Es scheint nicht real in Dream zuzugehen, wie der Name dieses vielversprechenden Explorationgames schon erahnen lässt. Das bei Steam Greenlight bereits von der Community durchgewunkene Spiel kann aktuell in einer durchaus ansehnlichen Pre-Alpha-Version gegen ein kleines Entgelt angetestet werden – was nur jedem zu empfehlen ist, der sich mit einem Dear Esther, Proteus oder Fibrillation anfreunden konnte. In Dream geht es nicht darum frontale Erfolge zu erzielen, sondern (erst einmal) eine abstrakte, irreale Wüstenlandschaft zu erkunden, die offensichtlich der Phantasie bzw. dem Traum eines Mannes entsprungen zu sein scheint. Verkauft wird Dream vom Entwickler HyperSloth als first person atmospheric exploration game, was natürlich exakt den Punkt trifft. Optisch erinnert Dream auf den ersten Blick ein klein wenig an Journey, ist aber trotzdem sehr eigenständig, weil es den Spieler aktiver ins Boot holt als vergleichbare Erkundungstitel.

Technisch wirkt Dream schon im frühen Stadium über jeden Zweifel erhaben. HyperSloth weiß mit UDK umzugehen und zaubert neben wunderschönen Wüstenpanoramen, von Dear Esther inspirierten Höhlen und Katakomben auch kleine Verrücktheiten auf den Bildschirm. Nach dem Erwachen – falls es das überhaupt ist im Spiel, man kann seine Zweifel haben, nicht zuletzt weil das Kapitel Sleeping heißt – entdeckt man ein abgedrehtes Media Center, was sich nicht nur gut macht im Wüstensand, sondern zusätzlich auf eine universitäre Vergangenheit des Protagonisten hinweist. Schon nach diesen ersten zwei Minuten war mein Erforschungsdrang aktiviert und hatte mich Dream gepackt. So einfach ist das manchmal.

Dream 1

Eine Media Center im Wüstensand. Warum auch nicht? Das ein TV an solch einem unwirtlichen Ort Strom hat, ist ein kleiner Fingerzeig in Richtung Surrealität, der Dream ausmacht.

Wer sich Zeit lässt, kann locker 90 Minuten mit Dream verbringen, ohne von nennenswerten Bugs oder Fehlern gestört zu werden. Man darf nur nie vergessen, dass es eine Pre-Alpha-Version des Spiels ist. Reizvolle Orte wie der Aussichtspunkt, die Klippen oder das Tal lohnen den Erkundungsgang, wobei die Wege zwischen den Locations nicht allzu lang geraten sind. Die ganz große Geduld, die vielleicht dem einen oder anderen bei Proteus abgegangen ist, muss man bei Dream zumindest im aktuellen Stadium nicht aufbringen. Ein wenig Aufmerksamkeit schadet nicht, denn hier und da sind kleine Hinweise zu finden, die Aufschluss darüber geben, wohin die Reise in Dream noch gehen könnte.

Mit offenen Augen Dream erkunden

Vielleicht ist es eine schöne Reminiszenz oder nur Zufall, aber die Höhle in Dream wirkt doch sehr an ein bekanntes Vorbild angelehnt. Ich wartete schon (vergeblich) auf die markante Stimme des Sprechers, wie er seinen nächsten Vers mit „Dear Esther…“ beginnt. Im Gegensatz zu den Katakomben, wo ich mich leider in den ersten beiden Versuchen heillos verlief und nicht den Ort fand, der im Video auf der Steam Greenlight-Seite gezeigt wird, ist die Höhle ein Ort, der leicht zu erkunden ist, aber extrem den atmosphärisch dichten Part von Dream betont.

Dream 2

Und wer hat nun die Kerzen angezündet? Die Dear Esther-Gedächtnis-Höhle in Dream.

Und was findet man in Dream, wenn es schon ein Explorationgame ist? Neben abgefahrenen Orten, wie zum Beispiel das wunderbare Schlafzimmer mitten in der Wüste (hier lohnt der Blick auf den Becher auf dem Schreibtisch!), scheinen Textfragmente eine größere Rolle zu spielen, denen wir auf dem Weg mehrmals begegnen. Hier macht es HyperSloth den Spielern nicht sehr schwer, die Zettel zu finden, denn die leuchtenden Luftblasen, in denen sie schweben, sind schon aus größter Entfernung auszumachen.

Zumindest vermitteln Texttafeln wie die im Tal, die kurze Monologe des Protagonisten oder auch die Auswahl der Büchertitel im Wüstenschlafzimmer den Eindruck, dass Dream nicht nur Exploration sein möchte, sondern die Erkundung dieser völlig abgefahrenen Welt in eine subtile Story einbettet – was zum Beispiel einem optisch mindestens gleichwertigen Pendant wie Fibrillation noch abging. Trotz der erahnenswerten inhaltlichen Tiefe muss das reine Erforschen reizen, was Dream schon im frühen Stadium immer mal wieder durch kleine Überraschungen und abgedrehte Ideen gelingt.

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Die Luke im Nirgendwo. Lost, ick hör´dir trapsen!

Bei aller Begeisterung eines Exploration-Genießers doch noch eine kleine Warnung: Dream ist wirklich im Pre-Alpha-Stadium, auch wenn das Build wunderbar spielbar ist. Trotzdem hakt es verständlicher Weise bei vielen wichtigen Gameplay-Elementen. Beispiele: Mit Gegenständen kann nicht immer ordentlich agiert werden. Savegames funktionieren ebenso nicht wie ungefähr alles im Menü außer Exit. Wer aber gerne unbekanntes Terrain erforscht und spieletechnisch über den Mainstream-Tellerrand schauen mag, wird mit Dream schon jetzt sehr glücklich werden. Und hilft beim Kauf von Dream den Entwicklern. Für mindestens 5 Pfund – aktuell 5,95 € – erhält man über die Dream-Homepage den Zugang zum Spiel und später einen Retail-Code u.a. für Steam, sofern das Spiel wirklich erscheint – was man nur hoffen kann.