Ganz zum Schluss heiratet Max Payne eine brasilianische Schönheit und wird Vater von Zwillingen nicht. Es wäre auch überraschend gewesen. Ohne den Abschluss von Max Payne 3 auch nur annähernd inhaltlich zu spoilern, stelle ich fest: Es ist mal wieder ein Durchschnittsende. Leider, wie bei so vielen hervorragenden Games auch, bekommen es die Entwickler nicht hin, ihrem Spiel würdige letzten Minuten zu schenken. Daran krankten schon die Uncharted-Teile (ausgenommen Uncharted: Golden Abyss für die Vita) und leider auch die beiden ansonsten nahezu perfekten Batman-Games. Da oben thront Red Dead Redemption als die große epische Ausnahme mit einem Finish, dass mir unvergessen bleibt.

Was bleibt Rockstar auch übrig gegen Ende des Spiels als so weiter zu machen wie bisher – und die Gewalt noch intensiver eskalieren zu lassen? Nichts, wenn man sich und dem Game treu bleiben will. Aus dieser Perspektive heraus wäre es nicht fair, Max Payne 3 für eine gewisse Ideenlosigkeit zu kritisieren. Auch wenn die Schluss-Sequenz und die letzten Gefechte nicht für Jahre im Gedächtnis bleiben und bei genauem Blick Standardware bleiben, runden sie ein Spiel ab, dass so straight wie ein 70er-Jahre-Thriller gnadenlos seinen Weg geht.

Auch nicht viel schöner als die Favela. Max kämpft sich durch die Flughafen-Abfertigungshalle.

Spätestens in der Polizeistation – oder was immer auch diese Hölle sein soll – laufen die größeren Schießereien automatisiert ab, bei manchen Gamern vielleicht schon früher als bei mir. Ohne Bullett Time wagte ich mich schon gar nicht mehr aus der Deckung und gab während der Zeitlupe richtig Gas, um so viele Gegner wie möglich aus dem Weg zu räumen. Klingt paradox, aber so funktioniert es. Im späteren Verlauf sollte man sich während der Bullett Time möglichst „schnell“ bewegen und auch die Gegner im Blick zu behalten, die nicht im Schussfeld sind. Sie könnten mit Granaten werfen, die besser nicht vor unseren Füßen explodierten sollten.

Wie schon im ersten Teil der Diary beschrieben, lebt Max Payne 3 vor allem von seiner intensiven Atmosphäre. Im Laufe des Spiels gesellt sich noch eine weitere Stärke hinzu: Die charakterliche Entwicklung von Max Payne selbst. Und mit Charakter meine ich nicht (nur) die Glatze. Auch wenn Max nicht viel von sich hält, entdeckt er doch plötzlich einen Kern Gutes in sich. Und somit erhebt sich die brachiale und brutale Story vom Selbstzweck hin zu einer weiteren Dimension: Der (Neu-)Entdeckung von Max´ Menschlichkeit, da er mit Personen konfrontiert wird, deren Vorstellungen von Moral und Ethik nicht mal mehr als krankhaft, sondern eher als diabolisch bezeichnet werden können.

Immer schön nach den Waffen-Bauteilen Ausschau halten, wenn man mit so feinen goldenen Wummen schießen möchte!

Und mit diesem äußeren und inneren Reboot (Glatze + Menschlichkeit) schuf sich Rockstar auf  smarte Art und Weise ausreichend Raum für Fortsetzungen. Max´ Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt, im Gegensatz zu der von John Marston aus Red Dead Redemption. Auch wenn es wahrscheinlich und Gott sei Dank nicht zur oben erwähnten Hochzeit kommen wird, bin ich sehr gespannt, wie Rockstar zukünftig mit Max Payne plant. Und bis dahin gibt es noch genug im Multiplayer zu entdecken!

Hier geht es zu Max Payne 3: Diary 1

Hier geht es zu Max Payne 3: Diary 2

Hier geht es zu Max Payne 3: Diary 3

Hier geht es zu Max Payne 3: MP