Ganz gleich, ob hinter dem Goat Simulator von Coffee Stain Studios nun ein ausgewachsenes Spiel steckt oder nicht: Es scheint genau der bekloppte Unsinn zu sein, der zu erwarten war. Hier gibt es nun eine kleine Angespielt-Review dazu, nachdem heute die „Early Access“-Version für Vorbesteller veröffentlicht wurde. Nur ganz kurz zum Hintergrund: Aus einer Laune heraus und eher als Tech-Demo gedacht (sofern man der Legende glauben darf), entwickelte sich der Goat Simulator im Vorfeld zu einem erst sympathisch kleinen und zuletzt schon beinahe zu einem unangenehm großen und auch von den Entwicklern befeuertem Hype. Selten gaben sich clevere Indies so profitabel geschäftsuntüchtig wie Coffee Stain Studios.

Ist aber aber alles egal, wenn die Butter bei die Fische kommt. Nochmal: Der Goat Simulator ist nur angespielt, also sind Ausblicke auf eine womögliche Langzeitmotivation noch nicht zu treffen (man bemerke den Ton zwischen den Zeilen). Erst einmal ganz kurz zum Gameplay. In 3rd Person-Perspektive wird die Ziege gesteuert, wobei der eine oder andere Befehl auf der Tastatur noch gewöhnungsbedürftig ist. Wie etwa R für Ragdoll oder E für Lick/Bite. Mit R schießt man um sich, wobei die Frage erlaubt ist, womit so eine Ziege schießen könnte. In meiner ersten Goat Simulator-Runde waren Bälle aus einer Baseball-Wurfmaschine, die einen verblüffenden Schaden anrichten konnte (siehe Michael Bay-Screenshot unten)

Die bewaffnete Ziege im Goat Simulator.
Die bewaffnete Ziege im Goat Simulator.

Vielleicht bewaffnete zu früh im Spiel meine Ziege bewaffnete, aber zumindest konnte ich kurz nach Spielstart schon etwas mit dem Viech anfangen. Die ersten „Ziele“ sind so einfach wie langweilig, wie etwa 5 Meter in die Höhe zu springen, was nicht sonderlich schwierig ist, da die Ziege verdammt gut klettern kann. Da ich es prinizpiell mit Achievements nicht so habe und mich auch leicht gegängelt fühle, wenn mir durchgehend befohlen wird, was ich zu tun habe (auch wenn Witzischkeit im Spiel ist!), legte ich die „geplante“ Spielmechanik früh ad acta und ließ meinem Exploration-Drang freien Lauf. Übrigens dürfte ich innerhalb von drei Minuten ungefähr 20 Aufgaben „gelöst“ haben, von denen ich nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt – was für mich den Schluss zulässt, sich ruhig frei von den „Zielen“ fühlen zu dürfen.

Eine im wahrsten Sinne des Wortes gesprengte Demo im Goat Simulator.
Eine im wahrsten Sinne des Wortes gesprengte Demo im Goat Simulator.

Wer Just Cause 2 mag, dürfte sich beim Goat Simulator ebenso gut unterhalten fühlen, zumindest wenn das Anrichten von Chaos die Triebfeder beim Spiel war. Dabei konnte ich zwischen zwei Alternativen wählen: Pure Zerstörung per Waffengewalt oder durch körperlichen Einsatz der Ziege.

Eine kleine Rutschpartie im Schwimmbad.
Eine kleine Rutschpartie im Schwimmbad.

Wobei besonders die Flugeinlagen Spaß machen. Mit der einen, gleich noch dargestellten Ausnahme, macht es weitaus mehr Spaß die unkaputtbare Ziege durch die Lüfte zu schleudern, als banal mit der Taste R alles dem Erdboden gleich zu machen. Ein Besuch auf den beiden Rutschbahnen im Schwimmbad lohnt sich aber definitiv für den Schmunzler zwischendurch, aber schon hier stellt sich die Frage, wie oft man den Quatsch wohl machen wird.

Tankstelle in Sicht, das könnte böse enden.

Die Location gibt übrigens auf den zweiten Blick mehr her als gedacht. Es gibt einige schöne und sogar annähernd knifflige Passagen, die auf dem Weg auf die Dächer mit der Ziege gemeistert werden können/müssen, aber an sich sollte man nicht mit Herausforderungen rechnen. Ins Auge springt erst einmal, was zerstört werden kann. Wie zum Beispiel diese schöne Tankstelle.

Michael Bay-Style im Goat Simulator.
Michael Bay-Style im Goat Simulator.

Lange blieb sie natürlich nicht stehen und ich schätze, dass die Zerstörung dieses lauschigen Örtchens für ungefähr zehn spielinterne Achievements gut war. Nur, ein Mal kaputt, immer kaputt und da sind wir dann schon schnell beim Thema Motivation. Nach der Tankstelle hatte ich gar keine Lust mehr, noch irgendwas zu zerdeppern. Und von jedem Hausdach muss sich nun meine Ziege auch nicht stürzen. Das ist alles bis hierhin lustig gewesen und schon sehr früh dürfte man an dem Punkt angelangt sein, an dem es darum geht die Easter Eggs zu finden. Geht mir jedenfalls so. Technisch gesehen ist der Goat Simulator ordentlich entwickelt sowie liebevoll gestaltet und animiert, was vor allem für die Ziege selbst gilt.

Der Goat Simulator scheint – wie zu erahnen und erwarten war – eben doch mehr Happening als Spiel zu sein. Sicherlich schaue ich ihn mir noch länger und genauer an, aber ob ich 100 Mal über einen ähnlichen Witz lachen kann (Ziege fällt von X, Y und Z herunter…), wage ich zu bezweifeln. Trotzdem schön, dass so eine besondere interaktive Erfahrung – so gestelzt es klingen mag, trifft es trotzdem zu – sein Publikum und Profit bekommen wird. Genau so ist (manchmal und optimaler Weise) Indie! Experimentierfreudig, innovativ, auch mal mit einem Lächeln und anders als die anderen. Wen schert da schon die Langzeitmotivation?