Es ist das gute, alte Dead Space-Feeling, mit dem Solarix anfangs um die Ecke kommt. Dunkle, lange Gänge, es tropft hier und da, dampfende Maschinen versperren die Sicht und irgendwo schreit jemand. Das ist natürlich nicht neu, hat aber trotzdem Klasse. Wenn es im Dunklen und mit Kopfhörer gespielt wird, ist Solarix eine wunderbare Erfahrung und Dead Space ganz nah. Was Schnetzeleien und kranken Scheiß angeht, dann wiederum nicht, was bei aller Liebe zu Visceral´s düsterem Meisterwerk keine ganz so schlechte Nachricht ist. Solarix, entwickelt vom Indie-Studio Pulsetense Games und auf Steam erhältlich, kommt eher über die Stealth- und Explorationschiene und ist weit entfernt von einem blutrünstigem Actionreißer.

Nur kurz zum Hintergrund: Solarix war eine schwere Geburt. Bei kickstarter scheiterte es, warum auch immer, recht deutlich am eigentlich doch sehr bescheidenden Ziel von 10.000 Pfund. Gestoppt wurde die Entwicklung dennoch nicht. Pulsetense Games besteht aus nur sieben Entwicklern und wenn man sich die vergleichsweise geringen Ressourcen vor Augen hält, ist es beachtlich, wie professionell Solarix geraten ist. Trotzdem ist dem Spiel, besonders mit Blick auf das Gameplay, die Distanz zu polierten AAA-Titeln deutlich anzumerken.

Neben den klaustrophobischen Stationspassagen besteht die Spielwelt von Solarix aus größeren Arealen, die ein gewisse Freiheit zulassen.
Neben den klaustrophobischen Stationspassagen besteht die Spielwelt von Solarix aus größeren Arealen, die ein gewisse Freiheit zulassen.

Rein storytechnisch wurde Solarix clever konstruiert: Mal wieder ist da ein Ingenieur mit großem Fragezeichen über dem Kopf unterwegs, der versucht den Geheimnissen böser genetischer Experimente auf den Grund zu gehen und mit den noch fieseren Konsequenzen fertig zu werden. Das ist nicht sonderlich kreativ, dafür aber immerhin unauffällig präsentiert: Wer will, erfährt durch die zahlreichen Audiofiles und lauschigen Ansprachen der unbekannten Dame via Walkie Talkie mehr über die Story und wem das alles schnurz ist, der ignoriert zumindest die Audio Files einfach. Bei mir war es eine Kombination aus beidem, ich musste nicht immer alles wissen.

Diese spielerische Freiheit findet sich in weiten Strecken von Solarix wieder und ist – neben der düsteren Atmopshäre – dessen große Stärke. In den weiten Arealen werden uns zwar diverse lose Ziele vorgegeben,  aber wie wir sie erreichen, ist unser Ding. Beispielsweise macht es Sinn, eine Säge aufzutreiben, um damit einem verstorbenen Ex-Kollegen die Hand abzutrennen und Eintritt in einen gesicherten Bereich zu erhalten. Dass es den Kollegen und die Säge überhaupt gibt, müssen wir aber erst selbst herausfinden. Das gefällt mir. Exploration ist also Pflicht, ein sehr schöne sogar, vor allem wenn man auf diese wunderbar grauen Unreal Engine 3-Spielwelten abfährt, wie ich es auch heutzutage noch mache.

Ein bisschen Story rund um eine abzuhackende Hand...
Ein bisschen Story rund um eine abzuhackende Hand…

Hakelig wird es beim Gameplay. Gut, dass auch hier Solarix dem Spieler die Wahl lässt, ob er sich durch das Spiel schleichen oder ballern mag. Der Stealth-Part gefällt mir besser, wobei die KI leider nicht immer ganz auf der Höhe ist. Yep, Schatten sind gut, sie helfen dem Spieler dabei sich unentdeckt fortzubewegen und geben Hinweise darauf, wo Gefahr im Verzug sein könnte oder eben nicht. Leider gibt es viel zu wenig Spielraum zwischen „unerkannt schleichen“ und „direkt erschossen werden“, was auch aufgrund der teilweise ungünstig gesetzten Speicherpunkte ärgerlich enden kann. Und dieser geringe Spielraum ist dann leider nicht ganz so nachvollziehbar konstruiert: Stehe ich im Schatten direkt neben einem Wachposten, sieht der Blödkopp mich nicht. Das müssen die genetischen Experimente Schuld sein. Dafür ist das Gehör außerordentlich fein und ich kann nur dazu raten, lieber mal eine Sekunde länger über den Boden zu robben als man es sonst machen würde. Das killt an einigen Stellen ganz empfindlich meinen Immersionsfilm.

Lässt man sich auf das teils holprige Gameplay ein, weiß Solarix durchaus zu gefallen. Sofern die düstere Atmosphäre den Geschmack trifft und man nicht zu zart besaitet ist. Solarix im Horrorgenre anzuordnen, so wie es die Entwickler machen, halte ich trotzdem für recht gewagt. Es ist aus meiner Sicht ein dunkles Stealth-Game, an manchen Stellen herausfordernd und durchgehend nie zu simpel oder gar langweilig geraten. Und es gibt dem Spieler einige Freiheiten innerhalb der Grenzen der Story. Wer ballernd durch die fein designten Level hetzen will, bitte schön, der darf das tun, sofern Munition oder Waffe vorhanden sind. Wer sich unerkannt bis in die letzte Ecke schleichen und in die Spielwelt eintauchen mag, sollte dies erst recht machen, denn so sieht meiner Meinung nach die beste Solarix-Erfahrung aus. Trotzdem ahnt man, dass mit größerem Budget noch einiges mehr drin gewesen wäre, was einerseits schade ist, aber nicht den Blick darauf verstellen sollte, dass hier ein ganz kleines Team durchaus saubere Arbeit abgeliefert hat.

Für diese Kritik nutzte ich einen Vorab-Key, den mir Kiss Ltd. als Vermarkter von Solarix freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hat.