Ordentlicher Rhythmus (in vielerlei Hinsicht!) anstatt langer, unnötiger Warterei. Im Vergleich zu den Telltale-Spielen macht Resident Evil mit seinen wöchentlichen Fortsetzungen á circa 2,5 Stunden schon mal einiges richtig. Die Spannung bleibt erhalten und beginnt nicht zu langweilen, wie es mir zuweilen bei The Wolf Among Us ging, wenn drei Monate ohne ein Lebenszeichen der Serie vergingen. Das hilft aber alles nichts, wenn das Spiel selbst nicht glänzen kann. Natürlich macht auch die Resident Evil Revelations 2 Episode 2 namens Comtemplation aus der Serie keinen neuen Heilsbringer des Horrorgenres, weiß aber zu gefallen. Mir zumindest. Auch weil es im Kern nix Neues macht. Ich mag das Resi-typische hakelige Gameplay, mir gefällt die Atmosphäre, die wunderbar altmodischen Soundeffekte und gewöhnt habe ich mich mittlerweile sogar an die beiden Zweierteams, die wir auf ihrer Reise bzw. Flucht von der bösen Insel der fiesesten Experimente begleiten.

Nicht weiter übel nehme ich dem Spiel das ewige Backtracking. Was heißt, dass ich aus einer Art Grundsympathie heraus fünfe gerade sein lasse. Denn was mich in der erste Folge noch eine Augenbraue anheben ließ, entwickelt sich in Resident Evil Revelations 2 Episode 2 zur gewollt (-gemussten?) Designentscheidung. Im ersten Teil geben Claire Redfield und Moira den Weg vor und in der zweiten Hälfte latschen ihnen – wenn auch im Spiel selbst mit sechs Monaten Verzögerung – Barry und Natalia hinterher. Zumindest was die Locations angeht. Denn: Barry und Natalia treffen auf andere Gegner, müssen neue Möglichkeiten zur Wegfindung entdecken und das ist soweit interessant genug, um trotz genereller Vorbehalte gegen solch eine eigentlich dreiste Zweitverwertung dann doch nichts haben zu können. Dafür gefällt mir einfach die Runde mit Barry und Natalia viel zu gut.

Natalia ist die Verknüpfung von und zu allem, wie uns die Resident Evil Revelations Episode 2 vermuten lässt.
Natalia ist die Verknüpfung von und zu allem, wie uns die Resident Evil Revelations 2 Episode 2 vermuten lässt.

Eigentlich ertappte ich mich in Contemplation desöfteren dabei, wie mir so einiges richtig gut gefiel, das mir an anderen Spielen bitter aufgestoßen wäre. Das braun-graue, industriell angehauchte Setting ist sowas von abgehangen, zum Beispiel, aber trotzdem perfekt, weil es es genau die Farben und Locations sind, die zur Stimmung des Spiels passen. Nicht kreativ ausbaldowert, so absolut gar nicht, aber stimmig ist es. Die unkomfortable Steuerung traue ich mich kaum zu erwähnen, aber sogar der völlig unvollkommene Blick über die Schulter der jeweiligen Heldin bzw. des Helden ist eine saubere Lösung. Warum? Weil die Resident Evil Revelations 2 Episode 2 den oben erwähnten Rhythmus gefunden hat. Besonders in den Konfrontation mit zwei oder drei Gegnern macht die leichte, durch die hakelige Steuerung hervor gerufene Konfusion einen Großteil des Spannung aus. Ist doch schön, wenn mir zwei Gegner einen Hauch von Panik einjagen können. Besser, als gelangweilt Horden von Untoten niederzumähen wie in Dying Light.

Womit ich mich anfreunden konnte, abgesehen von der einen Ausnahme, die ich später noch erwähnen muss, ist der KI-Koop-Modus, der die Serie auf eine gute Art und Weise zu einer multiplen Persönlichkeitsstörung macht. Mit der Zeit teilte ich mir das Gameplay unter allen vier Charakteren relativ fair auf. Vielleicht kam Claire zu kurz, aber das lag vor allem an ihrer (generell begrüßenswerten!) Munitionsknappheit, weswegen ich lieber Moira drauflos knüppeln ließ. Im Hintergrund, rätselhafter Weise ohne Munition zu verbrauchen, unterstützte Claire mit der Knarre die Kämpfe, wenn auch mit bestenfalls halber Schlagkraft. Das wurde an einer gewissen Stelle zu einem Problem und das genau da, wo es bei Resident Evil hingehört. Natürlich rede ich von dem gar nicht mal so simplen ersten echten Bosskampf gegen Ende der Claire und Moira-Story.

