Es gibt diesen einen wunderbaren Moment in Lifeless Planet, der das Spiel groß macht. Nach einem einsamen und nicht immer einfachen Marsch über schwieriges Terrain auf einem fernen, unwirtlichen Planeten, steht sie da. Auf einem malerischen Felsvorsprung. Aber irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Der surreale Duft, der Lifeless Planet von der ersten Minute an umgibt, manifestiert sich hier in der Tatsache, dass die von uns gesuchte Frau kein Sauerstoffgerät benötigt und weder menschlich wirkt noch so handelt. Und so stellt sich in dieser Sequenz wiederholt die Frage: Was soll das alles? Nachdem ich die Freude hatte, den Preview-Level von Lifeless Planet durchzuspielen, kann ich die Frage zwar nicht abschließend beantworten, aber feststellen: Es lohnt sich nach dem Sinn zu suchen. Es ist ein Kampf mit und gegen die Fragezeichen in einem hochinteressanten Setting, dass von David Board, Kopf des kleinen Indie-Studios Stage2Studios, entworfen wurde.

Die Ausgangssituation: Alleine auf einem fernen, dem Mars ähnelnden Planeten, der zuvor von russischen Wissenschaftlern in noch zu erkundender Form erschlossen wurde (es ist zu vermuten, dass dabei einiges schief ging), kämpfen wir in den Badlands um das Überleben und suchen das schon erwähnte Wesen, dass Rettung verspricht. Dabei müssen wir passierbare Wege finden, Loot sammeln, Rätsel lösen und nicht in die Fallen der Außerirdischen tappen. Neben der extraterristischen Gefahren lauert an vielen Passagen der Sturz in die Tiefe, weswegen mancher Schritt nach links oder rechts gut überlegt sein sollte. Gerade letzteres gefiel mir sehr gut. Die Sprungpassagen sind nicht nur anspruchsvoll, sondern schon rein von der Optik her beeindruckend. David Board spielt perfekt mit Höhen und Abgründen und das passender Weise auch in übertragenem Sinne.

Lifeless Planet 1Rätsel gelöst und weiter geht´s. Lifeless Planet kombiniert auf dem zu erkundenden Weg einige Logikrätsel mit kleinen Jump´n Run-Einlagen.

Als Spieler ist man in Lifeless Planet ein einsamer Mensch. Wenn auch nie explizit im Spiel erwähnt, umgibt den „Helden“ durchweg eine gewisse Melancholie, die von den düsteren Brauntönen nur verstärkt wird. Das ist zumindest mein Eindruck. Wo kein bzw. kaum Leben, kann nur schwer Lebensfreude vorhanden sein. Diese Leere, gepaart mit der doppelten Unsicherheit im Spiel – neben den storybasierten Fragen noch bezogen auf den Exploration-Anteil von Lifeless Planet – ist nicht so ganz leicht zu verdauen. Frontaler Spielspaß geht sicherlich anders, aber als interaktive und intensive Erfahrung ist Lifeless Planet eine ganz besondere Perle.

Lifeless Planet: Story ohne Worte (beinahe)

Wobei „erfahren“ ein aktiver Vorgang ist. In Lifeless Planet wird dem Spieler nicht in bekanntem Sinne die Geschichte erzählt, sondern „nur“ durch kurze Fragmente und kleine Monologe angedeutet. Zumeist sind die Storypartikel subtile Handlungsanweisungen, weswegen wir uns die weitere Entwicklung der Geschichte mehr erspielen denn vorgesetzt bekommen. An dieser Stelle erinnert mich Lifeless Planet an Dream, mit Blick auf den Jump´n Run-Anteil auch ein wenig an Limbo. Für das Exploration-Genre ist diese Vorgehensweise nur konsequent und fügt sich in das Gesamterleben von Lifeless Planet auch wunderbar ein.

Lifeless Planet 2

Unity ist zwar nicht Frostbite 3, aber ein Händchen für Atmosphäre und für eine gewisse karge Schönheit kann man David Board nicht absprechen.

Für Lifeless Planet wurden schon diverse Lorbeerkränze in der noch laufenden Entstehung geflochten. Zum einen war es neben Titeln wie The Stanley Parable ein Teil des Indie-Megabooth auf der diesjährigen Pax Prime, zum anderen wurde frühzeitig die kommende Präsenz als Early Accress-Game auf Steam gesichert – was für ein zwar erfolgreiches, aber doch eher niedrig dotiertes Kickstarter-Projekt nicht alltäglich ist. Auch die US-Fachpresse schaut sehr wohlwollend auf den Titel und das zu Recht.

Das Material für diesen Beitrag – es ist der auf Pax Prime gezeigte Pre-Alpha-Level – erhielt ich freundlicher Weise von David Board.