Nicht einfach machte es Electronic Arts den Liebhabern von FIFA 14. Schon einige Wochen vor dem Release der Versionen für die PlayStation 4 und Xbox One erschien FIFA 14 für die Current Gen-Konsolen sowie den PC und damit stellten sich mehrere Fragen: Kaufen ja, aber wie oft? Oder lieber auf ein rundes Fifa 15 warten, dass nicht gleichzeitig für alle erdenkbaren Plattformen erscheint und vielleicht nur ein Kompromissprodukt ist? Und bringt die exklusiv auf PS 4 und Xbox One beschränkte Ignite Engine so viel, dass das FIFA-Franchise endlich wieder einen großen Schritt nach vorne macht? Die Antwort auf alle Fragen ist ein ganz einfaches „Ja“ – ausgenommen den Current Gen-Versionen für Next Gen-Konsolen-Besitzer und ein asketisches Warten auf FIFA 15. Aus meiner Sicht gibt es drei ganz große Stärken dieses Konsolenjahrgangs: Immersion ist dank der Ingnite-Engine tatsächlich ein Thema, das Spieltempo ist so gut ausbalanciert wie selten zuvor und die größte Freude bringt wie eh und je der FIFA 14 Multiplayer in all seinen Ausprägungen von Online-Saisons bis hin zu FIFA Ultimate Team, kurz FUT.

Zugegeben, so ganz leicht tue ich mich nicht mit Beifall für EA, aber man muss ihnen lassen, dass sie den Konsolen-Generationswechsel hervorragend gestalteten. Nicht nur FIFA 14 ist auf PlayStation 4 und Xbox One eine wahre Augenweide, auch mit Need for Speed Rivals lieferten die Kanadier eine ganz saubere Arbeit ab. Mit Blick auf FIFA 14 fällt natürlich zum einen der Wechsel von 720p auf höher aufgelöste 1080p auf, zum anderen aber ebenso die Ignite-spezifischen Features, aufgrund derer sich die Konsolenversionen auch deutlich von den 1080p auf dem PC abheben. Im Einzelnen: Die Spieler bewegen sich ungemein realistisch (Abstriche müssen nur bei der mechanisch wackelnden Kleidung gemacht werden) und sind ihrem realen Antlitz deutlich ähnlicher als zuvor (Adieu, ihr Matschgesichter). Am besten gefällt mir bei den Ignite-Features jedoch die Stadion-Atmosphäre: Endlich gibt es ein lebendiges, mitgehendes und realistisch wirkendes Publikum, dass die Partien zu emotionalen Schlachten erhebt, gerade wenn es knapp zugeht. Das ist die erwähnte Immersion und sie steht FIFA 14 mehr als gut zu Gesicht. Eng sind die Spiele übrigens recht oft, zumindest beim FIFA 14 Multiplayer, dank dem ordentlichen Matchmaking bei den Saisons, Cups und FUT.

FIFA 14 MultiplayerSehr beliebt in den FIFA 14 Multiplayer-Spielen scheint PSG zu sein, Ibrahimovic sei dank. Quelle: EA

Dass in den PS 4- und Xbox One-Versionen die Offline-Ligen fehlen, ist aus meiner Sicht geschenkt. Irgendwo schade, aber eigentlich egal. Wer misst sich schon stundenlang nur mit der KI? Die Musik spielt anderswo, nämlich beim FIFA 14 Multiplayer und bei FUT, dass bei all den Management-Tätigkeiten unter dem Strich auch nicht mehr als ein Multiplayer-Feature ist. Inhaltlich hat sich bei den Online-Saisons wenig getan, allerdings verbesserte sich für meinen Geschmack das Matchmaking. Es gibt weniger Fehlschläge (bislang treten sie vermehrt nur bei Spielen von Nationalmannschaften gegen Clubteams auf), die Ladezeiten sind kürzer und die Balance bei der Gegnersuche stimmt auch. So macht es Freude mit dem FIFA 14 Multiplayer, wobei ich Glück hatte, bisher auf keine Prolls, Rassisten oder sonstiges Gefleuch gestoßen zu sein. Vom Prinzip her bleibt es bei der bewährten Struktur: Begonnen wird in Liga 10, in der man mit 9 Punkten aufsteigt und sie mit 12 Punkten als Champion gewinnt, wofür es zusätzliche Bonuspunkte gibt. Ab Liga 9 droht dann bei Niederlagenserien der Abstieg in die nächste untere Liga, wobei selbstverständlich je höhere Liga die Luft immer dünner und der Anteil an Profis immer größer wird.