Ein Bosskampf mit Schmackes, der wohl besser mit einem menschlichen Kumpanen gewonnen werden kann als mit der laschen KI-Claire.
Ein Bosskampf mit Schmackes, der wohl besser mit einem menschlichen Kumpanen gewonnen werden kann als mit der laschen KI-Claire.

„Meine“ Claire war zu diesem Zeitpunkt mehr als halbtot und ganz ohne Gegentreffer bekam ich den Bosskampf mit ihr nicht zu einem erfolgreichen Ende. Ein Treffer = Feierabend. Moira verfügt mit dem Brecheisen nun weiß Gott nicht über die Mittel, um den Pyromanen-Zombie alleine zu besiegen. Ich versuchte es trotzdem, aber die KI-Claire ballerte wie sie wollte auf den Boss ein, den das alles nicht interessierte. Hier stimmt die Balance nicht so richtig. Oder ich bin zu schlecht. Jedenfalls musste ich in dieser Passage den Schwierigkeitsgrad senken und das stößt mir immer noch übel auf.

Ansonsten geht es so: Die „Kleinen“, entweder Moira oder Natalia, sind die aufklärende Vorhut und Claire und Barry die Vollstrecker. Der stetige Wechsel gefällt mir und auch wenn die Charakterzeichnung in der Story selbst arg dünn ist, gewinnen die Protagonisten allesamt durch ihre Handlungen und die Art und Weise, wie ich mit ihnen spiele, an Statur. Besonders das Zusammenspiel von Natalia und Barry gefällt mir, weil die spielerischen Möglichkeiten wie auch dessen Zwänge größer sind. Natalia verfügt aber eine Art drittes Auge, besitzt aber dafür keine Waffe, im Gegensatz zu Moira.

Das Zusammenspiel von Barry und Natalia gewinnt in Resident Evil Revelations 2 Episode 2 deutlich an Klasse.
Das Zusammenspiel von Barry und Natalia gewinnt in Resident Evil Revelations 2 Episode 2 deutlich an Klasse.

Besonders schön wirkt sich das bei den unsichtbaren Zombies aus. Natalia sieht sie und dann sollte schnell auf Barry geswitcht werden, damit er dem Viech den Garaus macht. Klappt gut, außer in den Fällen, wenn der KI-Barry mal wieder zu langsam durch das Treppenhaus schleicht, nicht fix genug hinterher kommt und dann die Orientierung gänzlich flöten geht. Solche kleinen Ärgernisse präsentiert uns diese Episode dann und wann und natürlich könnte man sich fragen, warum das denn sein muss. Schließlich hatte Capcom seit der ersten Episode eine Woche Zeit, um die kleinen Problemchen beheben zu können. Der Verdacht liegt aber nahe, dass das gesamte Spiel schon längst fertig ist und Bugfixing kein Thema ist. Ansonsten wären die kleinen Mini-Ruckler ebenso schon längst verschwunden.

Und die Story? Nun, ja, hier nimmt die Resident Evil Revelations 2 Episode 2 nicht wirklich Fahrt auf. Es bleibt bei Team 1 bei der Flucht von der Insel und bei Team 2 bei der Suche nach Team 1. Aber: Contemplation sorgt für ein paar Störgeräusche. Die „Aufseherin“ meldet sich öfter zu Wort und es gehört nicht viel Phantasie dazu um zu prognostizieren, dass wir die Dame – oder was immer das ist – im finalen Bosskampf sehen werden. Interessanter Weise spoilert Natalia sehr widersprüchlich ihre Vergangenheit mit Moira, erwähnt Claire Redfield jedoch mit keinem Wort. Warum das so ist, liegt entweder in der noch aufzudeckenden Geschichte und bei der Inkompetenz der Autoren. Wir werden es herausfinden.

Ach, da schau her! Herr Wesker!
Ach, da schau her! Herr Wesker!

Der Cliffhanger ist wieder hervorragend gelungen. Das lasse ich jetzt mal so stehen und spoilere nicht weiter herum. Auch sonst freunde ich mich immer mehr mit Resident Evil Revelations 2 an, was selbstverständlich mit alter Treue und einem gewaltigen Nostalgiebonus zu tun hat. Aber den muss ein Spiel erst einmal einlösen. Und es ist ja nicht so, dass der Grad vom Evergreen zum Shitstorm-Spiel besonders breit ist. Alte Stärken auszuspielen gelingt also immer besser, auch wenn die Technik mau, die Story dünn, das Gameplay ungelenk und die Bosskämpfe wie immer sind. Egal. Das Spiel ist rund. Genau so wie es ist, mit seinen Fehlern und seinen Stärken. Es ist halt Resident Evil.