Es ist doch immer wieder schön die Wahl zu haben. Zum Beispiel bei den Clients. GOG Galaxy gesellte sich bei mir zu Steam, Origin und Uplay und ist – wenn auch in seinen Funktionen noch arg beschränkt – keine unsympathische Alternative zu den Platzhirschen. Mit Invisible Inc. und The Witcher 3 nutze ich GOG Galaxy momentan regelmäßig und sehe keinen Grund mich zu beschweren. Was ebenso für die beiden genannten Spiele gilt, aber beim Witcher 3 so gar nicht für das Drumherum. Die PR-Offensive erreichte für mich persönlich ein unerträgliches Maß und das besonders bei GameStar. Shame on you, du altes Spielemagazin, das mal Klasse hatte! Wirklich jeder noch so dümmste und an den Haaren herbeigezogene Kackmist wurde ganz schlecht verwurstelt, wie zum Beispiel der unsägliche „The Witcher 3 Psychotest: Taugen Sie zum Hexer?“ oder die extrem auffällig-unauffällig tittenheischende, so genannte  Videoanalyse (!) zum Thema: „Sex, Gewalt – Anspruch: Wie erwachsen ist Witcher 3 wirklich?„. Die Antwort: Jedenfalls erwachsener als die sich derart billig verhökernde GameStar.

Und sonst, wie schlägt sich der Hexer? Ganz ordentlich finde ich, immerhin. Mit der Optik komme ich nur halbwegs klar, mir ähnelt The Witcher 3 stilistisch – wie auch Dragon Age: Inquisition – zu sehr einem MMO. So bunt und so hakelig. Davon mal abgesehen scheint es nicht viel falsch zu machen, glaube ich, wobei meine acht Stunden Spielzeit gerade mal reichten, um das Tutorial-Gebiet zu verlassen. Mehr dazu also später. Und nicht nur zum Hexer. Eigentlich wollte ich noch im Mai eine Kritik zu Project Cars schreiben. Stattdessen wunderte ich mich über die Reviews, die im Mai dazu erschienen sind. Viel zu früh, meiner Meinung nach. Dazu komme ich gleich noch ausführlicher, aber für mich ist das Mammutprojekt unter den Mammutprojekten erst einmal ein kleines Wunder. Vergessen wir mal nicht, dass Project Cars ein Indie-Titel ist, der von hinten bis vorne ordentlich durchgecrowdfundet wurde. Großer Respekt für das epische Werk, das Slightly Mad auf die Beine gestellt hat, keine Frage! Wenig Anerkennung spende ich dafür Eurogamer & Co., die mir übrigens allesamt im Mai mächtig auf den Zeiger gingen, auch aus anderen Gründen (irrelevanteste Downgrade-„Debatte“ aller Zeiten usw.). Zurück zum Thema: Da es in Project Cars wenig bis nichts zum Freischalten gibt und jeder Modus dem Spieler prinzipiell offen steht, müssten eigentlich, ja eigentlich, alle verschiedenen Rennklassen für eine gute (sinnvolle!) Kritik mal ausprobiert und angesprochen worden sein. Wurden sie aber nicht, außer im Geheimen, vielleicht. Mir soll keiner erzählen, dass es qualitativ keinen Unterschied macht, ob man eine schöne Formula A-Karre oder ein hakeliges Kart-Dingens fährt. Da tun sich kleine, qualitative Abgründe in Project Cars auf! Der Multiplayer ist dagegen ein laufendes Projekt und mich wundert es, wie abschließend der Onlinepart in so genannten Kritiken bewertet wurde, obwohl Project Cars zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal erschienen ist!

Gäbe es via GOG Galaxy die Möglichkeit schöne Screenshots zu schießen, wäre hier einer zu finden. So reicht´s nur zum aufgehübschten PR-Werk.
Gäbe es via GOG Galaxy die Möglichkeit schöne Screenshots zu schießen, wäre hier einer zu finden. So reicht´s nur zum aufgehübschten PR-Werk.

Nichts freischalten zu können bzw. müssen, ist bei Project Cars Fluch und Segen zugleich. Ist ja schön, sich direkt ins Getümmel nach Wahl stürzen zu können – nur motiviert es natürlich (zumindest mich), mir etwas verdienen zu dürfen (abseits der Einladungsrennen). Nur begrüßen kann ich die Möglichkeiten an wirklich allem herumschrauben zu können und damit ist nicht mal das Auto gemeint. Schwierigkeitsgrad, Optik, HUD, Kamera usw., alles ist offen und da ich Project Cars auf der PlayStation 4 spiele, kommt diesbezüglich ein anheimelndes PC-Feeling auf. Beim Multiplayer jedoch bin ich ganz eindeutig in der Konsolenhölle gelandet. Es sind zu viele Karambolage-Prolls und zu wenig ernsthafte Fahrer unterwegs. Daher werde ich mir, wenn es günstig zu erstehen ist, bald Project Cars inklusive einem schönen Lenkrad für den PC anschaffen.