FIFA 14 Multiplayer: Online Cup-Sieger werden (oder auch nicht, in meinem Fall)

Ist der Online-Cup im FIFA 14 Multiplayer eigentlich neu? Gab es den nicht schon? Ich weiß es nicht, aber ein nettes Features ist der Pokalmodus auch als älteres Modell. Alle paar Stunden beginnt ein Cup-Wettbewerb, bei dem der Spieler im Achtelfinale startet und – logischerweise – bis zum Sieg sich keine Niederlage leisten sollte. Bei mir war übrigens in meiner besten Serie erst im Halbfinale Feierabend. Hier besteht der Reiz nicht nur in einem möglichen schnell zu erringenden Erfolg, sondern auch im zeitlichen Druck. Denn wer nicht innerhalb des Zeitrahmens seine Partien ausspielt, beginnt wieder von vorn im Achtelfinale. Neben dem Cup ist es noch außer der Reihe als FIFA 14 Multiplayer-Feature möglich, online von 2-2 bis 11-11 Matches zu bestreiten, was mich aber nicht so heiß macht, auch weil es bei diesem Modus etwas anzuprangern gibt, und das mit größtem Nachdruck: Es kann doch nicht sein, eigentlich, dass es nicht möglich ist zusammen mit einem Freund, der sozusagen offline neben einem sitzt, gemeinsam ein 2-2 online zu spielen. Eigentlich unfassbar, dass ich theoretisch mit Javier aus Spanien gegen Jean aus Frankreich und Mats aus Schweden spielen kann, aber nicht zusammen mit Karl-Heinz (ist nur ein Künstlername für den Kumpel), der einen Meter neben mir auf dem Hocker sitzt, dann Jean und Mats herausfordern kann. Ärgerlich ist das!

FIFA 14 Multiplayer FUTIn einer gerechten Welt wäre das beim FIFA 14 Multiplayer mein Ultimate-Team. Ist aber leider die Vorzeigetruppe von der EA Sports-Homepage. Schade. Quelle: EA

Ich gebe zu, es ist nicht einfach, bei FUT noch großartig Neues zu erschaffen, dass diesen Modus deutlich voranbringen würde. FIFA Ultimate Team ist der noch einzigartige Beweis, wie man wirklich perfekt F2P-Mechaniken in ein Vollpreisspiel integriert, ohne das es stört, aufdringlich wird oder geldgierig rüberkommt. FUT funktioniert einfach und wer sich daran stört, lässt es halt links liegen und spielt die Online-Saisons. Erwähnenswert ist die Team-Chemie, bei der ich noch nicht ganz durchblicke, ehrlich gesagt, die aber auf Spezialisierungen und Erfahrungen basiert, was letztlich bedeutet, dass man sein FUT-Team nicht einrosten lassen sollte. Ansonsten funktionieren Transfermarkt etc. wie eh und je und wer Lust hat mit Karten bzw. Spielern zu handeln, wird weiterhin große Augen von FUT bekommen.

Das alles, die großartigen FIFA 14 Multiplayer- und Ignite-Features, würden verpuffen, wenn es nicht auf dem Platz stimmen würde. Und das tut es, nicht nur optisch (erwähnte ich schon die lebendigen Zuschauer auf den Rängen? Immersion und so?), sondern auch vom klassischen Gameplay her. FIFA 14 spielt sich vergleichsweise langsam, glänzt mit einer geordneteren und cleveren KI-Verteidigung und sogar manch einem KI-Mitspieler, der tatsächlich intelligent in freie Räume sprintet. Bei der Ballphysik mag es weiterhin ein wenig Luft nach oben geben, aber was EA mit Ignite in Sachen realistischer Motorik, insbesondere in Zweikämpfen, auf die Beine stellt, ist mehr als ein Loblied wert.