Respekt, Ouya, jetzt wurden schon knapp 5 Mio.$ über kickstarter für die Android-Konsole eingesammelt. Und es sind noch 22 Tage Zeit, um den Fundraisern das Geld für ein Produkt in den Rachen zu schmeißen, das es noch gar nicht gibt und dessen Erfolgschancen durchaus skeptisch bewertet werden können. Trotzdem regnen für die Ouya noch ein paar Geldscheine vom Himmel. 119 $ kommen schon mal von mir. Dem Hype rund um die Ouya konnte ich Spielkind mich einfach nicht entziehen. Es kribbelt. Ouya könnte schließlich die Open Source-Wundertüte werden, die die Spielebranche mit innovativen und von Publishern unabhängig entwickelten Games durcheinanderwürfelt. Andererseits: Vielleicht wird Ouya der kostspieligste digitale Schrotthaufen der letzten Jahre. Und die nächste Konsole, die kurz nach Erscheinen schon wieder längst vergessen sein wird.

Rund drei bis vier Monate dürfte die Ouya nach Release die annähernd ungeteilte Aufmerksamkeit der Community erhalten. Sollte es einen Trubel um die Wii U geben – sofern sie im Weihnachtsgeschäft 2012 erhältlich ist – dürfte er mit dem Erscheinungstermin der Ouya im März 2013 schon verebbt sein. Und im Sommer 2013 könnte dann die PR-Schlacht zwischen Microsoft und Sony in Sachen Xbox720 und PS4 in den ersten Zügen liegen. In der Zwischenzeit wird sich zeigen, ob der Ouya-Schlachtruf „Keine Lizenzgebühren, keine Handelsgebühren und keine Publishing-Gebühren“ laut und eindrucksvoll genug ist.

Gut schaut sie aus, die Ouya. Das Design stammt von Yves Behar, wie allerorten zu lesen ist. Weltberühmt wurde er u.a. für seine Arbeiten an einer Ladesäule für Elektroautos und Mint, dem sympathischen Putzroboter.

Rein technisch betrachtet wird die Ouya kein Next-Gen-Wunderwerk und sicherlich nicht so leistungsstark wie die Xbox720 und PS4 werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, das sämtliche genannte Konsolen noch in Entwicklung sind. Ouya soll nach aktuellem Stand mit einem Tegra-3-Quad-Core-CPU, 1 GByte RAM, 8 GByte internem Speicher, HDMI bis 1080p, WLAN nach IEEE 802.11b/g/n, Bluetooth LE 4.0 sowie USB 2.0 ausgeliefert werden. Vorinstalliert ist Ouya mit einem Android 4.0-Betriebssystem und einem drahtlosen Gamepad inklusive Touchpad. Man sieht: Das ist nicht High-End, aber ausreichend für komplexe Games, wenn auch nicht für die AAA-Titel der Zukunft.

In Sachen Games bereitet mir die Qualitätssicherung ernsthaft Sorgen. Beim PSN ist das Sony-Adlerauge beispielsweise dafür verantwortlich, dass die Gamer nicht mit billigen Müll überschwemmt werden. Ähnliches gilt auch für Microsoft und Valve´s Steam. So ungemein sympathisch mir die vermeintliche Ouya-Anarchie auch ist – irgendwer muss einen Blick darauf haben, dass Spiele und Apps funktionieren, nicht schädlich und nicht nur Kopien der immergleichen Games sind. Noch 100.000 weitere Angry Birds-Klone braucht die Menschheit sicherlich nicht. Clever wäre es – und auch passend – wenn die Ouya-Community sozusagen als Ouya-Schwarm dem User lohnenswerte und innovative Spiele empfehlen und vor schädlichen Apps warnen könnte.

Nur so eine Frage, aber wo genau ist jetzt das Touchpad bei dem Ouya-Controller?

Als eine Art Social-Konsole könnte Ouya sogar eine realistische Chance auf einen festen Platz in der Nische knapp neben dem Mainstream haben. Sollte das (schon über die Tage leicht aufgeweichte) Free2play-Prinzip für alle Seite profitabel sein und die Nachfrage nach der Konsole selbst und der Software nicht allzu schnell abebben, fällt mir kein Grund für einen Misserfolg der Ouya ein. Abgesehen von einem potenziellen Qualitätsproblem aufgrund der Spam-Games. Und die Konkurrenz? Die Xbox720 und PS4 spielen in ihrer eigenen Liga. Zusammen mit der Ouya (und sogar der Steam Box? Wer weiß, vielleicht erblickt sie auch noch das Licht der Welt…) dürften aber alle Konsolen der Wii U gefährlich werden, der ich keine große bis gar keine Zukunft voraussage und übrigens in diesem Blog konsequent ignoriere. Jedenfalls dürfte 2013 ein großes Jahr für Gamer werden. Mit neuer Hardware, hoffentlich innovativen Games und mit der Ouya als mutigen (und auch von uns finanzierten) Versuch, die verkrusteten Strukturen der Branche aufzuweichen.

Interessante Links zur Ouya:

Ouya auf kickstarter. Shut up and pay! 😉

Penny Arcade wirft einen sehr skeptischen Blick auf die Ouya

Destructoid interviewt Julie Uhrman, die Macherin von Ouya (übrigens eine Antwort auf den Penny Arcade-Artikel)

Der Beitrag von The Verge, mit dem der Hype rund um die Ouya begann