Gut, dass ich mir die Lästerei zu The Stomping Land bei meinem Review zu theHunter Primal noch verkneifen konnte. Es lag so nah, entsetzt und ungezogen mit dem nackten Zeigefinger auf The Stomping Land zu zeigen und es mit Hohn, Spott, Pech und Schwefel geradezu zu übergießen – weil es Dinos nicht ernst nimmt und die Freunde des Spiels gar verhöhnt, die via kickstarter oder Early Access dem Spiel ihr Vertrauen schenkten. Böse, böse. Rund 140.000 $ wurden via kickstarter in das Spiel von Alex Fundora investiert und alles, was wir erhielten, war eine lausige Alpha, viele leere Versprechungen und ein Entwickler, der wohl einfach keinen Bock mehr hat (sofern er nicht eine Krankheit oder sonstige tragische Ereignisse/Erlebnisse für sich behalten mochte und mag).

Nun ist mit Vlad Konstantinov der letzte maßgebliche Programmierer von Bord gegangen, nachdem er nach eigener Aussage The Stomping Land nicht weiter aus eigener Tasche finanzieren wollte. Kann ich verstehen, auch vor dem Hintergrund, dass er wohl seit knapp einem halben Jahr keinen Kontakt mehr mit Alex Fundora hatte. Solch ein Führungsstil wie ihn Herr Fundora an den Tag legt – also einfach die Kommunikation abzubrechen und nicht mehr vor Ort zu erscheinen – hätte sogar den abstinenzerprobten Major Major Major Major aus Catch 22 noch verzückt. Somit steht also The Stomping Land endgültig vor dem Aus und es ist gut so. Leider. Auch wenn die Hoffnung als Letztes stirbt, bekommt sogar sie irgendwann Besuch vom Sensenmann. Eine verpasste Chance bleibt The Stomping Land natürlich, denn noch einmal wird Alex Fundora nicht mehr solch einen kräftigen Rückenwind für ein Projekt generieren können. Was mir noch bleibt? theHunter Primal zu spielen, natürlich. Und ein letztes Mal The Stomping Land. Natürlich werde ich dem Machwerk eine kleine Kritik hinterher schicken, denn schließlich lagerte es in meiner Steam-Bibliothek immer noch im Ordner der noch zu schreibenden Reviews. Und diese Kritik schreibe ich jetzt, basta, bevor das deinstallierte The Stomping Land in meinem Steam-Ordner namens „Gedöns“ landet.

Dinos everywhere. Die Population der Giganten ist in The Stomping Land übertrieben hoch.
Dinos everywhere. Die Population der Giganten ist in The Stomping Land übertrieben hoch.

Um mal mit einer ganz großen Reminiszenz zu beginnen: The Stomping Land beginnt genauso wie DayZ. Hui! Nur stehen wir beinahe ganzkörpertätowiert am Strand und nicht in T-Shirt und Jeans. Zombies gibt es hier nicht, dafür aber Dinos. Und zwar läuft nicht hier und da mal einer durch´s Bild, der dann direkt tödlich ist wie in theHunter Primal, sondern es kreucht und fleucht so ungefähr hinter jedem Busch ein Exemplar. Mal töten sie unseren Helden, mal nicht. Gerne drehen sie Kreise um unseren Tattoo-Mann und das nur scheinbar ohne Grund. Die Ursache liegt natürlich in einem Bug. Einem von ganz vielen, so wie es sich für eine Pre-Alpha gehört, nicht wahr?

Immerhin bekämpfen sich die Dinos gegenseitig, was ein schöner zusätzlicher Spannungsfaktor in The Stomping Land sein könnte – nur ist es das nicht, weil auch sonst weit und breit keine Dramatik aufkommen mag. Nun, vielleicht geht ja beim Looten und Craften was? Nö. Kleine Mini-Palmen können wir mit unserer Axt so lange fällen wie wir wollen, sie mag einfach nicht umfallen. Große Palmen lassen sich dagegen erst gar nicht bearbeiten, warum auch immer. Tote Dinos können wir dafür aber ausweiden und neben Erfahrungspunkten, bei denen niemand weiß, wozu sie gut sein sollen, finden sich noch andere sinnvolle Materialien wie zum Beispiel Eisenbrocken im Magen eines dahin geschiedenen Dinosauriers. Wozu wir das nun wieder alles benötigen? Für ein kaum funktionierendes Crafting-System, mit dem nahezu nutzlose Waffen hergestellt werden.

Sogar der Schwerkraft schlägt The Stomping Land das eine oder andere Schnippchen.
Sogar der Schwerkraft schlägt The Stomping Land das eine oder andere Schnippchen.

Nun, wer mag, kann ein wenig in The Stomping Land umher wandern. Von Hunger, Durst oder sonstigen Survival-Problemchen muss sich der Spieler nicht bedrängt fühlen. Wirklich spannend ist aber auch der gepflegte Spaziergang nicht. Dafür sind die Küsten zu dröge und die Wälder zu generisch. Für die Spielwelt gilt wie für den Rest von The Stomping Land: Mit ein wenig mehr Durchhaltevermögen, Anspruch, Kompetenz und einem fairen Umgang mit der Community wäre durchaus etwas drin gewesen für diese Interpretation eines Dino-Survival-Spiels. Der Ansatz, „Dinos jagen Dinos jagen Menschen, die Dinos jagen“, ist an sich gar nicht übel. So aber entwickelte sich The Stomping Land zu einem Rohrkrepierer erster Kajüte und einem weiteren ärgerlichen Kickstarter-Debakel. Traurig, traurig. R.I.P The Stomping Land.