Es gibt einen neuen Hauptdarsteller im Resident Evil-Universum, dessen Abenteuer wir in der Demo von Resident Evil 6 ebenso wie die Kampagnen von Leon und Chris anspielen können: Es geht um Jake. Und geradewegs heraus: Ich mag ihn nicht. Auch Sherry als Sidekick bleibt blass. So sehr mich das Leon-Szenario begeisterte und auch die Ballerei mit Chris mein Gefallen fand, frage ich mich, warum Capcom mit Jake einen tragenden Charakter einführte, der nach Stand der Demo der Serie nichts Neues hinzufügt. Im Gegenteil. Es wird geklaut: Unsinniger Weise sogar bei den Missionen von Chris Redfield, aber auch bei Games wie etwa Lost Planet und – ganz unverfroren und peinlich – auch bei Uncharted.

Dabei beginnt die Demokampagne sehr viel versprechend, nämlich direkt mit einem Bosskampf mit dem sympathischen Ustanak. Wobei wir Ustanak vorher ein wenig beim Foltern zuschauen durften. Hier daher der Hinweis: Die Demo von Resident Evil 6 und insbesondere die Jake-Mission ist nichts für Kinder! Während Jake mit Sherry aus einem uns nicht näher erläuterten Grund durch eine fabrikartiges Gelände schätzungweise irgendwo in Osteuropa hechelt, sondert Jake coole Sprüche ab. Take this, Eat that, sowas halt. Es scheint, als solle in Resident Evil 6 Leon der Softie, Chris der gebrochene Held (!) und Jake der Chuck Norris sein. Ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten.

Hmm. Der Held läuft mit seiner Partnerin auf der Flucht vor dem Bösewicht geradewegs in die Kamera hinein. Nee, das ist nicht Uncharted. Oder doch?

Die Uncharted-Gedächtnisverfolgungsjagd in die Kamera hinein nähert sich dem Tatbestand einer Unverschämtheit. Nicht nur, weil die Passage komplett geklaut wurde, sondern weil sie nur aus Trial & Error besteht und sich damit gameplaytechnisch katastrophal spielen lässt. Sieht gut aus, sicherlich, ist auch dramatisch inszeniert, hat aber keine Substanz. Auch optisch macht die Kampagne wenig her. Graue Fabriken im Winter.

Gegen Ende der Demokampagne setzt Capcom dann auf spektakuläre Scripts. Hier kracht mit lautem Getöse eine Decke herunter, da fällt eine Treppe in sich zusammen und es geht genauso dramatisch zu wie in den schlechten Script-Momenten bei Uncharted und den guten bei der Call of Duty-Serie. Und, tratra, da steht er dann, der Ustanak und das Ziel wird es sein, ihn final zu bekämpfen. Wobei ich übrigens an dieser Stelle in der gesamten Demo zum ersten Mal das Zeitliche segnete und anschließend nicht die Kampfsequenz erneut begann, sondern die komplette Demo-Kampagne neu gestartet werden musste. Demon Souls meets Resident Evil 6?

Für die ganz Doofen gibt es über Ustanak noch die Anzeige, wie weit er von uns entfernt ist. Es sind tatsächlich drei Meter. Warum wir das wissen müssen, weiß man nicht.

Der Mauszeiger kreiste nach der Jake-Kampagne schon  über dem Stornieren-Button beim Versandhändler meines Vertrauens – aber ich konnte mich doch nicht dazu durchringen. Das liegt vor allem an der stimmungsvollen Leon-Kampagne bei der Resident Evil 6-Demo, die mich mehr hypte als mich die unausgegorene Jake-Kampagne abstieß. Und das Chris-Szenario funktioniert als Shooter ganz hervorragend. Spielerisch wird sich das Geballer mit Chris Redfield nicht sonderlich von einem Mass Effect 3 oder einem Max Payne 3 unterscheiden. Das ist aber okay so. Warum Capcom augenscheinlich versucht, mit der Jake-Mission in Sachen Action, unzähligen Krawumms-Scripts und blöden Sprüchen  einen draufzusetzen, erschließt sich mir nicht. Ich befürchte, da hechelt jemand dem Zeitgeist aus den Jahren 2008-2010 hinterher. Das könnte mächtig Ärger mit der Community geben.

Hier geht es zur Review von Resident Evil 6 Demo: Leon

Hier geht es zur Review von Resident Evil 6 Demo: Chris