Dieser Ärger war vorprogrammiert: Hammerpoint Interactive, Entwickler des offiziell noch in der Beta-Phase steckenden Survival-MMO The War Z, bekommt momentan mächtig Gegenwind von seiner Community. Aufgrund zahlreicher und längerer Server-Ausfallzeiten war The War Z in den letzten Tagen vor allem in Nordamerika kaum noch bis gar nicht spielbar. Was zu einem mächtigen Aufruhr im offiziellen Forum führte (u.a. hier, es gibt aber tägliche Server-Issue-Threads), auch wenn ein Teil der User sehr verständnisvoll blieb. Na und, könnte man sich denken, sollen doch die Kids meckern! The War Z ist schließlich in der Beta, kostet nichts und wenn es nicht vor dem Release durch Client-Abstürze sowie Inventar- und Spielstandslöschungen unangenehm auffallen darf, wann dann? Das Problem an der Sache: Hammerpoint Interactive ließ seine Community stolze Preise für den Zugang zur Alpha und noch deftigere Preise für die Beta zahlen. Was zu der Frage führt: Sind zahlende Beta-Tester nur naive Versuchskaninchen oder doch eher Kunden mit Anspruch auf ein funktionierendes Produkt?
Wie es sich leider für einen Shitstorm gehört, gingen einige Kommentare/Beschimpfungen unangenehm unter die Gürtellinie und wurden mittlerweile aus dem The War Z-Forum entfernt. Trotzdem: Hammerpoint Interactive schwang wohl mächtig die Bann-Keule und ging sehr offensiv gegen die liebe Kundschaft vor. Gehört sich das? Nein. Und es gehört sich auch nicht, den Usern einerseits bis zu 50 US-$ für einen Beta-Zugang abzuverlangen, um dann äußerst sensibel mit Kritik umzugehen. Und die wurde in den letzten Tagen eh schon lauter, an denen sich wohl Bugs und Hacks in The War Z häuften (zumindest ergibt sich dieses Bild aus den zahlreichen Kommentaren der Community). Der Konflikt liegt auf der Hand: Nimmst du für einen Beta-Zugang Geld, dann machst du aus einem in der Entwicklung befindlichen Produkt ein quasi-releastes Produkt und wirst - in meinen Augen völlig zu Recht - auch nach höheren Maßstäben beurteilt. Da haben die Server dann einfach zu funktionieren und die Probleme sollten von Entwicklerseite offensiv kommuniziert und angegangen werden. Der Tester wird durch diese fragwürdige Preispolitik nun mal zum Kunden und pocht daher auf seine (gefühlten) Rechte. Und die Beziehung zur Community wird für den Entwickler durch die bezahlten Alpha- und Betazugängen automatisch kritischer. Diesen Ärger hat sich Hammerpoint Interactive selbst ins Haus geholt.
Wie wichtig eine funktionierende Community ist, beweist DayZ, das geistige Vorbild von The War Z. Noch im Sommer dieses Jahres häuften sich massive Bugs - und das Dauerproblem Hacks bekamen die DayZ-Entwickler bis heute nicht in den Griff, aber: DayZ ging als Mod durch, pflegte ein sympathisches kostenlos-Image und setzte als Survival-Genrebegründer an sich schon neue Maßstäbe. Da verzeiht man dann auch gerne Fehler. Bei The War Z kann sich ein großer Teil der Community nicht zu dieser Gnade durchringen. Wenn in Kürze DayZ als Retail auf den Markt kommt, wird wahrscheinlich auch einiges an Flair verloren gehen und möglicherweise der harte Kern weiterhin lieber die Mod auf privaten Servern spielen anstatt sich DayZ zu kaufen. Aber: Das Verhältnis zum Nutzer ist bei DayZ transparent und eindeutig, während Hammerpoint Interactive einerseits gerne dem Fan wie bei einem Vollpreistitel in die Tasche greift, um dann bei Problemen auf den Beta-Status zu pochen. Wollen wir mal hoffen, dass das keine Schule macht!
4 Comments
Phinphin
Bekommt man denn für die 40€ etwas als Gegenleistung, außer den Zugang?
Hatte mir vor ein paar Monaten den Planetside 2 Zugang gekauft, (als es noch in der Beta war) und war eigentlich trotz unzähliger Bugs sehr zufrieden. Man bekam täglich Feedback von den Entwicklern! und hat jetzt nach Release Waffen, Tarnmuster und einen Punktebooster im Wert von insgesamt 40 Euro, obwohl man damals nur rund 20 Euro zahlen musste.
Jens
Ja, es gibt InGame-Guthaben und Gästezugänge - wobei letzteres nicht viel Sinn macht, wenn sie kaum genutzt werden können (gilt eher für Amis, in deren Feierabendzeiten fielen die Serverausfälle). Da Inventargegenstände, Waffen etc. noch im Aufbau sind, wird auch das erst in späterem Beta-Verlauf interessant.
Roberto
Bei DayZ sind Teile der Community außerdem aktiv an der Entwicklung von Patches und Bugfixes beteiligt. 🙂
Würde mich auch sehr ärgern, wenn ich viel Geld bezahlt habe und dann nicht spielen kann, aber man sollte bei Alpha/Beta Status eigentlich schon etwas nachsichtig sein, aber womöglich hat sich der Entwickler hier auch einfach blöd verhalten.
Jens
Ja, persönlich bin ich auch nachsichtig…habe aber auch keine 40€ gezahlt! Den Ärger kann ich aber auch verstehen. Grundsätzlich ist es fragwürdig Alpha/Betazugänge teuer zu verkaufen, finde ich. Da verwischen halt die Grenzen zwischen Beta und Retail.