So eine Reise nach Österreich lohnt sich, zum Beispiel könnte man dort einen Blick auf die Resident Evil 6 Demo werfen, die nun für alle Käufer der PlayStation 3 AT-Version von Dragon´s Dogma im PSN bereit steht. Resident Evil 6 ist einer der heißen Titel des Spieleherbstes und mich wundert es ein wenig, das man davon in den letzten Wochen so wenig hörte. Sei es drum, mir ist die sachliche Stille lieber als hysterisch-virale Marketinggeschichten oder ein verfrühtes Jammern darüber, wie schrecklich actionlastig Resident Evil 6 doch geworden ist und früher eh alles besser war. Zugegeben, gespannt bin ich auch, in welche Richtung sich der Vorzeigetitel von Capcom bewegen wird. Und einen ersten nachhaltigen Hinweis gibt die Resident Evil 6 Demo, in der die drei Kampagnen des Hauptspiels angespielt werden können. Den Beginn macht die Leon/Helena-Kampagne, anschließend wird in den nächsten Reviews der Blick auf die Chris– und Jake-Kampagnen geworfen, die ebenfalls spielbar sind.

Wobei nur zu hoffen ist, das der Start des Leon-Abenteuers massiv aus dem Kontext des Spiels gerissen wurde. Generell finde ich es schon merkwürdig, wenn ein US-Präsident kurz im Bild auftaucht, nur um direkt erschossen zu werden. Wenn man so will, ist es eine Form eines bemühten Name-Droppings, auch wenn natürlich der Präsident inklusive seiner Tochter seine Resident Evil-Geschichte hat. Einmal kurz durchgeschüttelt und ab zum Technik-Check. Bei aller Kritik, die Resident Evil 5 einstecken musste, fehlte zurecht das Gemäkel an der Grafik. Mit gutem Grund, denn zu seiner Zeit war es ein Prachtstück. Mal abgesehen von den detaillierten Gesichtsanimationen bietet die Resident Evil 6-Demo (wer weiß, wie es in der Vollversion ausschaut) wenig Grund zum Jubeln. Optisch bewegen wir uns auf gehobenen Open World-Niveau, wohingegen manch linearer Titel weitaus knackigere Texturen aufweist. Immerhin, und mir persönlich ist es auch wichtiger als ein leichtes Kantenflimmern: Die Lichteffekte sind fantastisch und die rund 20 Minuten der Leon-Kampagne atmen ganz tief die fantastische Gruselatmosphäre ein, die die Serie  auszeichnet.

Hinter der Tür lauern Infizierte. Oder auch nicht. Die stetige Ungewissheit in der Leon-Kampagne sorgt für feinen Nervenkitzel.

So ein paar Minuten brauchte ich, bis mich die nur von ein paar flackernden Kerzenlichtern unterbrochene Dunkelheit packte. Der Grusel kommt eher hinterrücks und auf subtile Art und Weise. Indem nämlich – bis etwas passiert – ganz lange gar nichts passiert. Wunderbar, diese Passagen reichten schon, um meine Vorbestellung für Resident Evil 6 nicht zu stornieren – was die Höchststrafe bei einer Demo der Marke Call of Resident Evil 6 gewesen wäre. Zuletzt fühlte ich so eine herbe Anspannung in den ersten dreißig Minuten von Dead Space. Nur war man dort auf einer Raumstation und hier in einer Herrenhaus-Imitation.

Aber: Man kann sich den Grusel und die nervenzerfetzende Anspannung auch selbst kaputt machen. Etwa wenn man andauernd auf sein Smartphone schaut, mit dem man wohl auch das Inventar organisiert – was ich ein wenig abenteuerlich finde. Mit dem Schnickschnack sollte man sparsam umgehen. Das es einen Miniruckler gibt, bevor es zur Sache geht – was ziemlich spannungsmindernd ist – schiebe ich einfach mal auf den Demo-Status, dieses Problem sollte mittlerweile behoben sein. Und wo wir schon bei Dead Space-Ähnlichkeiten waren: Mit der L2-Taste weist uns das Smartphone (oder wer auch immer) den Weg. Liebe Capcom-Leute, dachte ich mir, das kann ja wohl nicht wahr sein! Warum sorgt ihr für ein feines Desorientierungsgefühl in der Halb-Dunkelheit, wenn ihr gleichzeitig mit einer übergroßen Animation den Weg heraus zeigt? Nee, dieses Feature werde ich definitiv links liegen lassen.

Wie früher: Sitzt nicht jeder Schuss, gibt es ein Problem mit der Munition. Und dann heißt es die Beine in die Hand zu nehmen.

Während also Leon und Helena durch dunkle Räume und fantastisch sparsam ausgeleuchtete Küchen, Keller und Gänge stolpern, fiel mir mit etwas Verspätung etwas nicht ganz unwichtiges auf. Leon kann zielen und gleichzeitig gehen! Ja, eigentlich ist es peinlich, darauf überhaupt hinweisen zu müssen, aber bislang war es der Serientradition geschuldet, dass nur eines von beiden möglich war. Und geschmeidig bewegt sich Leon auch nicht gerade, wenn er mit seiner Pistole herumfuchtelt. Wer aber glaubt, das Leon – jetzt wo er groß und stark ist – sogar über einen Stuhl steigen kann, der irrt. Da ist es an manchen Stellen in der Demo absurd, wenn ein Weg nur deswegen versperrt ist, weil Leon es nicht hinkriegt, über einen auf dem Boden liegenden Hocker zu klettern (!). Aber an solche Geschichten gewöhnte ich mich auch bei Resident Evil 5 und das mag ich Resident Evil 6 fanboy-mäßig nicht vorwerfen, sondern hake es unter liebgewonnener Resident Evil-Folklore ab.

Denn zu dieser Resident Evil-Folklore gehört ins Mark reichender Grusel und das angsteinflößende Gefühl, eben nicht zu jeder Zeit eine Eskalation beherrschen zu können. Wenn es wirklich aus meiner Sicht etwas an Resident Evil 5 zu meckern gab, war es die Stärke von Chris Redfield. Zumindest in der Leon-Kampagne scheint der Mix aus modernem Resident Evil und alten Stärken gelungen zu sein. Wir dürfen gespannt sein, ob Capcom das hohe Niveau auch in der Chris-Kampagne halten kann. Fortsetzung folgt.

Hier geht es zur Review von Resident Evil 6 Demo: Chris

Hier geht es zur Review von Resident Evil 6 Demo: Jake