Auch wenn sich Windows 8 nicht ganz rund anfühlt, mag ich es. Wirklich. Ich spiele derzeit sogar so intensiv auf dem PC wie seit vielen Jahren nicht mehr, was aber zum einen mehr mit der im Vergleich zur PS3 moderneren Hardware und zum anderen mit den weitaus interessanteren Spielen zusammenhängt. Und nicht mit Windows 8, weil es so ein besonders spielefreundliches Betriebssystem ist. Oder weil der Windows Store so fantastisch ist. Nichts dergleichen. Windows 8 gefällt mir, weil es ein mutiges OS ist, weil es sich damit auf dem Touchscreen sehr gut arbeiten lässt und es so viel mehr bietet als Windows 7. Windows 8 hat es auch um ein Vielfaches schwerer als Windows 7, das nach der Vista-Katastrophe nur ordentlich funktionieren musste um zu glänzen. Dafür macht Windows 8 seine Sache gut. Ok, es fehlt (noch) der olle Startbutton, na und? Kann ich verschmerzen. Da wären weitaus größere Probleme denkbar. Windows 8 funktioniert, daran gibt es keinen Zweifel. Was mich aber anlässlich des halbjährigen Mini-Jubiläums von Windows 8 wurmt, ist das Desinteresse von Microsoft an PC-Spielern. Unverständlich, warum sich Microsoft nicht mit der potentesten Spieleplattform, die der PC nun mal ist und bleiben wird, mächtig brüstet und die hohe Innovationskraft abertausender Entwickler für sich nutzt. Zumindest imagetechnisch. Und die Xbox 360/720 alleine kann es auch nicht schuld sein.

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Hier liegt offensichtlich Microsofts Schwerpunkt. Windows 8 als mobiles Betriebssystem.

Liegt es an der unheilvollen Kombination von Windows 8 und Windows RT? Hat sich Microsoft mit seiner Doppel-OS-Struktur verzettelt? Es wirkt so, denn im Handel zerfallen die RT-Tablets in den hintersten und schattigsten Regalen zu Staub. Aus PC-Spieler-Perspektive zeigt sich dieses Dilemma vor allem im Windows Store, der mehr an einen hoffnungslos unterbesetzten Spielebereich aus dem Apple AppStore erinnert als an ein Steam, uplay oder Origin. Der hauseigene Windows 8 Store riecht in Sachen Games verdächtig nach einem RT-Store mit Casual-Spielchen und ist damit strategisch gesehen auch mittelfristig noch eine Katastrophe. Kein Wunder, dass Exklusivspiele rar gesät sind.

Windows 8: Wenn schon kein Alleingang, warum dann kein Bündnis mit Steam & Co.?

Apropos Exklusivspiele: Hier glänzt Microsoft auch nicht mehr, im Gegenteil, da neigte sich die Götterdämmerung schon vor Jahre dem Ende entgegen. Mit Blick auf das wunderbare, aber doch eigentlich kleine Journey oder die diversen kreativen und günstig zu produzierenden Indiehits hätte doch mal irgendjemand Schlaues in Redmond auf die Idee kommen können, im Zuge des Windows 8-Launches vollwertige, interessante und innovative Exklusivspiele auf den Markt zu bringen. Als Download wären Sie mit ein wenig Verzögerung auch für die Xbox 360 noch attraktiv gewesen. Und jetzt, nach einem halben Jahr, hat man diesbezüglich immer noch nichts von Microsoft wahrnehmen können, was irgendwie relevant für den Core-Gamer wäre. Und ich mag mittlerweile auch nicht mehr daran glauben, dass die Xbox 720 – abgesehen vom Media Center – eng mit dem Windows 8-PC verknüpft sein wird. Die Strategie scheint eindeutig zu sein: Xbox 720 für die Freizeit, PC für das Büro.

Vielleicht holt Microsoft mit Windows Blue bzw. Windows 8.1 den PC-Spieler doch wieder ins Boot? Unwahrscheinlich. Es scheint so, dass sich Windows 8 wieder direkt auf das Desktop booten lässt und auch das Startmenü zurückkommt. Das sind aber Windows 7-Wiederherstellungen und, wenn man so will, der Schritt zurück, um dann zwei voran schreiten zu können. Schön. Auch das Durcheineinander mit den PC-Einstellungen aus dem Kachel-Menü heraus und der Desktop-Systemsteuerung sollte bereinigt werden. Es würde mich aber sehr stark wundern, wenn größere Änderungen an Funktionen oder Inhalten vorgenommen werden, die spielerelevant sind. Es dürfte letztlich auf Optimierungen im Kachelmenü wie etwa die 50-50-Bearbeitung von Apps auf dem Screen geben. Finde ich super, das begrüße ich auch – würde mich aber über einen größeren Einsatz an anderer Front freuen. Über eine Kooperation mit Valve´s Steam zum Beispiel. Nach dem Konflikt rund um den Windows 8-Launch zwischen den Unternehmen wäre ein handshake wünschenswert. Auch ein Cross-Marketing zwischen PC und Xbox ist durchaus denkbar, ebenso wie gemeinsame Exklusivproduktionen für den PC. Man muss nur wollen. Aber genau dort scheint das Problem zu liegen.