Ein Mann erwacht fern unseres Heimatplaneten auf einem orientierungslos durch´s All schwebenden Raumschiff. Und ist ganz allein. Während seltsame und durchaus Angst einflößende Dinge geschehen, versuchen wir herauszufinden, was wir überhaupt auf diesem Schiff zu suchen haben, welche kranken Experimente dort stattfanden und wo die ursprünglich mitreisende Familie geblieben ist. Das klingt zwar nach einer klassischen Ausgangslage für einen Actiontitel á la Dead Space, spielt sich aber in einem komplett anderen Genre ab. Stasis ist ein isometrisches 2D Point & Click Adventure, das (zumindest dem Eindruck der Stasis Alpha nach) hervorragend funktioniert. Atmosphärisch und technisch spielt die Stasis Alpha annähernd auf AAA-Level, das Gameplay und die Rätsel sind kniffliger als es der Zeitgeist gerade anscheinend mag und auch die Story macht neugierig.

Entwickelt wird Stasis von The Brotherhood, einem kleinen, dreiköpfigen südafrikanischen Studio, bei dem Chris Bischoff als Lead Designer für das Spiel allein verantwortlich ist. Ähnlich wie es David Broad mit Lifeless Planet beweist, scheinen einige äußerst begabte One-Man-Teams gerade die Indie-Szene mit Titeln aufzumischen, die sich – Galaxien von pixeligen Plattformern entfernt – durchaus mit AAA-Titeln messen können. Man schaue sich bei der Stasis Alpha nur mal das spektakuläre Intro und den fantastisch inszenierten Cliffhanger an, die sich nicht eine einzige Sekunde vor der mit weitaus größeren Mitteln ausgestatteten Mainstream-Konkurrenz á la Dead Space & Co verstecken müssen. Vorschusslorbeeren erhielt Stasis übrigens in klingender Münze bei Kickstarter, wo es mit 132.000 $ äußerst erfolgreich abschnitt und zusätzlich noch mit viel Liebe und Clicks von der Steam-Community bedacht wurde, woraufhin es grünes Licht bei Steam Greenlight bekam.

Stasis AlphaDer angeschlagene Held in der Krankenstation. Im Stasis Alpha Demo-Level, gleichzeitig dem ersten Level des Spiels, müssen wir uns die Rätsel erst erarbeiten, bevor wir sie lösen.

Atmosphärisch erinnert mich die Stasis Alpha, trotz isometrischer Perspektive und Point & Click-Rätseln, ein wenig an Dead Space. Aber auch nur an den ersten Teil, als das immerwährende klaustrophobische Gefühl noch wichtiger als das blutige Gemetzel der Nachfolger war. Auch in Stasis durchqueren wir dunkle Räume und Gänge und fürchten manch böse Überraschung. Klingt vielleicht gewöhnungsbedürftig für ein Adventure, aber es lohnt sich definitiv die Stasis Alpha mit Kopfhörern zu spielen, zumindest wenn man auf Immersion wert legt.

Stasis Alpha: Horror und rauchende Gehirne

Bezeichnend für das Gameplay ist ein recht hoher Anspruch, wobei noch offen bleibt, ob dieser im Endprodukt nicht noch gesenkt wird. Das UI und die Mechaniken sind zwar klassisch dem Point & Click-Strickmuster nach entworfen, jedoch nicht die Rätsel an sich. Erst einmal springen sie dem Spieler nicht ins Gesicht, sondern wollen gefunden werden. Es gibt auch keine In-Game-Hilfe, wenn man nicht weiterkommt. Der Spieler muss mitdenken, sich in die Rolle des Helden hineinversetzen und dann liegen die kommenden Aufgaben eigentlich auf der Hand. Nur muss er sie dann auch lösen und da ab ungefähr der Hälfte der Stasis Alpha noch weitere Etagen des Schiffs hinzukommen, sollte man sich ziemlich genau merken, wo man wann was gesehen und gefunden hat. In einem Raum alleine findet sich – von den ersten Minuten abgesehen – kein Handwerkszeug, um Maschinen, Computer oder Aufzüge in Gang zu bekommen. Wunderbar auch die kleinen Schockeffekte, die hervorragend funktionieren, weil sie gerade dann eingestreut werden, wenn man so gar nicht damit rechnet, sondern mit Rätseln oder der Wegfindung beschäftigt ist.

Stasis Alpha 1Manchmal geht es „nur“ um die Atmosphäre und das Einsamkeitsgefühl des Helden.

Die Stasis Alpha besteht zwar „nur“ aus einem einzigen Level, der sich dafür aber gewaschen hat. Glücklicherweise wird er von den Entwicklern kostenlos für Windows und Mac zum Download angeboten. Wer noch die Entwicklung von Stasis unterstützen möchte, kann dies per Paypal auf der Stasis-Homepage machen. Anmerkung zum Schluss: Ich „backe“ Stasis und entschied mich für die Digital Edition – was ich auch absolut nicht bereue.