Erinnerungen an damals. Wolfenstein 3D. Ein Klassiker der abstruseren und diskussionswürdigeren Sorte, ganz egal wo man etwa bei der Frage der Indizierung steht. Aber schon alleine als Egoshooter tauge das Spiel nicht nur dazu, ein ganzes Genre mitzubegründen, sondern es geradewegs in Verruf zu bringen. Nun also betritt als später Verwandter Wolfenstein: The New Order von Machine Games und Bethesda die Arena und zweierlei dürfte feststehen: Es wird in Wolfenstein Nazis geben. Und das Spiel wird keine Geschichte schreiben. Dazu ist es zu spät.

Dass in Wolfenstein Nazis herumturnen, stimmt, aber nicht in deutschsprachigen Landen. Da jeder weiß, worum es geht und worauf die Symbolik anspielt, sind die staatlich erzwungenen Verfremdungen vielleicht faktisch halb so wild, jedoch trotzdem nicht mit meinem Freiheitsbegriff zu vereinbaren. Die zweite Theorie kann ich nach rund drei Stunden Spielzeit ebenso unterschreiben, aber auch ein wenig modifizieren: Machine Games tut gut daran, nicht verkrampft die nächste Ebene im Genre zu erreichen, sondern sich auf die Basics zu konzentrieren – womit ein pures Shooter-Erlebnis gemeint ist. Wobei früher mehr stumpfe Hordenabballerei dabei war als im aktuellen Wolfenstein heute, was ich aber nur begrüßen kann. Wolfenstein: The New Order ist darüber hinaus zumindest in den ersten Stunden nicht ganz so drüber und albern, wie ich manche der Vorgänger in Erinnerung habe.

Die Wolfenstein Nazi-Geschichte beginnt erst einmal sehr emotional...
Die Wolfenstein Nazi-Geschichte beginnt erst einmal sehr emotional…

So ganz retro ist der Flugzeugabsturz zu Beginn des Spiels. Himmelherrgott, das ist derart abgelustscht, eigentlich, hier aber noch mit kleinen Gameplay-IQ-Tests für zurückgebliebene Blödis und hochemotionalen Zwischensequenzen durchsetzt. Immerhin. Außerdem kämpfte ich zu Beginn mit der ID Tech 5-Engine (PC), die ich bei Rage noch mochte, bei Wolfenstein aber weniger schätze. Trotz ordentlichem PC ruckelt mir die Kiste viel zu sehr in Szenen, wenn es rummst und wummst und es rummst und wummst ziemlich oft und massiv. Ich mag es nicht, bei den Einstellungen peu a peu die Regler herunter zu fahren. Bei Wolfenstein: The New Order geht es aber nicht anders. Dafür einen Minuspunkt. Später aber noch mehr zur lieben Technik.

Gut, einen Dog Fight gibt es auch noch und danach zunächst hübsch designte, aber sehr geradlinige Ego-Shooter-Kost. Und das von dieser Dauerpanik begleitet, die die Auftraggeber (seit CoD?) veranstalten. Immer muss ganz schnell hier ein Knopf gedrückt und dort was gezündet werden und wenn man sich nicht auf die Hetze einlässt, ist es auch egal. Was heißt: Es ist geschürte Panik ohne Konsequenzen. Die an einigen Stellen gescholtene KI konnte ich auch nicht bejubeln: Die ersten Wolfenstein Nazi-Soldaten kommen strunznaiv vor meine Flinte gerannt und lassen sich so debil abschießen, dass ich hier ein verkapptes Moorhuhn-Geballer befürchtete. Jedoch: Entwarnung. In den unvermeidlichen Bunker-Passagen stellen sich die Wolfenstein Nazis nicht mehr so blöde an, jedoch ist nicht viel mehr als ein halbwegs cleveres Deckungssystem zu vermelden. Kein Drama, aber auch keine große Herausforderung. Auch weil an jeder Ecke Munition und Health Packs herumliegen. Bei Letzterem verstehe ich übrigens so gar nicht, was daran sensationell sein soll. Ist ja schön, wenn es nicht die automatische, in Sekunden herbeigeführte automatische Selbstheilung gibt – nur ist das schnurz, wenn die Gesundheitskisten verschwenderisch (auf Normal) und nicht rar gesät sind. Weitaus alberner finde ich die Lösung mit der Rüstung, bzw. Armor. Die Wolfenstein Nazi-Schergen (und sogar die Nazi-Kampfhunde!) lassen Helme oder andere Teile fallen, die man dann aufsammelt und dafür Armor-Punkte bekommt. Okay, sammeln wird belohnt. Nur wie soll man sich das in der Praxis vorstellen? Nach der Wolfenstein-Logik setze ich mir also zehn Stahlhelme übereinander auf (!) und habe dann mit 50 Punkten einen 10x so großen Schutz als nur mit einem einzigen Helm. Das ist wirklich blanker Unsinn.

Einer gegen alle. Ist aber nicht schlimm, weil alle nicht immer intelligent agieren.
Einer gegen alle. Ist aber nicht schlimm, weil alle nicht immer intelligent agieren.

Ansonsten: Wenn die Framerate stimmt, ist Wolfenstein ein sauber herunter zu spielender Shooter. Und mit Blick auf den Retro-Sci-Fi-Style sogar außerordentlich gut gelungen. Ich mag diese seltsamen Riesen-Roboter, die da durch das Nichts herumstampfen und bringe ebenso Sympathien für die Roboterhunde auf. Und bin gespannt, was noch so an interessanten Gestalten auf mich schießen wird. In dieser Hinsicht sticht Wolfenstein aus der Masse der gescripteten Shooter heraus, aber eher durch das Drumherum als durch das Gameplay selbst.

Wenn da nicht die Technik wäre, an der ich mich reibe. Die ID Tech 5 zaubert schicke Bilder hervor, keine Frage, aber nur ausnahmslos aus der Distanz und noch eindrucksvoller in den Cut Scenes. Das war schon bei Rage so, ist hier aber für meinen Geschmack noch extremer sichtbar. Aus der Nähe werden die Texturen derart matschig, dass ich mich an PlayStation 2-Zeiten erinnert fühle. Zudem sieht, auch aus der Ferne, das Wasser beinahe so aus wie bei der Augsburger Puppenkiste in den 70er-Jahren. Verstehe einer diese Engine. Sie vermiest zwar nicht das Spielerlebnis, kurzweilig und unterhaltsam wie es ist, zaubert aber Fragezeichen hervor, wo keine sein sollten. Über 40 GB frisst das Spiel. Das geht sicherlich effizienter und auch im Ergebnis befriedigender.

BTW: Zumindest in den ersten Stunden gab es für mich so gar keinen Wolfenstein Nazi-Eklat. Da sind die Helghast aus Killzone noch  näher dran (aber letztlich auch für keinen Eklat gut).