Nach dem Witcher als opulenten Open World-Spiel und Project Cars als riesigen Wünsch-Dir-Was-Rennspiel genoss ich es förmlich mal wieder ein sauber durchkomponiertes Schlauchlevel-Abenteuer zu bestehen. The Order 1886 ist aus meiner Sicht ein famoses Spiel geworden, bei dem man sich ganz frei von all dem unsinnigen Quatsch machen sollte, über den die supidupiseriöse Power-Spielepresse zum Release schrieb. Die Story ist gut erzählt, das Spiel ist eine Augenweide, technisch ist es perfekt, das Setting ist atemberaubend und die Spielmechanik kommt überaus solide daher. Außerdem dürfte es keine Minute länger sein und auch diesbezüglich ähnelt es – auf seine Weise – dem guten Uncharted-Franchise ein wenig. Abwechslungsreicher als The Order 1886 ist Uncharted nie gewesen. Ich mag es, wenn Spiele so lange dauern, wie sie dauern sollten.

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Zeppeline und Nazi-Zombies, juhu!

Gleiches gilt für Wolfenstein: The Old Blood, das als Old School-Shooter eine fantastisch gute Figur macht, wie ich schon drüben bei polyneux ausführlicher beschrieb. All die moderneren Titel dürfen sich gerne von The Old Blood die eine oder andere Scheibe abschneiden, was beispielsweise den Rhythmus von gescripteten zu ungescripteten Passagen oder das Leveldesign betrifft. Und mal ganz abgesehen vom ironisch-deutschtümelnden Humor, der sowas von sitzt und immer wieder für einen kleinen Lachanfall gut ist. Gefühlt habe ich Wolfenstein in einem Rutsch durchgespielt, was auch daran liegt, dass es eine perfekte Länge hat. Shooter müssen nicht über acht Spielstunden andauern – sofern sich nicht ab Stunde Neun im Vergleich zu Stunde Zwei etwas relevant Neues tut (was in der Regel nicht der Fall ist).

Große Freude hatte ich noch an zwei Indie-Titeln. Bei Rebel Galaxy verfügte ich leider nur über einen zeitexklusiven Key, was bedeutete, dass ich viel früher Feierabend machen musste, als ich es gerne getan hätte. Die spacig-rockige Suche nach dem Tantchen Juno könnte ein ganz eigenes Subgenre begründen, wenn es die hohe Qualität hält – etwa so, wie es Borderlands im Shootergenre gelang. Allerdings müsste Rebel Galaxy bei der Steuerung noch ein wenig geschmeidiger werden, denn so ganz ohne befriedigende Dogfights wird es nichts geben mit der Weltherrschaft. In Kürze wird es von meiner Seite aus mehr zu Invisible Inc. zu lesen geben, das momentan meine allerliebste Dorfschönheit ist. Klei Entertainment ist immer für Qualität gut und mit Invisible Inc. ist ihnen ein sauschwerer Stealth-Rundenstrategie-Titel der allerhöchsten Güte gelungen. Drunter mache ich es nicht mit dem Jubel!

Auf dem Weg zur Basis in Rebel Galaxy.
Auf der spacigen Suche nach Tantchen Juno.

Eigentlich war der Mai ein guter Monat. Mit Blick auf die Spiele und um die geht es ja, nicht wahr? Ansonsten werde ich einen noch größeren Abstand zur so genannten Spielepresse mit ihren aufgetakelten Pseudo-News nehmen und ebenso bei twitter öfters eine Pause einlegen. Diesen aufgeblasenen Moral- und Ethikdebatten zu folgen, auch nur ansatzweise, hat langsam etwas masochistisches.

Und nun zum Juni. DayZ habe ich doch leider kaum spielen können, hoffe aber, das ändern zu können. Project Cars bleibt ein Dauerprojekt und es dürfte wohl mein großes Bloodborne-Comeback anstehen. Langsam juckt es wieder. Erscheint Batman nicht auch diesen Monat? Die nächsten Episoden von Life is Strange und Game of Thrones sind es schon und Borderlands dürfte folgen. Einiges an Stoff is incoming!