Die größte unbekannte Nische im Videospiel-Deutschland dürfte der Football Manager sein. Es ist eine Schande. Auf höchstem Niveau nähern sich Sports Interactive und Publisher Sega mit ihrer FM-Serie nun schon seit Jahren der eierlegenden Fußballmanager-Simulations-Milchsau an und selbstverständlich bietet schon die FM 15 Beta wieder ein Spiel höchster Kompetenz und Balance – aber irgendwie zündet bei uns Weltmeistern der Weltmeister im Videospiel-Fußball nicht. Zum einen natürlich, weil sich EA auch nach Ende ihres Fußballmanagers verzweifelt an die Rechte klammert und der FM 15 nur als Import erhältlich ist. Zum anderen erschwert die Sprachbarriere die Geschichte, zumindest erst einmal, denn die treue deutsche Fanbasis übersetzt die englischen Texte mit der Zeit ins deutsche. Und drittens, muss ich befürchten, spielen die Deutschen lieber Fußball als sich damit zu beschäftigen. Letzteres muss man nämlich, dafür ist er da, der Football Manager und in dieser zu erahnenden Komplexität glänzt mal wieder die FM 15 Beta.

Wobei Beta relativ ist. Die FM 15 Beta ist eher eine Art vorgezogener Release. Bugs und Probleme treten derart vereinzelt auf, dass sie kaum zu bemerken sind. Hier und da fehlt ein wenig der Feinschliff. Zu erwarten ist es, leider, beim 3D-Modus und so kam es auch. Aber mal der Reihe nach: In seinen Grundfesten bleibt sich der Football Manager treu, was bedeutet, dass wir als Spieler dem britischen Manager-Modell folgen, also Herrscher über das Team und die Wahl der Spieler bei Transfers sind, wobei letzteres relativ ist, denn was die Finanzen betrifft, haben wir mal so gar nichts zu melden. Im seligen EA-Manager waren wir Coach und gefühlter Präsident in einem, da konnten wir zwischenzeitlich sogar die Preise für die Bratwürste am Stadion festlegen. So läuft das beim Football Manager nicht. Hier geht es um Strategie und Taktik und zwar kurz-, mittel- und langfristig. Auch die FM 15 Beta ist eine Frickelei sondergleichen, aber so muss es sein auf diesem hohen Niveau. Wer den Guardiola raushängen lassen mag oder es besser weiß als Kloppo, kann dies mit realistischen Feedback genau so ausprobieren. Wunderbar. Auch wenn es schief geht.

Moderner ist das UI, aber in der Tiefe nur bedingt übersichtlicher.
Moderner ist das UI, aber in der Tiefe nur bedingt übersichtlicher.

Was auf den ersten Blick auffällt: Das UI kommt langsam in der Moderne an. Im Vergleich zum staubigen FM 13 wirkt das User Interface der FM 15 beinahe futuristisch, hat aber einen Makel. Es ist unübersichtlicher als das des Football Manager 14. Besonders im Detail erscheinen mehr Fragezeichen als nötig, denn ein Spiel, dass kleinste Details zum Credo erhebt, sollte diese nicht verstecken. Sich beispielsweise über die Trainingsfortschritte seiner Spieler zu informieren, kostet jetzt den einen oder anderen Click mehr. Aber, es lebe die FM 15 Beta, weiß man erst einmal wo der Hase begraben liegt, dann finden sich plötzlich einige neue Möglichkeiten um in der Tiefe wieder an neuen Stellschrauben zu drehen.

FM 15 Beta: El Dorado für den Taktikfuchs

Obwohl ich den 3D-Modus bevorzuge, verbringe ich dort nicht die meiste Zeit. Sondern im Taktik-Menü. Das ist übrigens ebenso für meinen Geschmack unübersichtlicher geworden, auch wenn es schicker aussieht – aber eben nicht ganz so funktional ist, vor allem im Mikromanagement, wenn man bei großen Kadern Spieler von der Bank auf die Tribüne und zurück verfrachten will. Das ist aber Beiwerk, denn was die FM 15 Beta an taktischen Möglichkeiten bietet, sucht seinesgleichen. Drei Grundformationen stehen zur Verfügung, die nach Vorschlag, Muster oder frei erst einmal ausgewählt und dann mit Leben gefüllt werden. Ein 4231 kann offensiv wie defensiv gespielt werden und auch hier gibt es die verschiedensten Möglichkeiten über die „Instructions“ dem Team Anweisungen zu geben, wie es zu spielen hat. Und dann geht es richtig ins Detail: Jede Position auf dem Spielfeld kann mit gefühlt unendlich vielen Rollen gefüllt werden, die dann noch unterschiedlich eingestellt werden. Beispiel: Der Innenverteidiger kann ebenso eine Art hochdefensiven Stopper alter Prägung spielen wie den spielerischen und auf Pressing bedachten modernen Verteidiger.

