Schaut man auf die negativen Kritiken, die die Battlefield 4 Kampagne einheimste, könnte man glauben, den größten, ´tschuldigung, Scheiß aller Zeiten zu spielen. „Schwächste Kampagne der letzten Shooter-Jahre“ (4players) oder „Solokampagne, die uns offenbar für blöd hält“ (GameStar) undsoweiterundsofort. Immerhin verpackt eurogamer.de seine bitterböse Kritik in ein amüsant zu lesendes und stimmiges Review. Natürlich strotzt die Battlefield 4 Kampagne nur so vor Klischees und bietet einen Mix aus dem immergleichen Gähn-Standard-Shooter-Baukasten. So ist das halt bei den Mainstream-Shootern und ich wundere mich stark darüber, warum gerade Battlefield 4 nun die dicke Packung abbekommt. Scheint wohl so, als hätten viele Redakteure und Kritiker massivste Innovationen erwartet (wohl wegen einem oder zwei Trailern im Vorfeld?! Echt jetzt?). Ist ja berechtigt, wo uns schon Call of Duty Jahr um Jahr mit einem wahren Feuerwerk an Ideen und Pullitzer-Preis-verdächtigen Storys begeistert und ganz tief berührt. Es ist wohl wirklich an der Zeit für ein leidenschaftliches Plädoyer für den technischen Fortschritt im Bombast-08/15-Shooter bei gnadenloser Stagnation in Sachen Story, Charakterbildung, Ethik/Moral, KI und in allem, was sonst noch Spiele ausmacht. Gute Spiele, wohlgemerkt.

Fangen wir ganz oberflächlich an und schauen uns mal den Lack an. Der glänzt nämlich, zumindest auf dem PC und hier gilt die Regel: Umso besser der Gaming PC ausgestattet ist, desto eindrucksvoller ist die Battlefield 4 Kampagne zu spielen, weil der Lack in einigen Passagen enormen Einfluss auf das Gameplay hat. Ganz allgemein kommt die Optik in den Kritiken viel zu kurz. Battlefield 4 sieht wirklich sehr gut aus. DICE veranstaltet ein unfassbar mächtiges Feuerwerk an Effekten, womit ich gar nicht mal so sehr die Explosionen und das ganze Krawumms meine, sondern das Licht und die Wellen. Noch nie sah Meer so gut aus und fühlte sich so unmittelbar echt und brachial an, wie in den Momenten, wenn wir im kleinen Boot durch den schweren Sturm schippern. Das darf man auch mal genießen. Und das DICE das Thema „Tageslicht“ und „Lichteffekte“ durch Brillianz neu definiert, darf ebenso erwähnt werden. Stellt euch in der beginnenden Abendsonne an die Reling (in der Passage, in der wir Irish suchen) und schaut in die Sonne. Das ist Kunst. Und Grund genug, mal innezuhalten, als nur die Kampagne durchzuhetzen.

battlefield 4 kampagneWer ist Irish? Interessiert das jemanden? Bei dieser Aussicht? Schöner ist es doch, hier an der Reling noch ein wenig nutzlos herumzustehen und die Atmosphäre zu genießen. Aber: Mit Blick auf den Horizont sehen wir, dass ein Sturm aufzieht und das Geballer gleich losgeht.

Es gibt auch in Shanghai eindrucksvolle Szenen, allerdings war ich aufgrund der oft gespielten Multiplayer-Map schon ein wenig abgestumpft. Shanghai ist großartig inszeniert, DICE paart die Mega City-Metropolen-Skyline mit einem knackigen Taifun, was die Battlefield 4 Kampagne weder klüger noch gameplay-technisch innovativer macht, aber für eine atmosphärisch dichte Passage sorgt. Das ist was wert, meiner Meinung nach. Bei mir geht das direkt und geradewegs auf die Immersion. Schade nur, dass DICE sich viel zu oft und dabei noch zu lange am entgegensetzte Pol der Optik bewegt. Die langen Korridore auf den Schiffen sehen nicht nur hässlich aus, sondern sind aufgrund ihres Lagerhallen-Charmes extrem langweilig zu spielen.

