Konami ließ sich mit Silent Hill: Book of Memories, das exklusiv für die PlayStation Vita erscheint, zwar mächtig Zeit, schlug aber nun endlich mit der Demo im PSN auf. Da die Marke Silent Hill in den letzten Jahren ordentliche Kratzer abbekam, war es eine gute Entscheidung, dem Book of Memories eine längere Entwicklungszeit als vorgesehen zu gönnen. Wenn es ein Problem mit diesem Silent Hill-Ableger gibt, dann ist es ausnahmsweise kein technisches (siehe die HD-Umsetzungen der Classics), sondern das Book of Memories nahezu gar nichts mit den bisherigen Silent Hill-Games gemeinsam hat. Trotzdem: Es wird der Marke nicht schaden, sie aber voraussichtlich auch nicht in neue Höhen katapultieren, denn dafür ist die Vita als Plattform ebenso wenig geeignet wie ein typisches Hack´n Slay-Game, das Silent Hill: Book of Memories geworden ist. Wenn man dafür als Grundlage die Demo heranzieht.

Schon das Menü der Demo ist mit dem an die Fensterscheibe prasselnden Regen zwar atmosphärisch gelungen, hat aber nichts mit Horror zu tun. Daher vorweg: Wer auf Schockmomente oder subtile Momente des gepflegten Grusels wartet, tut dies in Silent Hill: Book of Memories vergeblich. Dafür überzeugt die Hintergrundstory: Der Held – für den ich übrigens die lustige Charakterklasse „Schnösel“ auswählte – erhält von einem geheimnisvollen Briefträger ein Paket aus Silent Hill, in dem er sämtliche Erinnerungen seines Lebens findet und der Versuchung nicht widerstehen kann, ein wenig an seiner Vergangenheit herumzuspielen. Das geht natürlich nicht gut und daher dreht es sich inhaltlich um die Frage: Was passiert, wenn man sein Leben im Nachhinein umschreibt?

Der Held, Charakterklasse Schnösel, richtet mit Pistole und Messer ein Blutbad unter zweiköpfigen Hunden an. Das kommt dabei raus, wenn man seine Vergangenheit umschreibt.

Wie man auf dem Screenshot sieht, ist schon alleine die Vogelperspektive in Book of Memories ein Bruch mit der Silent Hill-Serie. Hier alle weiteren Unterschiede aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, aber letztlich ist es nur einer weniger als bei FIFA 13: Denn in Silent Hill: Book of Memories gibt es viele Anspielungen auf den Ort Silent Hill, im Gegensatz zum Fußballspiel. Wir starten die Demo in der sogenannten Zone 1, prügeln uns durch recht ähnlich wirkende Räume und sammeln dabei verschiedene Items wie Waffen, Munition, Medipacks, sogenannte Erinnerungsrückstände und Schlüssel auf. Wobei schnell eine große Ungereimtheit auffällt: Trotz der Pistole in der linken Hand (Steuerung per Viereck) und dem Messer in der rechten (Steuerung per Dreieck), trägt unser Schnösel-Held auch noch (mit der dritten Hand?) eine Taschenlampe, die mit der Select-Taste aktiviert wird. Seltsam.

Da sich die Schlag- und Stichwaffen wie Messer, Holzplanken, Stahlrohre und Hackebeil mit der Zeit abnutzen, sollte man besonders vor der Zerstörung einer Herausforderungskugel prüfen, ob man für das folgende Gemetzel gut gerüstet ist. Bei den Herausforderungen gilt es zumindest in der Demo, entweder einfach nur alle erscheinenden Gegner zu töten oder dieses innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu erledigen, wobei man vom Gebrauch zweier Pistolen abraten muss, da das Zielsystem eine Katastrophe ist. Am besten spart man sich die Pistole für die mächtigeren Gegner auf und bearbeitet derweil mit der anderen Hand die harmloseren Viecher mit einem Messer oder dem wirkungsvolleren Hackebeil.

Der mysteriöse Silent Hill-Briefträger führt nebenbei noch ein Kiosk.

Nach einer bestandenen Herausforderung erhält man ein Puzzleteil, ohne den der Level nicht abgeschlossen werden kann. Schon in der zweiten Zone wird es schwieriger: Die Gegner werden mächtiger, die Waffen liegen nicht mehr in jeder Schublade herum und weitere optionale Missionsziele lenken zwar ein wenig davon ab, das man weiterhin nur durch Räume wandert und wild um sich schlägt – täuschen aber auch nicht darüber hinweg, dass Silent Hill: Book of Memories ein klassisches Hack´n Slay ist.

Das muss aber nicht zwangsläufig schlimm sein, zumindest sofern man kein fundamentalistischer Silent Hill-Jünger ist. Mit der angekündigten Multiplayer-Verknüpfung in der Vollversion könnte das Spiel noch an zusätzlichem Reiz gewinnen. Für mich ist die Demo, die nicht mehr als ein erster Eindruck sein kann, gelungener als gedacht und viel besser als befürchtet. In den heutigen Zeiten, in den Entwickler und Publisher im Konsolenbereich jedes Risiko scheuen, wagt Konami mit Silent Hill: Book of Memories auf der Vita etwas Neues (zumindest im Silent Hill-Universum), was schon Grund genug für ein Lob ist. Technisch mag es nicht der letzte Schrei sein, aber Grund zum Meckern besteht bestenfalls bei den langen Ladezeiten. Ansonsten scheint es, als habe Konami mit Silent Hill: Book of Memories mehr als nur solide Mainstream-Arbeit abgeliefert. Gerade bei den Fans der wunderbaren PlayStation Vita, die jedes ambitionierte Spiel mit Freudentränen begrüßen, dürfte ein Luftsprung angemessen sein.