So, nun hat Sony endlich die PlayStation 4 offiziell vorgestellt und wir wissen immer noch nicht, wie sie aussieht, wie viel sie kostet und wann sie in Europa erscheinen wird. Wäre alles interessant, ist aber nicht weiter dramatisch, schließlich winkte Sony ordentlich mit dem Zaunpfahl in die Richtung, die das Unternehmen mit der PlayStation 4 einschlagen möchte. Also: Die PlayStation 4 wird zuallererst eine Spielkonsole – angereichert mit einigen Social-Features – und dann erst eine Multimediakonsole sein. Gut so. Aber: Eine neue Idee für das Gaming von morgen lieferte uns Sony leider nicht.

Wie schon erahnt, wird die PlayStation 4 im Vergleich mit einem ordentlich bestückten Gaming-PC technisch betrachtet keine Bäume ausreißen. Bemerkenswert sind die 8 GB DDR 5-RAM, aber ansonsten bietet die PlayStation 4 wohl keine sensationellen Schmankerl – sofern sich die noch nicht konkret benannte GPU nicht doch als PC-High End herausstellt, womit aber nicht zu rechnen ist (die genauen Spezifikationen können hier nachgelesen werden). So hat die PlayStation 4 selbst zwar ordentlich Power unter der Haube, aber entspricht damit nur dem aktuellen technischen Stand und ist ihm keinen Schritt voraus. Vielleicht sind die Peripherie und die Cloud interessanter: Mit dem neuen PlayStation 4-Controller im bekannten Design vereint Sony „soziale-Gefällt mir-Button“-Dienste mit einer Steuerung von Let´s play-Videos und Move-Funktionalität. Hier gelang ein deutlicher Sprung nach vorne und unabhängig davon, wie man zu sozialen (Marketing-)Funktionen steht – es gibt dafür eine Nachfrage und wie es scheint, wird Sony sie clever bedienen. Youtube direkt die Let´s player zu klauen ist dann schon geradezu genial und sollte das Aufzeichnen und Präsentieren von Spielsequenzen endgültig aus seiner großen Nische in den vielfach größeren Mainstream befördern.

PlayStation 4 Controller

Dank dem Kauf von Gaikai kann Sony rund um die PlayStation 4 einige Streaming-Dienste anbieten – von Let´s play bis zum Stream auf der PlayStation Vita und High End-Tablets – die die Attraktivität deutlich erhöhen. Gaming wird immer ortsungebundener und flexibler, was nur begrüßt werden kann. Aber nichts daran ändert, dass  auch in der nächsten Generation neuartige Spielkonzepte nicht durch die Hardware angestoßen werden, wie es Nintendo annodazumal mit der Wii gelang. Das soll kein Meckern sein, aber ein wenig bedauern darf man es schon, dass mit der PlayStation 4 keine Mauern eingerissen, sondern bestehende Strukturen „nur“ erweitert und optimiert wurden.

Letztlich zählen die Spiele und da kann es nur verwundern, dass (noch!) weder ein Uncharted 4 noch ein The last Guardian als Launch-Titel angekündigt wurden. Aber ein neues Killzone, inFamous und die anderen Titel sind auch durchaus verlockend. Große Sorgen muss man sich um Exklusivtitel bei der PlayStation 4 wohl eh nicht machen, dafür war Sony schon bei der PS3 viel zu risikofreudig (Journey, Heavy Rain) und aktiv. Mit hochgezogener Augenbraue darf man aber auf Watch_Dogs und Diablo 3 schauen (hey, ein PC-Port für die PlayStation 4!). Beides wird definitiv nicht PlayStation 4-exklusiv sein, was die Prognose zulässt, dass die exklusiven Titel zum Launch der PlayStation 4 rar gesät sein könnten (alle gelisteten 3rd-Party-Entwickler gibt es hier). Trotzdem: Auch wenn die PlayStation 4 ein schönes Plätzchen bei mir erhalten wird, bin ich mir immer noch nicht ganz so sicher, was sie – abgesehen vom Social-Dingens – über den Gaming-PC stellt, wenn man eben nur und ganz alleine auf die Spiele schaut.