Warum Far Cry 3 das bessere Assassin´s Creed 3 ist? Weil es alles besser macht, was Assassin´s Creed 3 versucht gut zu machen. Es ist die aufregendere Sandbox, ein echtes Open World-Erlebnis, es ist vielfältiger, hat eine direktere Steuerung und ist viel, viel schöner. Auf den ersten Blick mag es wenig Sinn machen Assassin´s Creed 3 mit Far Cry 3 zu vergleichen, denn sie spielen in verschiedenen Epochen, das eine ist ein Shooter und das andere nicht und bei dem einen klettert man weniger bis gar nicht und beim anderen hüpft und springt man von Dach zu Dach. Trotzdem: Far Cry 3, ebenso wie Assassin´s Creed 3 aus dem Hause Ubisoft, leiht/klaut sich einige Gameplay-Elemente, wie etwa Freischaltungen von Kartenabschnitten, wenn ein Turm bestiegen wurde (bei Far Cry 3 sind es Funktürme) oder die Anzeige, wenn man sich an einen Gegner anschleicht. Mit den Tot-Aufgaben gibt es dieses Mal in Far Cry 3 sogar echte Assassinen-Attentatsmissionen. Überraschender Weise stehen die Assassin´s Creed-Anleihen Far Cry 3 sehr gut, der Mix aus den verschiedenen Missionsarten wirkt sogar weitaus runder als bei Connor, Ezio und Co.

Da ich die bislang gar nicht mal so übel inszenierte Story noch nicht ganz vollendet habe und sie daher erst im zweiten Teil der Review bespreche, geht es erst einmal um das Gameplay und die Missionen. Und die Inselwelt. Schon Far Cry und Crysis begeisterten mich mit dem Inselsetting, von Panau aus Just Cause 2 mal ganz zu schweigen. Letzteres bleibt weiterhin unerreicht, denn die grenzenlose Freiheit aus Just Cause 2 bietet Far Cry 3 nicht, kommt aber knapp ran und heimst dafür immerhin den Schönheitspreis ein. Inmitten dieser wunderbaren tropischen Inselwelt müssen wir uns als Jason, einem (leider mal wieder erst) recht dümmlichen Partyidioten und Hobbydraufgänger mit verrückten Gangstern herumschlagen und unsere Freunde befreien. Zugegebener Maßen ist die Far Cry 3-Story eher schlicht, wurde aber spannend in abwechslungsreichen Missionen umgesetzt – was man zum Beispiel von Assassin´s Creed 3 nicht uneingeschränkt behaupten kann. Redundant wird es abseits der Hauptmissionen, aber da die Vegetation sehr lebendig ist (Tiere fressen euch) und auch Gangster hier und da unsere Wege kreuzen, empfand ich das Drumherum nicht als statisch.

In Far Cry 3 darf man ruhig auch für Tiere bremsen. Wer will, kann sie auch jagen und häuten.

Schwer macht es uns Far Cry 3 mit kaum nachvollziehbaren Sammelmissionen. Schweine zu häuten um einen größeren Rucksack zu basteln, nervte ebenso wie das Pflänzchensammeln, um verschiedene Spritzen herzustellen. Für meinen Geschmack wandert man gerade zu Beginn viel zu lang in der Botanik umher. Aber die sieht wenigstens verdammt gut aus und ein Hauch von Gefahr schwebt immer über uns, sei es durch tollwütige Hunde oder andere aggressive Viecher, die es auf uns abgesehen haben. Wenn man also gerade mal nicht eine grüne Pflanze für einen Heiltrank sucht, können wir in Far Cry 3 Außenposten übernehmen, auf dem Pfad des Jägers wandeln, Ladungen übergeben (was eher unspektakulär ist), so genannte Tot-Aufgaben erledigen und Verschollene Expeditionen suchen (was sehr spektakulär ist).

