Judgement, die dritte Episode von Resident Evil Revelations 2, hat ein ganz bestimmtes Lob sicherlich nicht verdient: Dass es den Spieler in irgendeiner Art und Weise auf eine Reise in unbekanntes Land mitnimmt. Nichts, wirklich gar nichts, unterscheidet es im Kern von anderen, guten Horror- und 3rd-Person-Actiontiteln. Außer diesen beiden Ausnahmen: Da wären die wöchentliche Episodenstruktur und eine gewisse zeitlose Makellosigkeit. Judgement, mit rund über dreineinhalb Stunden nahe dran an einer kompletten CoD-Kamapagne, ist der Realität gewordene grau-braune Traum der Unreal Engine 3. Es ist das beste Spiel des Jahres 2015, dass so aussieht wie das perfekte Spiel aus dem Jahr 2009. Aber auch vom Design abgesehen, lässt sich besonders Judgement über den Klee loben: Diese dritte Episode hat einen verdammt guten Rhythmus im Blut und das in jeder Beziehung.
Ruhige Passagen wechseln sich sehr ausgewogen mit den actionreicheren Momenten ab, der KI-Koop-Teil wirkt nicht als lästiges Anhängsel und die Anzahl an Rätseln - zugegebener Weise nicht die allerkniffligsten der Welt - steigt auf ein äußerst zufriedenstellendes Maß. Auch die Cut Scenes gefallen mir, sehr sogar, deswegen gibt es unten noch eine kleine Galerie. Jedenfalls habe ich mich nicht eine einzige Sekunde lang bei Judgement gelangweilt und weiß mittlerweile auch der Episodenstruktur etwas abzugewinnen. Die kleinen und der dieses Mal größere Happen halten mich bei der Stange, lassen sich gut verdauen und verhindern ein zu fixes herunterspielen, wie es ansonsten wohl passiert wäre. Trotzdem kann ich verstehen, wenn nicht jeder so derbe auf Resident Evil Revelations 2 anspringt wie meine Wenigkeit. Ist schon ok. Ob das dann direkt zu einer der gelangweiltesten Kritiken der Neuzeit führen muss, wie bei Eurogamer geschehen, ist dann natürlich eine andere Frage.

Und natürlich muss dieser kackbraun-graue Unreal Engine 3-Style nicht jedem gefallen. Ich finde ihn angenehm retro und diese gewisse Düsternis und Trostlosigkeit passem ja in jeder Beziehung zur Story von Resident Evil Revelations 2 wie auch zu den Charakteren. Auf mich wirken Artwork, Gameplay, Story und Persönlichkeiten sehr stimmig. Und es muss nicht immer die bunte Tropeninsel sein.
Zum Gameplay in Judgement: Es geht in Richtung „Best of Resident Evil der Neuzeit“. Vielleicht würden klassische Schockmomente dem Spiel guttun, aber ansonsten hat Judgement alles, was ein modernes Horrorspiel benötigt: Kämpfe in Unterzahl und einen Boss mit Wumms, zum Beispiel. Aber auch ruhige Passagen wurden gut eingebettet und die gute, alte Munitionsknappheit wirkt nicht künstlich ins Spiel hineinprogrammiert, sondern ganz natürlich integriert. Soll heißen: Schieße ich wie ein Trottel, habe ich ein großes Problem, ballere ich in Höchstform, habe ich nur ein mittelgroßes Problem. So soll es sein.

Das Zusammenspiel von Natalia und Barry liegt mir auch in Judgement mehr als das zwischen Moira und Claire. Natalia navigiert, sie ist ein wenig das Gehirn und das dritte Auge von Barry. Zwischen den beiden hin und her zu schalten hat was, mindestens einen guten Rhythmus, für mich förderte es ebenso die Identifikation mit dem Duo. Moira dagegen ist der/die Haudrauf, was nicht zuletzt an Claires Munitionsproblem liegt. Von Moira erfahren wir in Judgement ein wenig mehr, was ihrem Part definitiv gut tut und somit gewinnt sie im Vergleich zu ersten und zweiten Episode an Statur und Gewicht. Nicht nur aufgrund der dieses Mal langen, knapp über zweistündigen Moira-Claire-Kampagne tragen die beiden Damen immer noch den Großteil der Story auf ihren Schultern. Es ist spannender zu erfahren, was überhaupt auf der Insel passierte, als herauszufinden, was Claire und vor allem Moira geschah, als sie herausfanden, was auf der Insel vor sich ging. Rein erzähltechnisch gelingt der Part von Claire und Moira also ganz ordentlich, zumindest sofern man nicht ein literarisches Werk der Extraklasse erwartet.

Aber sie entwickelt sich, die Geschichte und fühlt sich nicht kaugummi-artig in die Länge gezogen an. Der Cliffhanger ist dieses Mal kein Schock, sondern ein großes Fragezeichen. Gut, gut, auch hier gelingt es Judgement die Dinge im bekannten Korsett ordentlich zu variieren. Noch leuchtet mir die Alex Wesker-Geschichte nicht so ganz ein, aber das muss es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In der nächsten Episode dürfte eher Moira im Vordergrund stehen und dann erfahren wir vielleicht auch, warum in der Gegenwart von Resident Evil Revelations 2 der Verbleib von Claire so schnurzegal ist. Wie dem auch sei, nächste Woche geht es weiter und wer nicht beim Style des Spiels einen Brechreiz bekommt, sondern sich, ganz im Gegenteil, an den Cutscenes nicht satt sehen kann, möge doch bitte einen Blick auf die Galerie werfen.









