Nein, nein, ARMA 3 ist nicht das Spiel mit den Zombies, das ist die ARMA 2-Mod DayZ. ARMA 3 ist eine knüppelharte Militärsimulation vom tschechischen Entwickler Bohemia Interactive, die mit einem Call of Duty so viel gemein hat wie Schach mit Vier gewinnt. Momentan läuft die (kostenpflichtige) offene Alpha, die neben dem Multiplayer-Modus vier kleine Singleplayer-Missionen bietet, die als so genannte Showcases konzipiert wurden und eher Demonstrationszwecken dienen. Die erste ARMA 3-Mission namens Infantry zeigt uns nicht nur die Muskeln der neuen Real Virtuality 4-Engine von Bohemia Interactive, sondern stellt die Animationen der Soldaten und die Kommunikation untereinander in den Vordergrund (die Review zu den anderen Showcases ist hier)

Die Aufgabe in der Infantry-Mission ist denkbar simpel: Wir sollen dem Squad Leader folgen und eine kleine, in einem Dorf versprengte Einheit schützen. Auf dem Weg dahin gerät unser Trupp unter Beschuss und muss später einen kleinen Häuserkampf hinlegen. Infantry ist schnell gespielt, aber keine spielerische Kleinigkeit: Denn, wie gesagt, ARMA 3 ist kein Allerweltsshooter, sondern nimmt sein (prinzipiell als durchaus fragwürdig zu bezeichnendes) Business sehr ernst. ARMA 3 ist sperrig wie seine Vorgänger und das bedeutet: Es ist schwierig Gegner zu treffen, aber leicht getroffen zu werden. Das liegt naturgemäß am Genre, aber ebenso an der noch nicht ganz austarierten KI. Bei dem Scharmützel in der Schlucht sind gegnerische Einheiten zwar auch über größte Entfernungen noch zu erkennen – aber nur als kleine Punkte. Da so etwas kindisches wie Auto-Aiming in ARMA 3 nicht existiert, darf man sich auch nicht wundern, wenn man mit dem Sturmgewehr auf 200 Metern Entfernung nicht augenblicklich trifft.

arma 3 map infantry

Die ARMA 3 Map für Infantry. Man sieht: Die Mission umfasst nur einen Bruchteil der gesamten Karte – aber was gezeigt wird, sieht um Längen besser aus als im Vorgänger ARMA 2.

Noch nach dem Release war ARMA 2 ein Bug-Festival der unschönen Sorte und natürlich sollte man sich auch bei ARMA 3 auf einige Fehler einstellen – was bei einer Alpha-Version okay ist. Savegames wurden nicht geladen, Soldaten schwebten nach hakeligen (und aus meiner Sicht generell nicht nötigen) Ragdoll-Effekt irgendwie in der Luft und die eigenen Kameraden sprachen sogar noch nach ihrem Dahinscheiden mit uns. Das schon einmal zum Thema Kommunikation, die meiner Meinung nach ein Spur unaufgeregter verlaufen könnte. Es wird zu viel geplappert und die Ansprache per Namen verkompliziert unnötiger Weise die Zuordnung der Squadmitglieder. Ist aber nicht weiter schlimm, denn im Bereich Optik und Animation macht ARMA 3 einen derart großen Sprung nach vorne, dass das Kaffeekränzchen per Funkgerät annähernd irrelevant ist.

Optisch macht ARMA 3 einen großen Sprung

Die Animationen in ARMA 2 waren oftmals unrund bis grotesk – wenn auch trotzdem zweitrangig. Aber auch einer Simulation tut es sehr gut, wenn es der Konkurrenz nicht Äonen hinterherhinkt. An den Bewegungsmustern der Soldaten gibt es kaum etwas auszusetzen, ARMA 3 spielt hier weiterhin nicht Champions League, dafür aber auch nicht mehr Kreisliga C. Was den Weitblick und den Realismus der Spielumgebung betrifft, wusste schon ARMA 2 zu gefallen. Abgesehen von dem hervorragend umgesetzten mediterranen Setting legte Bohemia Interactive bei jedem entscheidenden Kriterium noch eine ordentliche Schippe drauf. Vormals verwaschene Texturen sind nun knackscharf, der Blick geht über mehrere Kilometer und mit Blick auf die Küste gibt es sogar richtig schöne Flecken auf der Insel zu entdecken. In seiner Gesamtheit bietet ARMA 3 optisch eine quasi-realistische Atmosphäre, die es schon zu diesem frühen Zeitpunkt extrem aufwertet – wenn auch im Multiplayer noch weitaus intensiver als in den Showcase-Missionen, die für eine Simulation doch arg gescriptet sind.

arma 3 1Müsste man nicht gerade die unter Feuer stehenden Teammitglieder beschützen und würde es insgesamt eine Spur friedlicher zugehen, könnte ARMA 3 gerne auch als Tourismus-Demo durchgehen.

In seiner Basisdisziplin pinkelt ARMA 3 eh niemand ans Bein. Gerade ein Duell zu einem Gegner in größerer Distanz kann sich zu einem langwierigen, intensiven Kleinkrieg entwickeln – sofern man ARMA 3 ernst nimmt. Beim Häuserkampf steigt der Puls bei jedem Blick um die Ecke und dem Sprint von Deckung zu Deckung. Untermalt wird die Dramatik noch von einem intensiven Sound, der aus wenig sehr viel macht. Stört nicht gerade der Squad Lead mit irgendwelchen hysterisch vorgebrachten Kommandos die Stille, sorgen dafür einzelne Schüsse im Dorf. Es muss nicht unbedingt der bombastisch orchestrale Score sein, der für die ganz große Spannung sorgt. Die simulierte Realität in Kriegszeiten kann weitaus nervenzerfetzender sein.

ARMA 3 ist Steam-exkusiv und wird bei Steam in einer Basis- und einer Deluxe-Version vertrieben. Zusätzlich zu diesen Versionen kann noch direkt über den Store von ARMA 3-Entwickler Bohemia Interactive die Supporters Edition bezogen werden, in der zusätzlich zu allen zukünftigen Alpha- und Beta-Versionen sowie dem endgültigen Spiel noch sämtliche DLCs von ARMA 3 enthalten sind.

Hier geht es zu den anderen ARMA 3-Showcases (SCUBA, VEHICLE, HELICOPTER)