieder bunt aus. Mich packt der Ehrgeiz den Typen zu Gesicht zu bekommen und mein Scharfschützengewehr in Gebrauch zu nehmen. Er hätte es verdient, im Gegensatz zu meinem Opfer von vorhin. Also laufe ich die Mauer entlang an die nördliche kurze Seite des Flughafens und schleiche mich dort in eine Position an der ich mein Fernglas oder das Visier benutzen könnte. Bevor ich das schaffe, stehe ich wieder unter Feuer ! Das gibt´s doch nicht! Wieso sieht er mich so viel früher als ich überhaupt einen Blick wagen kann? Er trifft mich nicht und ich haue wieder ab.

Es gibt nur noch eine Möglichkeit. Von hinten heranschleichen. Um den halben Flughafen herum und in den Rücken. Ich setze also einen Marker auf der Karte und entferne mich bis auf 1.400m von der Stelle, die ich an seiner Stelle zum snipern benutzen würde, wäre ich irgendwo dort, wo ich ihn vermute. Im großen Bogen laufe ich um den Flughafen herum und bin dann in seinem Rücken. Jetzt gehen mir ganz grundsätzliche Überlegungen durch den Kopf. Ich habe keine Schüsse gehört, seitdem er auf mich geschossen hat. War er überhaupt noch da? Wenn er gut ist, hat er bestimmt die Position gewechselt. Aber er ist nicht gut. Drei mal hat er versucht mich zu erwischen und dabei über 20 Schuss verplempert. Eine erbärmliche Quote für einen Scharfschützen. Ich war wie eine lästige Fliege, die immer wieder kam. Aber ich spielte dabei auch mit dem Feuer. Ich hatte nur noch eine Bandage, eine Dose Sardinen und ein Morphin. Sollte ich noch einmal getroffen werden, würde es schwierig werden zu überleben, selbst wenn ich den Typen erwische. Ich lag jetzt in seinem Rücken und wartete darauf, dass er einen Schuss abgibt, um ihn orten zu können. So schießwütig er bis dahin war, es kam jetzt nichts mehr. Es war inzwischen spät und auf dem Server waren nur noch fünf Spieler. Davon zwei, die auf keinen Fall der Sniper waren (ich und mein Opfer, das wieder von vorn angefangen hatte).

Es kam nicht zum großen Showdown. Ich habe mich entschieden, mich auf den Weg zum Krankenhaus nach Berezino zu machen, Morphin holen. Morphin ist überlebenswichtig. Allein meinem derzeitigen Charakter hat es schon drei mal das Leben gerettet. Knochenbrüche durch Zombies, Stürze oder Schüsse sind die Regel und ohne Morphin darf man dann kilometerweit zum nächsten Krankenhaus kriechen, wenn man allein spielt. Inzwischen fühle ich mich schon in Gefahr, wenn ich nur noch eines dabei habe. Es könnte ja sein, dass ich es benutzen muss, und dann hätte ich gar keines mehr, hilfe! Vorher muß ich mir aber noch eine schöne Stelle suchen um das Zelt aufzubauen, das ich gefunden hatte. Mit zwei Gewehren, einer Pistole, Munition für alle drei und einem Zelt im Gepäck in eine große Stadt zu gehen, wäre töricht. Wenn man schon das Risiko eingeht, sollte man auch genug Platz haben um etwas mitnehmen zu können. Ich freue mich schon auf die nächste Session.