Resident Evil 6 habe ich bis heute ausgelassen. Wohl keine schlechte Entscheidung bis dato. Vielleicht lohnt sich ein kleiner Blick darauf nach Ende des auf Episodenformat angelegten Resident Evil Revelations 2, das nicht nur Nachfolger seines eigenen ersten Teils ist, sondern ebenso einiges wieder gut machen soll, was die alten und jüngeren Fans an Resi 6 so alles nicht mochten. Oder sogar hassten, bei Resident Evil schwappen die Emotionen gerne mal über das Maß hinaus, das bei einem Videospiel vernünftig sein könnte/sollte/müsste. Back to the Roots war das Versprechen und ein klein wenig hält Capcom es dieses Mal ausnahmsweise sogar ein. Es ist kein CoD-Verschnitt, aber auch kein Schauermärchen, dass mich um meinen mehr als nötigen Schönheitsschlaf bringt. Resident Evil Revelations 2 atmet in wenigen Zügen den modrigen Duft von Old School ein und es tut dem Spiel gut. Warum es telltale-like Episoden sein müssen, leuchtet mir noch nicht ganz ein, aber immerhin gibt es so ein paar Cliffhanger, die es in einem Spiel nach 25 % Kampagnenfortschritt in dieser Form sonst natürlich nicht gäbe.

Kurz die Resident Evil-spezifischen Fakten, die sein müssen, natürlich. Die Steuerung, etwa. Die ist für Resi-Verhältnisse innovativ, wäre ansonsten in jedem Spiel von 2007 als altbacken und hakelig beschimpft worden. Claire Redfield-Faktor? Yep, gibt´s. Resident Evil 4-Feeling? Hmm, ich weiß nicht, ein bisschen vielleicht. Das Setting ist ein anderes und diese Coop-Geschichte lenkt von der Resi 4-Illusion ab. Inventar-Ärger und Munitionsknappheit? Ein bisschen, aber kein Drama. Krasse, wilde Story? Joah, ein bisschen Story steckt in der ersten Episode von Resident Evil Revelations 2, aber sie stört nicht weiter. Und sonst? RER2 (könnte man es so abkürzen?) erinnert mich an zwei Spiele, die auf den ersten Blick gar nicht so recht zu Resi passen: Und zwar Alan Wake und The Last of Us.

Resident Evil Revelations 2 spielt zu 90 Prozent in kargen Industriekomplexen, aber ein, zwei Panorama-Screenshots bietet es auch.
Resident Evil Revelations 2 spielt zu 90 Prozent in kargen Industriekomplexen, aber ein, zwei Panorama-Screenshots bietet es auch.

Das Leveldesign ist Resident Evil wie es leibt und lebt. Enge Schläuche, wenig Platz, kaum Freiheit. Nicht gut macht es das Spiel in Sachen Abwechslung, weil mehrere Passagen in beiden Storys der ersten Episode (namens Penal Colony) durchgeackert werden müssen. Gegen Schlauchlevel habe ich wenig, aber innerhalb einer rund dreistündigen Episode muss es nicht sein, davon die erste Stunde später, nur durch kleine Modifizierungen aufgelockert, noch einmal zu spielen. Geht es raus in die Natur, kommt es zum Alan Wake-Flashback. Sehr ähnlich sehen die beiden Spiele aus, nur dürfte Alan Wake, das gar nicht mal übel gealtert ist, immer noch einen Hauch besser aussehen als Resident Evil Revelations 2 – was nun kein Kompliment für ein Videospiel aus dem Jahr 2015 ist. Dramatisch sind die Detailarmut und die matschigen Tastaturen nicht, das geht schon alles, aber schade ist es schon, wenn ein neuer Resi-Teil auf dem PC aussieht wie ein mittelmäßiger Xbox 360-Port.