Das Taktikmenü: DER Spielplatz bei der FM 15 Beta. (Anmerkung: Yep, ich habe Podolski zum BVB geholt.)

Bei den Rollen hat sich wieder einiges getan. Auch fragwürdiges: Die offensiven Außen können nun als so genannte „Raumdeuter“ agieren. Interessant, dass sich SI versucht auf etwas typisch deutsches zu berufen. Davon mal abgesehen, dass die Begrifflichkeit den internationalen Freunden ebenso neu ist wie den meisten hiesigen Fans, ist der Raumdeuter für mich persönlich eher unattraktiv. Relativ passiv sucht er nach Lücken und versucht dann das zu machen, was bei den individuellen Instructions schon seit jeher „Move into Channels“ hieß. Nix für mich. Reus, Aubameyang, Kuba und Podolski (!) spielen bei mir Winger und das natürlich offensiv.

FM 15 Beta: Der Wurm steckt im 3D-Modus

Viele Worte brauchen wir über die Anmutung des 3D-Modus nicht zu verlieren: Modern und zeitgemäß ist er immer noch nicht. Immerhin werden die Atmosphäre und ein paar Emotionen von den Rängen halbwegs ordentlich transportiert. Aber, und hier bewegen wir uns (hoffentlich!) auf klassischen Beta-Parkett, es läuft mit dem 3D-Modus noch nicht so prall. Erst einmal spielen schlechte Spieler immer schlecht, auch wenn noch schlechtere im Gegnerteam sind. Leider geht den guten Spielern die individuelle Note noch ab. Jede taktische Minianweisung konnte im 3D-Modus des FM 14 halbwegs ordentlich nachvollzogen werden, was schon eine Meisterleistung ist. Hier hakt es noch. Reus oder Podolski identifiziert man weniger auf dem Platz als an der Haarfarbe. Einige Angriffszüge wirken steril, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass die kreativen Spieler im Mittelfeld noch nicht so ganz ihre Fähigkeiten ausspielen können. Traumpässe oder wenigstens ordentliche Pässe in den Raum gibt es viel zu selten.

Auffem Acker.
Auffem Acker.

Ein paar Bugs plagen den 3D-Modus leider auch noch. Ist aber die FM 15 Beta und daher erlaubt. Wie wir SI kennen, dürften die zum Release oder kurz danach gefixt sein. Beispiel: Verteidiger und defensive Mittelfeldspieler sind Hasenfüße, die viel zu oft den Pass zum Torhüter spielen. Eigentlich versuchen sie es nur und das meist vergeblich. Das Ergebnis sind viel zu viele unnötige Unsinns-Ecken gegen das eigene Team. Flanken sind auch noch nicht gut ausbalanciert und Dribblings ebenso. Dafür spendierte SI dem 3D-Modus einige neue Animationen, was dem Ganzen einen modernen Schliff gibt. Davon profitieren besonders die Torhüter. Trotzdem: Es ist und bleibt faszinierend, wie unmittelbar schon die FM 15 Beta all das direkt und frontal auf den Platz transportiert, was der Manager in den x-Taktiktafeln sich so feines ausgedacht hat. Und natürlich gibt es noch dutzende Möglichkeiten im Spiel selbst an den nötigen Stellschrauben zu drehen. Neu ist hier zum Beispiel das motivierende (oder animierende bis besserwisscherische) Rumgehampel und (stumme) Reingebrülle von der Coaching-Zone aus. Hier bin ich mir noch nicht ganz so sicher, wie gut bzw. ob überhaupt diese Ansprachen tatsächlich eine Wirkung haben, das muss ich noch ein wenig beobachten.

Die FM 15 Beta sollten sich alle, wirklich ALLE, anschauen, die sich sich gerne mit Fußball beschäftigen. Oder es nicht tun, aber trotzdem meinen, dass sie Trainer-Gottheiten sind. Viel Zeit und Muße muss hier investiert werden, aber es lohnt sich. Versprochen. Zu erhalten ist der FM 15 nur als Import, leider, zum Beispiel hier über amazon.co.uk oder bei diversen Keysellern wie etwa fast2play.