Manchmal schaue ich auf meinen Flightstick und bekomme ein schlechtes Gewissen. Da habe ich mir das Ding extra für Elite Dangerous angeschafft und dann fällt mir doch immer wieder besseres ein, als es zu starten. Warum das so ist, wurde mir – zumindest teilweise – nach ein paar Stündchen mit Rebel Galaxy bewusst, dass einiges von dem hat, was die großen und ambitionierteren Geschwister nicht haben. Wo Elite Dangerous einen großen Wert auf Pseudosimulation legt, lässt es Rebel Galaxy krachen. Kommt Elite Dangerous soundtechnisch gediegen orchestral rüber, packt Rebel Galaxy ein mächtiges Gitarrenriff aus. Rock´n Roll, Baby! Ist Elite Dangerous heiliger Ernst, kann ich mir bei Rebel Galaxy ein Lächeln hier und da kaum verkneifen.

Wie auch, denn im Gegensatz zu Elite Dangerous hat Rebel Galaxy nicht nur eine Story, sondern dazu noch eine ziemlich bekloppte, im positiven Sinne. Es gilt in den Weiten des Weltraums das geliebte Tantchen zu finden, das es scheinbar faustdick hinter den Ohren hat. Entlang dieses Roten Fadens spinnen die Entwickler von Double Damage Games (Travis Baldree und Erich Schaefer, beides Veteranen mit großen Verdiensten u.a. bei Diablo und Torchlight) ihre Weltraummär mit vielen kleinen irrwitzigen Geschichten, die recht kurzweilig in eine Sandbox von ordentlichen Ausmaßen gepresst wurden. Wobei der genretypische Beinahe-Realismus sich ganz weit hinten anstellt. Es muss/darf nicht mühsam angedockt werden und der Pilot wird auf den Stationen auch nicht mit ewig verschachtelten Menüs beglückt, sondern kann Haupt- und Nebenaufträge ebenso wie den Handel und Schiffsreparaturen ohne ein speziell abgeschlossenes Studium abschließen und vornehmen.

In den unendlichen Weiten des Weltraums...muss das Tantchen gefunden werden...
In den unendlichen Weiten des Weltraums…muss das Tantchen gefunden werden…

Diese Kompromisse mögen nicht jedem Piloten gefallen. Space Cowboys aber schon eher und hier dürfte sich dann die Spreu vom Weizen trennen. Der typische Elite Dangerous-Freund mag nach einer Stunde Rebel Galaxy kotzen wollen und laut irgendwas von „albernem Casual-Mist“ geifern, während der Borderlands-Fan die Faust ballt und zum Jubelsprung ansetzt. Persönlich tendiere ich zu Letzterem, wären da nicht die hakeligen Dogfights, die mir auf den Zeiger gingen.

Erst einmal wundere ich mich in bestem Sinne darüber, wie gut Rebel Galaxy die Lücke im Genre „abgedrehte Space Rock Operas“ füllt. Natürlich zum einen, weil die Lücke eher einem Loch gleicht und die Konkurrenz mehr als überschaubar ist. Zum anderen aber auch deswegen, weil es mit einer spielerischen Leichtigkeit daherkommt, die erst einmal gekonnt werden muss. Rebel Galaxy hat großartigen Rhythmus und das auf mehreren Ebenen: Die Dialoge sitzen und sind weder zu lang noch zu kurz. Die Flüge von A nach B haben mehr von einem Musikvideo denn von einem Spiel (zu Beginn zumindest, bevor der Gewöhnungseffekt eintritt) und die Missionen selbst sind weder gestreckt noch zu kleine Häppchen. Und dann, während man so locker vor sich hin swingt und mal nachschauen mag, wer da so KI-technisch neben einem fliegt, kommt das böse Erwachen in Form kaum zu besiegender gegnerischer Schiffe. Unabhängig von den Problemen im Dogfight sollte der Spieler Rebel Galaxy nicht unterschätzen und es ernst nehmen. Wer unvorsichtig oder größenwahnsinnig (was wegen den nicht enden wollenden, pushenden Gitarrenriffs mal passieren kann…) meint jedes Schiff in Reichweite belästigen zu können, erlebt schnell sein blaues Wunder und sollte fix das Weite suchen.

Wenn da "Risk High" steht, hat es einen Grund. #neustart
Wenn da „Risk High“ steht, hat es einen Grund. #neustart

Schafft man das nicht, geht es in den beinharten Infight. Wie auch bei den meisten Haupt- und Nebenmissionen, nur sind dort die Kämpfe besser ausbalanciert. Zumindest zu Beginn gibt es nur zwei Möglichkeiten, um einen Dogfight zu bestehen. Man zielt und schießt manuell mit der frontalen Bordkanone, was leider extrem hakelig ist. Oder man benutzt nur die seitlichen Bordkanonen, mit denen aber nicht ansatzweise ordentlich zielen, sondern nur wild und maximal unpräzise herum ballern kann. Da in der Preview-Version die Steuerung nur via Tastatur funktionierte, entwickelten sich gerade die Kämpfe gegen stärkere Schiffe zu einer zähen und unerfreulichen Angelegenheit.

Gegen die Schiffe auf Augenhöhe oder darunter wirkt sich die Steuerung nicht so negativ aus, was nahelegte, trotz aller Freiheiten abseits der Missionen doch eher dem Roten Faden zu folgen. In der endgültigen Fassung von Rebel Galaxy mag das anders ausschauen. Ansonsten bleibt es dem Spieler überlassen, womit er sich die Zeit vertreiben mag. Wer will, schwatzt dem Wirt in der Stationskneipe den einen oder anderen Hinweis ab und handelt was das Zeug hält um das Schiff upzugraden oder sich direkt ein neues zuzulegen. Die Nebenmissionen sind in der Masse ebenso recht ertragreich und mir scheint, dass sie zwecks Kauf von stärkeren Kanonen und Schilden in höherer Zahl erledigt werden sollten.

Auf dem Weg zur Basis in Rebel Galaxy.
Auf dem Weg zur Basis in Rebel Galaxy.

Bei den Missionen sticht Rebel Galaxy nicht unbedingt weit aus der Masse heraus. Es gibt Bergungsaufträge, Patrouillen und natürlich müssen wir Schiffe von A nach B begleiten und Waren von C nach D bringen. Das ist soweit ok, aber mit Blick auf die unterhaltsame Suche nach Tante Juno und das rockige Drumherum doch eher vernachlässigenswert.

Technisch und künstlerisch reißt Rebel Galaxy keine Bäume aus, muss sich aber vor einem X Rebirth sicherlich nicht verstecken. Viel wichtiger: Es passt alles zusammen, von der Story über den Sound bis zur Optik. Rebel Galaxy ist mehr Western als Weltraumsimulation, mehr Firefly als Star Wars und mehr Rock als opulente Klassik. Das muss nicht jeder mögen und es bleibt noch ein wenig abzuwarten, wie sich Rebel Galaxy auf langer Strecke schlägt, denn leider war mir nicht bewusst, dass mein Key „nur“ ein zeitlich begrenzter Key war. Hätte ich das gewusst, hätte ich liebend gerne noch ein paar Stündchen mehr in Rebel Galaxy versenkt.

Wie in den letzten Sätzen schon mehr als angedeutet, wurde mir ein Steam-Key für die Preview-Version von Rebel Galaxy von Plan of Attack zur Verfügung gestellt.