Da bist du ja wieder, Max! Alt geworden, von Rockstar entwickelt und in bunt! Und mit Multiplayer! Wenn das mal kein Grund ist für das ein oder andere massive Drama á la „MEIN Max hat nur in Schwarz-Weiß Depressionen“ oder „Film noir geht nicht in Brasilien“. Das werden wir ja sehen! Zum Beispiel in dem kleinen Max Payne 3-Tagebuch, in dem ich die alten Teile einfach (so gut es geht) ausblende, denn wie die meisten anderen Gamer habe ich die ersten beiden Episoden nur noch recht unscharf vor Augen. Also kann man sie auch direkt vergessen. Max Payne 3 als vermeintlich episches Spiel sollte für sich alleine funktionieren. Trotz seiner Geschichte.

A propos episch. Das Intro beweist einmal mehr, wo eine der größten Stärken von Rockstar liegt. Sie können einfach verdammt gut Geschichten erzählen und sie filmreif präsentieren. Das depressiv-psychedelische Intro sucht seinesgleichen, es ist die Story eines kranken und gebrochenen Mannes, der an sich und der Welt verzweifelt, der verdammt tief unten sein tristes Dasein fristet. Max Payne halt, mag sich der Veteran denken und er hat recht! Visuell ist die Einführung wie ein kräftiger Rausch, die Farben sind verzerrt, vermischen sich wild und die Kamera torkelt mindestens ebenso heftig wie der besoffene und mit Medikamenten vollgepumpte Max. Der Junge ist richtig fertig, das unterstreicht auch der melancholische Sound. Streicher, wo das Ohr nur hinhört.

Auch im trauten Heim ist Max kein Sonnenschein.

Kurz mal Max als Glatzkopf gesehen, wo er eindeutig noch kaputter ist als im Intro. Rückblende, und los geht´s. Ehrlich gesagt mit einer kleinen Ernüchterung. Die In-Game-Optik hält nicht nicht mit den Filmsequenzen mit, was verzeihlich ist, aber sie liegt auch sehr weit hinter L.A. Noire, was schon eher überrascht. Ansprechend sieht Max Payne 3 aus, zumindest in den ersten drei Kapiteln, die für diesen Tagebucheintrag berücksichtigt werden, aber mehr auch nicht. In der Tutorialmission wird uns die fantastische Bullett Time mit dem Zaunpfahl näher gebracht und wir identifizieren sofort eine neue Stärke von Rockstar: Bullett Time und Headshot passen zueinander wie die Faust und das Auge und das kann man auch ruhig in aller Deutlichkeit zeigen. Ihr Zusammenspiel, wenn wir es mal so nennen wollen, ist hervorragend inszeniert und knallhart umgesetzt. Stimmt ja auch, Headshots sind kein Ponyhof, sondern eine ziemlich brutale Angelegenheit, die Rockstar geradezu zelebriert. Zumindest in der AT-Version dürfen sie das.

Und als ich mich gerade aufrichtig dafür bewunderte, dass kein Schuss daneben geht, erinnerte ich mich an Red Dead Redemption und die Unart, in den Standardeinstellungen die Zielhilfe von Werk aus einzuschalten. Freunde, das geht gar nicht! Ausgemacht das Ding und anschließend geht es auf Stufe Mittel weiter in die nächsten Gefechte und Filmsequenzen. Gerade die dialoglastigen Einspieler dominieren das Geschehen zu Beginn, weswegen der Colt länger im Halfter bleibt als vermutet. Die Story rund um den zu beschützenden brasilianischen Clan werde ich hier nicht wiederkäuen, aber Rockstar gab sich erfolgreich alle Mühe, sie adäquat zu erzählen. Wer immer noch an New York denkt, kann sich ja einen Urlaub buchen.

Muss ja im Stadion nicht immer Fußball gespielt werden, sogar in Brasilien.

Die meiste Zeit verfolgen wir auf der Seite der vermeintlich Guten die Bösewichter und beginnen zu ahnen, dass es wohl inklusive Max himself nicht wirklich Gute in dieser Geschichte gibt. Ist noch nicht Film noir, aber eine sehr gute Ausgangsposition für ein spannendes Spiel. In dieser dichten Atmosphäre zwischen den weiterhin fein arrangierten Filmsequenzen und Max´ Kommentaren auf dem Off (wie immer in Rockstar Games gibt es nur deutschen Untertitel) fällt noch ein anderer kleiner Makel auf. Gameplaytechnisch gesehen ist Max Payne 3 bis dato – die Bullett Time mal ausgenommen – recht bekannte Third-Person-Shooter-Standardkost auf hohem Niveau und mich umschleicht die Vorahnung, dass es so bleiben könnte. Deckung, schießen, Deckung, mal eine Pille einwerfen, schießen, weiterlaufen. So funktionieren bislang die Gefechte und ich hoffe sehr, dass es nicht dabei bleibt, auch wenn das Gameplay an sich ebenso wie die KI hervorragend funktioniert.

Also: Einerseits Begeisterung, weil Rockstar die ersten Stunden von Max Payne 3 perfekt arrangierte und durchkomponierte. Die Story scheint zum Setting zu passen und ich für meinen Teil konnte mich der dichten Atmosphäre und der morbiden Stimmung im Spiel nicht entziehen. Andererseits: Technisch spielt es in den ersten Kapiteln auf der PlayStation 3 nicht in der allerallerobersten Liga mit, sondern auf dem Niveau zum Beispiel von Batman: Arkham City – das aber ein Open World-Game ist, während es bei Max Payne 3 sehr linear zugeht. Und was mir noch fehlt: Eine kleine Gameplay-Innovation, irgendetwas Neues. Darauf werde ich im kommenden Tagebucheintrag verstärkt achten, freue mich aber auf die nächsten Ausflüge nach Brasilien, das laut Max ja wie Bagdad ist, nur mit Tangas.

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