Die Außenposten erinnern natürlich an Far Cry 2, was ein gutes Spiel war, aber gerade bei den dauerrespawnenden Gegner für Frust sorgte. Für beide Far Cry-Teile gilt: Das Waffenhandling ist perfekt, es gibt direkte Rückmeldungen und eine vernünftige KI. In Far Cry 3 werden die Außenposten aber dauerhaft eingenommen. Wie man das anstellt, bleibt unsere Sache. Entweder geht man frontal mit Sturmgewehr oder Schrotflinte rein ins Vergnügen, tötet als Sniper im Geheimen oder schleicht sich heran. Der lautlose Takedown genannten Angriff mit dem Messer bringt zusätzliche XP, die wiederum neue Fähigkeiten im überschaubaren Fähigkeitenbaum freischaltet. Das man Gegner markieren und anschließend ihre Bewegungen nachverfolgen kann, ist eine wertvolle Hilfe für die anspruchsvollen Takedown-Manöver, die mir am meisten Spaß machten. Aber natürlich kann man es auch beim ballern belassen.

Nee, das ist nicht aus Lost. Aber das die Far Cry 3-Entwickler sich davon inspirieren ließen, ist unverkennbar.

Der Pfad des Jägers ist eine von Einheimischen gestellte Jadgaufgabe. Ab einem zuvor definierten Startpunkt müssen wir mit einer bestimmten Waffe, etwa einer Schrotflinte, ein Rudel tollwütiger Hunde und andere Tiere erlegen. Da man eh ziemlich viel durch Gebüsch hechelt, wirken diese Aufgaben eher überflüssig, stören aber auch nicht. Immerhin kommt man so an Häute und Felle. Zusätzlich gibt es noch Herausforderungen der Einheimischen und auch die Rennen. Ja, genau, Rennen.

Die gab es auch in Just Cause 2 und ebenso wie in meinem Open World-Liebling wirken sie auch in Far Cry 3 ziemlich angeklatscht. Aber: Ebenso wie in Just Cause 2 oder auch in Sleeping Dogs sind die Streckenführungen gut ausgeklügelt und besonders in der Nacht versprühen die Rennen eine Atmosphäre, die ich nicht missen möchte. Davon mal abgesehen sind die Steuerung und das Handling der Fahrzeuge in Far Cry 3 aller Ehren wert und können mit jedem Rallyspiel locker mithalten. Es gibt vom Training aufwärts verschiedene Schwierigkeitsstufen und wenn man siegreich war bzw. innerhalb der vorgegebenen Zeit das Ziel erreichte, dann erhalten wir üppige Geldbeträge, die in den Shops oder den eroberten Außenposten in Waffen, Munition oder andere Gegenstände investiert werden können.

Die Far Cry 3 Map. Neben den großen Singleplayer-Inseln gibt es eine eigene für den Multiplayer und den Co-op.

Richtig gut gefielen mir die Verschollenen Expeditionen und die Tot-Aufgaben in FarCcry 3. Die Verschollenen Expeditionen sind – ähnlich wie bei den zweiten Assassin´s Creed-Teilen – optionale, lineare Abenteuer, bei denen man unter Zeitdruck und oftmals auch unter Beschuss eine Art Parcours meistern muss. Das kann durchaus herausfordernd sein und hier zeigt Ubisoft einmal mehr, dass es nicht nur Open World kann, sondern auch etwas von abwechslungsreichen, sehr schön gestalteten und designten linearen Missionen versteht. Die Tot-Aufgaben ähneln eher den Außenposten-Eroberungen, nur müssen wir das Ziel – aufgrund einer nicht näher erläuterten Einheimischen-Tradition – mit einem Takedown niederstrecken, was wiederum ein strategisches Vorgehen erfordert.

Natürlich erfindet Ubisoft mit Far Cry 3 nicht das Rad neu, aber macht so ziemlich alles richtig, was richtig zu machen ist. Wer nach dem hart kritisierten Far Cry 2 schon wieder Messer wetzte, kann es wegstecken und den PC oder die PS 3 bzw. Xbox 360 starten und viel Spaß mit Far Cry 3 haben. Wobei: Optisch wirkt die PC-Version in hohen Einstellungen eine Hardware-Generation weiter als auf den Konsolen. Dafür gab es auf dem PC ein paar Abstürze, die aufgrund des unkomfortablen Speichersystems ärgerlich waren. Dennoch: Vielleicht kann man sich in Far Cry 3 nicht so austoben wie in Just Cause 2, erhält dafür aber eine wahre Schönheit, die mit einem grandiosen Mix aus Open World-Feeling, großartig designten Missionen und einer hervorragend inszenierten Story aufwartet. Letzteres gerät im abschließenden Far Cry 3-Review noch mal genauer in den Blickpunkt – aber erst nachdem der Multiplayer seziert wurde.

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