Ja, genau, Partikel sind die Stärken der Battlefield 4-Kampagne

Bei aller Schönheit und Brillianz des Effektfeuerwerks sollte man nicht ihren Nutzen unter die Tastatur kehren. In den Ultra-Einstellungen, beispielsweise wenn wir uns etwa auf dem Weg zum Flugfeld in Shanghai durchkämpfen, müssen wir uns durch einige besonders neblige Ecken und dampfende Schlachtfelder wuseln – mit der Konsequenz, dass uns verdammt oft die Sicht getrübt wird. Eigentlich ist die Battlefield 4 Kampagne vom Schwierigkeitsgrad her nicht fordernd, aber in diesen Momenten, wenn DICE seine Muskeln spielen lässt (und der PC mitmacht), wird es mal kniffliger.

battlefield 4 kampagne 1Naaa, und wo ist der Gegner? Selten gefiel es mir so gut, nichts zu sehen.

Und nun zum großen Pro-Rätsel: Wer erkennt den Herren, der da im Boot mit der Waffe im Anschlag kauert? Ja, das ist Irish, dafür gibt es einen Punkt. 5 Punkte gibt es, wenn jemand bemerkt, dass sozusagen als Modell für Irish der großartige Schauspieler Michael K. Williams Pate steht, der u.a. als Omar Little in The Wire ebenso brillierte wie er aktuell als Schnapshändler Chalky White in Boardwalk Empire eine verdammt gute Leistung abliefert. Und, liebe gnadenlose Kritiker, der von ihm verkörperte Irish als quasi-moralische Instanz im Spiel ist gar nicht mal soooo schrecklich eindimensional konzipiert, zumindest für einen Standard-Shooter. Die Moralfrage wird durch Irish immerhin angerissen, was die peinlich-patriotischen Einlagen der lieben Vorgesetzten eigentlich ganz ordentlich abfedert. Rein von der Motorik und Gestik her wirken Irish & Co recht authentisch und berühren immerhin die Standards, die Rockstar mit L.A. Noire setzte. Auf diesem Niveau macht es wirklich Sinn, einige Charakter mit überdurchschnittlichen Schauspielern zu „besetzen“. Es müssen nicht unbedingt Charakterrollen sein, es langt auch meiner Meinung nach, wenn dadurch die Glaubwürdigkeit eines Spiels (Immersion, Immersion!) gestärkt wird.

battlefield 4 kampagne 2

Windig ist es in Shanghai…

Thema Glaubwürdigkeit. Gut, die Battlefield 4 Kampagne ist – mit realistischem Blick betrachtet – natürlich alles anders als annähernd glaubwürdig. Sie ist wirr, frönt mit den Chinesen ein seltsames Feindbild, ist inhaltlich unstimmig und amateurhaft erzählt. Das ärgert mich aber nicht und das auch nur aufgrund meiner durch Erfahrung gestählten niedrigen Erwartung bezüglich intelligenterer Spielelemente in Mainstream-Shootern. Mich nervten vor allem die eigenen Kameraden. Ist ja schön – wie oben erwähnt- wenn Michael K. Williams den Irish spielt, wenn der mich aber durchweg in engen Schlauchpassagen aus der Deckung und ins Verderben kickt, werde ich sauer. Das gleiche gilt für Pac und wer sonst noch so „aktiv“ an meiner Seite kämpft. Überhaupt die Namen! Pac, Irish. Warum klingen die eigentlich alle so gleich? Warum gibt es in der Battlefield 4 Kampagne keinen Prophet? Macht nicht immer in einem Militärshooter ein Prophet mit? Egal. Denn um all das geht es nicht bei einem Shooter mit der Battlefield-Kragenweite. Es geht um technische Brillianz und Unterhaltung. Um mehr nicht und wer sich nicht unterhalten fühlt, spielt halt was anderes. Sowas wie die Battlefield 4 Kampagne gebe ich mir auch nur alle paar Monate und stornierte schon mal vorsorglich Killzone Shadow Dingens für die PlayStation 4, weil ich gerade mit der Art Spiel wieder durch bin, aber es ändert nichts daran, dass es ein großartiges Blockbuster-Kino-Spiel ist. Von Michael Mann erwartet man schließlich auch keine geschliffenen Dialoge. Dafür schaut man sich andere Filme an und es gibt erfreulicher Weise so viele kluge, interessante und innovative Spiele derzeit, die in vielerlei Hinsicht Battlefield 4 massiv überlegen sind – aber weder technisch noch in Sachen oberflächlicher Spielspaß gegen diesen Shooter heranreichen können.