Leviathan, der zweite große Singleplayer-DLC für Mass Effect 3, ist ein hervorragende Mission und wäre – integriert in das Hauptspiel – mit Sicherheit eine der besten Missionen des letzten Mass Effect-Teils gewesen. Ein Abenteuer, von dem das komplette Mass Effect 3-Spiel hätte profitieren können. Sofern die Entwicklung der gesamten Serie vom Rollenspiel hin zum actionlastigeren Third Person-Shooter nicht auf komplette Ablehnung trifft, bleibt dem Freund der Serie kaum was anderes übrig als zu applaudieren. Denn Leviathan verdichtet die Stärken von Entwickler Bioware – von den Dialogen über die Story bis hin zum spannenden Setting – zu rund zweieinhalb Stunden feinstem Mass Effect-Gameplay. Trotzdem senke ich den Daumen – und zwar aus prinzipiellen Gründen und weil ich Mass Effect ernst nehme. Denn: Die Geschichte – zumindest die von Commander Shepard – ist zu Ende erzählt. Es gibt also keinen Grund, die Story zurückzuspulen, um eine weiteres Abenteuer einzufügen, das nicht im mindesten die weitere Entwicklung bzw. das Finale verändert. Wie spannend kann es sein, noch einmal (!) als Commander Shepard die Truppen um sich zu scharen für eine Schlacht, die man vor einigen Monaten schon geschlagen hat?

Gar nicht spannend, natürlich. Aus dem Kontext der Geschichte heraus ist daher Leviathan überflüssig wie ein Kropf. Trotzdem lohnt es sich den DLC zu spielen. Um sich ein bisschen aufzuregen, um nostalgisch mal wieder mit Commander Shepard den Weltraum unsicher zu machen und um eine für sich hervorragende Mission zu spielen. Zeitlich ist die Story in der Periode angesiedelt, in der der Kampf gegen die Reaper mehr als auf der Kippe steht und Shepard verzweifelt nach Verbündeten sucht. Und wie der Zufall es so will, stieß ein Wissenschaftler auf die Spur eines Wesen, dass in der Vergangenheit einen Reaper besiegte, leider aber auch der Menschheit eher abweisend bis mordend gegenüber steht. Diese Kreatur sucht Commander Shepard und der Weg dahin ist zwar geschwätzig, aber vor allem spannend und hervorragend inszeniert.

Commander Shepard entdeckt neue Welten in Mass Effect 3: Leviathan. Sein Einsatz am Meeresgrund gehört mit zu den stärksten Sequenzen des gesamten Mass Effect 3-Abenteuers.

Sogar auf der Citadel lernen wir mit dem Labor des Wissenschaftlers einen neuen, wenn auch eher unspektakulären, Ort kennen. Aber: Die Citadel steuere ich immer gerne an – ist sie doch einer des faszinierendste Hubs der modernen Spielegeschichte, aufgrund des glaubwürdigen, aber trotzdem extrem futuristischen Styles. Dort werden wir Zeugen eines Verbrechens und kämpfen uns durch ein sehr leichtes Quasi-Rätsel mit dem Ergebnis, dass wir den ungefähren Standort von Leviathan kennen und uns auf zur Konfrontation mit ihm machen.

Und dann wird geschossen und gekämpft, allerdings zu 100 Prozent gegen Gegner, die wir aus dem Hauptspiel schon kennen. Was für mich neben der Story ein weiterer Hinweis darauf ist, dass Leviathan eigentlich von Anfang als Teil des Hauptspiels gedacht war, aber vom Umfang her ausartete und irgendjemand rief: „Hey, verdienen wir damit doch lieber Extra-Kohle!“ Wie dem auch sei: Die Gefechte sind spannend und recht anspruchsvoll, auch weil sich die beiden aus der Party gewählten Kolleginnen nicht besonders schlau anstellen. Und dann, zum Abschluss der Schießerei auf unruhiger See, steigt man in den Mech und stürzt sich in die Fluten. Was dann kommt, macht Leviathan so besonders und lohnend. Aber, es macht auch ärgerlich, weil das Ende der Leviathan-Story – wäre sie konsequent weitererzählt worden – auch dem Endkampf eine ganz andere Note hätte geben können. Aber, es ist ein verspäteter DLC. Nur. Schade.