Old School-Gameplay

Die Kamera, das Zielen, die gemächlichen Bewegungen und der Sound.. Das ist alles Resident Evil und ich mag das. Besonders nach Dying Light ist es richtig aufregend, mal wieder zielen zu müssen, auch wenn nicht jeder Schuss zwingend ein Treffer sein muss um zu überleben. Also, mit Blick auf das Gameplay bleibt Resident Evil Revelations 2 seinem Kern (wieder) treu, wagt aber trotzdem einen Schritt ins Neuland. Claire Redfield ist in der ersten Hälfte von Penal Colony mit Moira unterwegs und beide sind voneinander und ihren jeweiligen Fähigkeit abhängig. Claire blallert und Moira gibt Licht, sozusagen. Was den Kämpfen manchmal einen schönen Rhythmus gibt, wenn Moira die Infizierten mit der Taschenlampe erst blendet, man kurz wechselt und dann mit Claire daraufhält. Und anschließend geht es fix von Neuem los. Ähnlich, aber besser, funktioniert die zweite Hälfte, wenn der bärtige Barry, der Vater von Moira, mit einem kleinen mysteriösen und tendenziell aufmüpfigen Mädchen über die Insel zieht. Übrigens, hier ist sie, die The Last of Us-Reminiszenz, die vielleicht ein bisschen zu frontal ausgefallen ist. Barry knallt die Infizierten weitaus besser ausgerüstet als Claire ab, während Moira den übersinnlichen Part einnimmt und zum Beispiel durch Wände schauen kann. Und lautlos für die Infizierten bleibt, was aus ihr eine Art Vorhut macht und insgesamt das Zusammespiel der beiden spannend gestaltet.

Old School ist auch die Technik. Nein, es sind keine unsichtbaren Funkgeräte im Spiel, sondern sprechende Armbänder.
Old School ist auch die Technik. Nein, es sind keine unsichtbaren Funkgeräte im Spiel, sondern sprechende Armbänder.

Kurz zur Story: Claire und Moira werden entführt, böse Mächte sind im Spiel und Barry sucht sie und findet erst einmal nur die erwähnte mysteriöse Unterstützung. Die Location ist eine düstere Insel und es ist nur zu hoffen, dass man von ihr mehr in der zweiten Episode zu sehen bekommt. Denn sonst wird es schnell eintönig mit den düsteren, grau-braun gehaltenen Industriekomplexen. Obwohl Resident Evil Revelations 2 ansonsten gar nicht mal schlecht inszeniert ist. Die Cutscenes sind wohl dosiert, gut platziert und sogar der Cliffhanger sitzt.

Also alles beinahe wunderbar, mal abgesehen von der Technik und der recht hakeligen Steuerung, die vor allem in den zwei oder drei Geschicklichkeitspassagen frustig daher kam. Die Rätsel bereiten nicht das ganz große Kopfzerbrechen, lösten aber Zweifel an meinem Orientierungssinn aus. Selten habe ich mich so oft verlaufen in einem engen Schlauch, das war mir schon beinahe vor mir selbst peinlich. Die Räume und Gänge ähneln sich zu sehr, zumindest aus meiner Perspektive und irgendwie muss ich mir das ja schön bzw. schlimm reden, dass ich bei den ganzen Schalter ein-Schalter aus-Sequenzen enorme Orientierungsprobleme hatte.

Barry und das mysteriöse, aufmüpfige Mädchen ins The Last of, ah ne, in Resident Evil Revelations 2.
Barry und das mysteriöse, aufmüpfige Mädchen ins The Last of, ah ne, in Resident Evil Revelations 2.

Mit einem vorläufigen Fazit tue ich mich recht schwer. Resident Evil Revelations 2 scheint dem Resi-Universum würdig zu sein, kann aber als guter und grundsolider Gruselschocker auch keine neue Ära des Franchises ausrufen. Es knarzt an den bekannten Ecken und Enden, verwundert mit dem Koop-Modus und lässt ordentlich Fragezeichen in Sachen Episodenstruktur offen. Ein feiner Cliffhanger ist großartig, aber darf nicht die einzige Berechtigung für das Format sein. Immerhin wird uns nicht die Lüge aufgetischt, dass wir einen nennenswerten Einfluss auf die Handlung haben. Da soll sich niemand täuschen lassen vom Episodenstil. Nur weil Telltale so tut als ob, heißt es nicht, dass Resi seine Wurzeln vergisst. Resident Evil Revelations 2 ist ein vorgezeichneter Schlauch und bleibt es auch. Basta. Sowas nennt man Old School.